Weichenstellung für die Zukunft Kirche muss nicht nur einen Zahn zulegen

19.03.2019

Wie kann die Missbrauchskrise gelöst und mehr Personal für die Seelsorge gewonnen werden? Wie kann Kirche verlorenes Vertrauen zurückgewinnen?

Die Zukunft der Kirche war Thema beim Diözesanrat der Katholiken © Kiderle

Lingen/München - Es waren Tage der Entscheidung – zumindest haben das viele Gläubige von der Kirche und ihren Bischöfen in Deutschland erwartet. In Lingen an der Ems haben die katholischen Oberhirten in ihrer Frühjahrsvollversammlung darüber beraten, wie die Missbrauchskrise aufgearbeitet werden soll. Das war das alles bestimmende Thema der Konferenz. Herausgekommen sind nur wenige handfeste Ergebnisse. So wollen die Bischöfe gemeinsam mit dem Missbrauchsbeauftragen der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, einen Leitfaden für die unabhängige Aufarbeitung erstellen. Ein erstes Treffen soll bis Ende Mai stattfinden. Und: In einem synodalen Prozess soll über die Erneuerung der katholischen Kirche diskutiert werden. Dabei soll es auch um die „heißen Eisen“ wie Zölibat oder Sexualmoral gehen. Ein richtiger Schritt! Nur ob das auch der Befreiungsschlag wird, wie von vielen in der Kirche erhofft, das bleibt abzuwarten.

Struktur der Kirche verhindert effektives Krisenmanagement

Die katholischen Bischöfe sind damit eigentlich Jahre zu spät. Schon in den Jahren nach 2010 hätte sie die Gelegenheit dazu gehabt. Die Lehren aus den damaligen Missbrauchskrisen haben sie aber nicht gezogen. Vielleicht konnten sie die Bischöfe auch gar nicht ziehen. Das liegt auch an der Struktur der Kirche. Es gibt zwar eine Deutsche Bischofskonferenz und auch einen Vorsitzenden. Allerdings sind die Teilnehmer gleichberechtigt und es gibt keine Richtlinienkompetenz des DBK-Vorsitzenden Kardinal Reinhard Marx. Er kann also nicht bestimmen, in welche Richtung die Entscheidung der Bischöfe geht. Das verhindert natürlich ein schnelles und effektives Krisenmanagement.

Entwicklungen im Bistum vorantreiben

Sind Kardinal Reinhard Marx in Deutschland die Hände durch seine Amtsbrüder relativ gebunden, kann er in seinem eigenen Bistum Entwicklungen vorantreiben. „Quo Vadis Erzbistum" war die Vollversammlung des Diözesanrates bei uns überschrieben. Kardinal Reinhard Marx und auch Generalvikar hat Peter Beer haben hier von Weichenstellungen für die Zukunft gesprochen. Dabei sind in der Kirche viele Weichen aus der Vergangenheit noch nicht mal auf Gegenwart gestellt. Da wird zum Beispiel noch immer über den richtigen Umgang mit homosexuellen Mitarbeitern gerungen. Eine Diskussion, die in der Gesellschaft schon gar keine richtige mehr ist. Das zeigt: Kirche muss nicht nur einen Zahn zulegen, wenn der Zug nicht gänzlich ohne sie abfahren soll.

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Kirche muss nicht nur einen Zahn zulegen

Der Autor
Christian Moser
Radio-Redaktion
c.moser@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Bischofstreffen in Lingen

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