Sondierungsgespräche in Berlin Kirche muss sich in Politik einmischen

08.01.2018

Neues Jahr neues Glück, heißt es. Union und SPD sondieren. Und auch die Kirchen melden sich zu Wort, auch wenn das einige stört. Ein Kommentar dazu von Christian Moser.

Seit gestern laufen die Sondierungsgespräche für eine Regierungskoalition in Berlin.
Seit gestern laufen die Sondierungsgespräche für eine Regierungskoalition in Berlin. © imago/Christian Thiel

München/Berlin – Seit Sonntag sitzen sie wieder in Berlin und stecken ihre Köpfe zusammen, um eine neue Bundesregierung zu gestalten. Übers Wochenende haben sie noch in ihren Klausurtagungen die Messer gewetzt: Die Politiker. Gerne nutzen sie dafür die Abgeschiedenheit, aber auch die idyllischen Lagen ehemaliger Klöster. Die CSU zum Beispiel hat bereits zum zweiten Mal im Kloster Seeon im Chiemgau getagt – und allein schon damit waren der bayerischen Partei schöne Bilder in der Berichterstattung sicher. Ein zentraler Tagungsinhalt – neben den anstehenden Sondierungsgesprächen – war mal wieder: Wie kann die Zuwanderung und der Flüchtlingsstrom eingeschränkt werden. Als besonderer Gast eingeladen war der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban. Verfechter einer strikten Obergrenze.

Der Jahreswechsel ist aber traditionell nicht nur die Zeit der Parteiklausuren und Entwürfe der Parteipolitik, es ist auch die Zeit, in der die Kirche ihre Finger in die Wunden der deutschen Politik legt, vor allem der deutschen Sozialpolitik. Mit ihren Weihnachts- oder Neujahrsbotschaften haben die Bischöfe klargemacht, dass es eine Obergrenze nicht geben kann, dass die Integration von Flüchtlingen noch besser gelingen muss. Und dass sowohl die Kirche wie auch die Gesellschaft Reformen benötigen.

Vielen Politikern und auch anderen Bürgern ist es ein Dorn im Auge, dass sich die Kirche durch solche Aussagen in die Tagespolitik einmischt. In langen Leserbriefen fordern sie dann die Kirchenvertreter auf, solche Themen nicht anzusprechen und sich lieber auf Kirchenthemen zu konzentrieren. Kirche kann aber nicht bei der Frage um das Priesteramt für verheiratete Männer stehen bleiben. Sie hat gesellschaftspolitische Strahlkraft und muss sich darum auch zu gesellschaftspolitischen Themen wie die Ehe für alle oder eben auch die Integration von Flüchtlingen und einem drohenden Zerfall der europäischen Union äußern. Deutschland ist ein christlich geprägtes Land, so steht es im Grundgesetz – und auch die Europäische Union sieht sich in der christlichen Tradition. Dass sich Bischöfe also zu den Fragen äußern – und das auch ungefragt – müssen Politiker und auch die Gesellschaft aushalten. Dass nicht alle Vorschläge eins zu eins umsetzbar sind, glaube ich, ist allen klar. Die Kirche kann so aber nicht nur Probleme ansprechen, sondern sie bietet für die Verantwortlichen auch eine Art Leitplanke, wenn diese mal die Orientierungspunkte in einer Debatte verlieren.

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Münchner Kirchenradio - Kommentar

Kirche muss sich in die Politik einmischen

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Der Autor
Christian Moser
Radio-Redaktion
c.moser@st-michaelsbund.de


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