Kirche und Bohéme – Sankt Sylvester und Schwabing

30.08.2013

Ein Schwabe soll dem Stadtteil Münchens seinen Namen gegeben. Die Kirche in Schwabing, Sankt Sylvester, ist trotz Kirchturms leicht zu übersehen. So eng ist sie von Wohnhäusern umgeben.

Sankt Sylvester in Schwabing (Bild: Sankt Michaelsbund)

Schwabing ist älter als München, bereits 782 ist es urkundlich erwähnt. Es wird erzählt, ein zugereister Schwabe habe sich niedergelassen und dem Ort seinen Namen gegeben. Dann war er pleite gegangen, sein Nachfolger hatte den verschuldeten Besitz listig dem Kloster Schäftlarn geschenkt, gegen die ausdrückliche Erwartung, dafür bitteschön vom Fegefeuer verschont zu werden. 1886 wurde Schwabing zur Stadt erhoben und am 20. November 1890 nach München eingemeindet.

Sankt Sylvester ist eine Kirche die man eigentlich erst sieht, wenn man fast davor steht. Eng umgeben von Wohnhäusern liegt sie nur ganz leicht erhöht. Das war zu Ihrer Entstehung nicht viel anders – damals umgaben sie Fischerhäuser und Bauernhöfe. Erstmals erwähnt ist sie 1315. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass Schwabing bereits bei seiner ersten urkundlichen Erwähnung 782 einen Kirchenbau an der heutigen Stelle hatte. Ältester Patron der Schwabinger Kirche dürfte der Heilige Johannes der Täufer gewesen sein, der dann von der Märtyrerin und Schiffer-Patronin Ursula abgelöst wurde. Der Heilige Sylvester ist seit 1655 als Nebenpatron nachweisbar. Als 1897 die neue Schwabinger Ursulakirche fertig wurde, und schließlich 1921 eine Pfarrei bei der alten Kirche wurde deren Hauptpatron der Heilige Sylvester.

Als zahlreiche Arbeiter aus dem Umland in den benachbarten Loden- und Eisenbahnfabriken ihr Glück suchten, entstand in direkter Nachbarschaft von Sankt Sylvester eine Schule mit erstaunlich modernem Ausbildungskonzept. Angelika Dreier vom Münchner Bildungswerk, erzählt, dass angelockt von den einst günstigen Mieten des Neubauviertels um 1900 die Bohèmes, die sogenannten „Schwabinger Schlawiner“ ins Viertel kamen. Sie begründeten dessen Ruf als Zentrum der Literaten und Lebenskünstler und machten Schwabing zum wohl bekanntesten Stadtviertel Münchens. Nach Plänen des Architekten Hermann Buchert entstand an der Nordseite der alten Kirche - durch einen niedrigeren Zwischentrakt mit dieser verbunden - ab 1925 der achteckige Neubau, der 1926 von Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber geweiht wurde.

Die nächste Führung ist am Sonntag, den 22. September um 17 Uhr. Treffpunkt ist der Eingangsbereich von Sankt Sylvester. Die Führung dauert etwas 90 Minuten und kostet 8 Euro. (sts)


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