Schulstart Kirche und Klassenzimmer

12.09.2017

Katholische Gymnasien und Realschulen können sich vor Anmeldungen kaum retten. Aber die Kirche bräuchte auch andere Schultypen.

Der Ernst des Lebens - kirchliche Schulen bereiten darauf gut vor
Der Ernst des Lebens - kirchliche Schulen bereiten darauf gut vor © fotolia

Die Schultüten für die Erstklässler sind schon wohl gefüllt, die ersten Hefte und Lernhilfen für die Älteren besorgt, die Schulranzen warten darauf, vollgepackt zu werden. Für weit über eine Million Kinder und Jugendliche in Bayern beginnt in dieser Woche wieder der Alltag im Klassenzimmer. Dabei bleibt in den kirchlichen Schulen kaum ein Platz leer. Religionskrise, Mitgliederschwund, schrumpfende Pfarreien – in den Bildungseinrichtungen der Bistümer und Orden ist davon nichts zu spüren. Wer etwa in die 11. oder 12. Klasse des Pater- Rupert-Mayer-Gymnasiums in Pullach wechseln möchte, hat keine Chance: Aufnahmestopp, die Oberstufe ist absolut überfüllt. An anderen kirchlichen Schulen ist es ähnlich. Viele Eltern, und davon sind etliche konfessionslos, glauben, dass ihre Kinder dort die beste Bildung fürs Leben bekommen. Teilweise gibt es dafür ganz pragmatische und nicht ganz ehrenwerte Gründe: der Anteil an Kindern aus ausländischen und sozial benachteiligten Familien ist an kirchlichen Schulen geringer.

Gut ausgegebenes Geld

Denn die Eltern aus diesen Gruppen können sich oft wenig um die Bildung ihrer Buben und Mädchen kümmern. Selbst bei bestem Willen gibt es die Angst, nicht genügend helfen zu können. Darum bleibt die gutbürgerliche Mitte insbesondere in katholischen Gymnasien unter sich, vielleicht noch stärker als an anderen weiterführenden Schulen. Katholische Grund- Haupt- und Mittelschulen sind selten, leider, leider. Dabei ist das, was kirchliche Schulen in besonderer Weise vermitteln wollen für alle Kinder von allergrößter Bedeutung: Dass sie unabhängig davon, was sie leisten und erreichen können, von Gott gewollt und geliebt sind. Dass es mehr gibt als diese Welt, auch wenn die Menschen den Auftrag haben, sich um sie zu kümmern und für kommende Generationen zu erhalten. Wo könnte das besser vermittelt werden, als in der Schule? Darum ist das katholische Engagement hier so wichtig. Und die Bistümer und Orden lassen es sich viel Geld kosten – Kirchensteuer-Mittel, die bestimmt gut ausgegeben sind.

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Hören Sie hier die Kitaradio-Sendung des Münchner Kirchenradios zum Pater Rupert Mayer Schulzentrum in Pullach. (2015)

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Alois Bierl ist Leiter der Radioredaktion beim Sankt Michaelsbund.
Alois Bierl ist Leiter der Radioredaktion beim Sankt Michaelsbund. © SMB/Schmid

Nicht nur Gymnsium und Realschule

Katholische Schulen können dabei auch Leuchttürme für weltliche Bildungsträger sein. Das Erzbistum München und Freising etwa baut zurzeit sein Schulzentrum in Pullach erheblich aus, das übrigens alle Schularten umfasst. Dort sollen neue Unterrichtsformen erprobt werden, in denen die Eigenverantwortung der Kinder und Jugendlichen besonders gefordert und gefördert wird.
Persönlichkeiten mit einer Bildung, die nicht nur das Hirn, sondern ebenso Herz und Hand prägt, braucht unsere Gesellschaft, damit sie in eine gute Zukunft gehen kann. Die Kirche hilft in ihren Schulen dabei entscheidend mit, sie hervorzubringen. Das darf aber nicht nur für Eliten gelten, wo das kirchliche Gymnasium oder Realschule zum guten Ton gehört. Ja, der Einrichtung katholischer Grund- Haupt- und Mittelschulen sind enge finanzielle und personelle Grenzen gesetzt. Trotzdem, es wäre das Geld und den Aufwand wert. Auch um die Lücke zwischen den vielen katholischen Kindergärten und Berufsbildungswerken zu füllen, die eine großartige Arbeit leisten. Wie im schon öfter genannten Pater-Rupert-Mayer-Schulzentrum in Pullach, gäbe es die Möglichkeit, alle Schultypen an schon bestehende Gymnasien anzugliedern. Und es wäre für die Kirche selbst eine Chance, der sonst allseits beklagten Krise auf einer breiten Ebene entgegen zu wirken. Also, liebe Bischöfe und Ordensobere, zum Schulanfang eine ganz schwierige und lange dauernde Hausaufgabe: schafft eines, schafft viele Pullachs.

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