Auszeichnung für Münchner Bahnhofsmission Kirche vor Ort an Gleis 11

10.10.2017

Mit dem Abend des Jahresempfangs des Münchner Katholikenrats ist seit vielen Jahren auch die Verleihung der Pater-Rupert-Mayer-Medaille verbunden: Heuer wurden die haupt- und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Bahnhofsmission am Hauptbahnhof für ihren beispielgebenden Einsatz geehrt.

Die Pater-Rupert-Mayer-Medaille des Münchner Katholikenrats (KR) erhielten Bettina Spahn (Mitte) und Barbara Thoma (rechts), Leiterinnen der Bahnhofsmission, stellvertretend für alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter. Die KR-Vorsitzende Johanna Rumschöttel (links) gratulierte. © Kiderle

Es ist eine jener dichten Momente, in dem an diesem Abend alle still werden im Saal des Alten Rathauses in München. Roland Gruber legt in seiner Laudatio eine kurze Pause ein und fährt dann fort: „Die Helfer wachsen selbst in ihrer Arbeit und im Austausch mit den Kollegen. Das eigene Leben gewinnt an Sinnhaftigkeit in der Arbeit am Nächsten, wenn man durch diese etwas von der Barmherzigkeit Gottes spürbar werden lässt. Das ist die Seele der Bahnhofsmission.“ Pastoralreferent Gruber, heute Regionalreferent des Münchner Weihbischofs Rupert Graf zu Stolberg, spricht in seiner berührenden Rede aus eigener Erfahrung: Von 2001 bis 2006 arbeitete er selbst ehrenamtlich in der Einrichtung an Gleis 11 des Hauptbahnhofs, die 365 Tage im Jahr rund um die Uhr für alle Menschen in Not geöffnet ist, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und Religion.

Wenig später, als Bettina Spahn und ihre evangelische Kollegin Barbara Thoma, die Leiterinnen der Münchner Bahnhofsmission, die Pater-Rupert-Mayer-Medaille des Münchner Katholikenrats (KR) stellvertretend für alle 190 haupt- und vor allem ehrenamtlichen Mitarbeiter entgegennehmen, gibt es lang anhaltenden Beifall. Viele der Anwesenden erheben sich bewegt von ihren Plätzen. Sie spüren, dass die Auszeichnung für die ökumenische Sozialstelle, die 1897, vor 120 Jahren, von Ellen Amman und Kapuzinerpater Cyprian Fröhlich gegründet worden ist, mehr als verdient ist.

„Wir sind am Münchner Hauptbahnhof Kirche vor Ort“, sagt Thoma. „Die Bahnhofsmission ist für viele Menschen ein Ort, an dem sie sichtbar werden, während sie sonst zumeist unsichtbar ihren Überlebenskampf führen“, ergänzt Spahn. Weihbischof zu Stolberg hatte es kurz vorher ähnlich formuliert: „Die Bahnhofsmission wird stellvertretend für viele kirchliche Organisationen ausgezeichnet, die von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern getragen werden und die auf jene schauen, die mit der gesellschaftlichen Entwicklung nicht Schritt halten können.“ KR-Vorsitzende Johanna Rumschötttel hatte zu Beginn des Jahresempfangs an Pater Rupert Mayer erinnert, der 1925 in München die sonntäglichen Bahnhofsgottesdienste eingeführt hatte und diesen Ort als „christliches Handlungsfeld“ entdeckt habe. Dies verbinde die Bahnhofsmission bis heute mit dem großen Seligen und „Apostel Münchens“.

Leider gibt es schon seit Jahrzehnten keinen Gottesdienst- oder Andachtsraum mehr am Hauptbahnhof. Hieran erinnerten die beiden Bahnhofsmissionsleiterinnen in ihrem Dankwort und appellierten zum Schluss an alle, sich dafür einzusetzen, dass in naher Zukunft endlich ein neuer „Raum der Stille“ am Münchner Hauptbahnhof eingerichtet werde, offen für alle Konfessionen und Religionen. Der Bedarf sei groß: Frommen Muslimen stellt die Bahnhofsmission derzeit im Notfall ein Beratungsbüro für die Verrichtung ihrer Gebet zur Verfügung.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de


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