Mentoring-Programm für Frauen Kirche will mehr weibliche Führungskräfte

19.05.2017

Frauen gehören immer noch nicht zum Bild von katholischer Kirche wie es die Männer tun. Gerade auf Entscheidungsebenen, wo es um Planung und Konzeption geht, nimmt der Frauenanteil rapide ab. Das Mentoring-Programm „Frauen steigen auf“ soll daran etwas ändern.

Das Programm "Kirche im Mentoring - Frauen steigen auf" will den Anteil von Frauen in kirchlichen Leitungsfunktionen erhöhen.
Das Programm "Kirche im Mentoring - Frauen steigen auf" will den Anteil von Frauen in kirchlichen Leitungsfunktionen erhöhen. © fotolia/PR Image Factory

München – Das Programm "Kirche im Mentoring - Frauen steigen auf" hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil von Frauen in kirchlichen Leitungsfunktionen zu erhöhen. Denn auch wenn - wie zum Beispiel im Erzbistum München und Freising - von acht Ressortleitern vier Frauen sind, fehlt es auf der Ebene darunter an weiblichen Führungskräften. Es seien viele Toptalente auf dem Markt, an denen natürlich auch die Kirche Interesse hat, sagt Edda Hamm, die für das Programm im Erzbistum München und Freising verantwortlich ist. Es sei wichtig, dass Frauen nicht nur das Ehrenamt in der Kirche entdecken, sondern auch wissen, dass man bei der Kirche hauptberuflich arbeiten kann.

Erzbistum München und Freising ist Tandem-Spitzenreiter

Seit 2016 gibt es das Programm, das von der Deutschen Bischofskonferenz ins Leben gerufen wurde und mit Hilfe des Hildegardis-Vereins umgesetzt wird. Dieser unterstützt seit über 100 Jahren die akademische Aus- und Weiterbildung von jungen Katholikinnen. An dem Programm sind die Erzbistümer Bamberg, Berlin, Hamburg, Köln sowie München und Freising sowie die Bistümer Aachen, Dresden-Meißen, Essen, Hildesheim, Limburg, Magdeburg, Münster, Osnabrück und Trier beteiligt. Insgesamt haben sich 40 Tandems gebildet, sechs davon kommen aus dem Erzbistum München und Freising. Damit stellt es die meisten Duos.

Führungstheorien und Praxis-Beispiele

Eva-Maria Stockheim ist Jugendseelsorgerin im Landkreis Erding. Die 30-Jährige ist die jüngste Teilnehmerin aus dem Erzbistum. Sie arbeitet seit vier Jahren an einer Jugendstelle, nach fünf Jahren steht ein planmäßiger Stellenwechsel an. Aus diesem Grund sucht sie neue Perspektiven. Das Thema Führung interessiert sie, so dass sie zusammen mit ihrem Mentor herausfinden will, ob sie sich eine Leitungsfunktion vorstellen kann. Ihr Mentor ist Mathias Pollack, er leitet die Personalentwicklung im Ordinariat. Sie treffen sich regelmäßig. Meistens hat die engagierte Jugendseelsorgerin vorab eine Mail mit einer Reihe von Fragen und Themen geschickt, die sie dann gemeinsam besprechen. So tauschen sie sich beispielsweise über Führungstheorien aus, aber es wird auch anhand von Praxis-Beispielen beraten. Pollack ist es wichtig, seinem Mentee zu zeigen, wo sie auch schon jetzt Führungsaufgaben übernehmen kann und auch schon übernimmt. So ist sie zum Beispiel im Kreisvorstand der Katholischen Landjugend für die Ehrenamtlichen verantwortlich.

Frauen brauchen Männer

Neben den Gesprächen, nimmt Pollack sie auch mit auf Veranstaltungen. Davon profitiert sie sehr, sagt sie. So könne sie zum Beispiel sehen, wie man unter Führungskräften auftritt und ein Netzwerk knüpft. Doch auch Pollack gewinnt durch Stockheim neue Eindrücke. Ihre Erfahrungen im Ordinariat oder auch wie das Ordinariat als Verwaltung auf Frauen wirkt, findet er sehr nützlich.

Dass ein Tandem wie bei Eva-Maria Stockheim und Mathias Pollack aus einem männlichen und einem weiblichen Part besteht, ist nicht die Regel. Doch wenn Frauen eine Führungsposition in der Kirche anstreben, sei es unumgänglich, sich mit Männern zu vernetzten. Das bestätigen Mathias Pollack wie auch Edda Hamm, „weil die Organisation zum Teil männliche Strukturen aufweist und Männer-Netzwerke relevant sind“.

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Mentoring-Programm für Frauen: Es soll mehr weibliche Führungskräfte in der Kirche geben

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Gabriele Rüttiger und Julia Mokry bilden eines von sechs Tandems aus dem Erzbistum München und Freising.
Gabriele Rüttiger und Julia Mokry bilden eines von sechs Tandems aus dem Erzbistum München und Freising. © SMB/KLJB Bayern

Umgang mit dem Diensthandy

Während Eva-Maria Stockheim noch überlegt, ob sie sich vorstellen kann, eine Führungskraft zu sein, ist bei Julia Mokry die Entscheidung bereits gefallen. Es war zwar so nicht geplant, aber mit dem Start des Programms ist sie ihre erste Führungsposition angetreten. Sie ist Jugendseelsorgerin der Katholischen Landjugend in Bayern. Einmal im Monat trifft sie sich mit ihrer Mentorin Gabriele Rüttiger im Ordinariat. Sie ist eine der vier weiblichen Ressortleiterinnen im Erzbistum München und Freising und verantwortlich für Grundsatzfragen und Strategie. Sie findet es wichtig, dass Frauen gefördert werden in Führungspositionen zu kommen und sieht in ihrem Mentor-Dasein eine Möglichkeit dazu, Frauen fit zu machen. Die Lebendigkeit und die Motivation von Morkry, die sehr engagiert ihre Stelle angetreten sei und da auch etwas bewirken wolle, empfindet Rüttiger auch für sich als positiv.

„Was ist gute Führung? Wie führe ich ein Bewerbungsgespräch? Wie fühle ich mich in der Rolle als Führungskraft bei einem Mitarbeitergespräch?“ – das sind Fragen die die beiden Frauen miteinander bereits besprochen haben. Rüttiger berät aus ihrer Erfahrung heraus und muss auch zugeben, dass auch bei ihr mal etwas nicht optimal läuft. Aber gerade das sei ihr dann wichtig zu benennen, sagt sie im Interview. Als Beispiel nennt sie das Diensthandy, das sie auch am Abend noch anhat. Mokry versucht daraus zu lernen und übt, es am Abend auszuschalten.

Gemeinsame Veranstaltungen verbessern

„Kirche im Mentoring- Frauen steigen auf“ ist das bundesweit erste Förderprogramm für weibliche Führungskräfte der katholischen Kirche. Die Teilnehmerinnen werden ein Jahr von ihrem Mentor begleitet. Daneben gibt es auch zentrale Veranstaltungen, an denen alle Mentoren und Mentees gemeinsam teilnehmen. Die gemeinsamen Treffen würde sich Rüttiger anders wünschen. So kämen Mentoren und Mentees zwar zusammen, doch würden sie dabei kaum etwas zusammen machen. Das findet sie sehr schade, da es ja auch die Möglichkeit bieten würde, dass Mentoren und Mentees unter Anleitung ihre Zusammenarbeit mal reflektieren könnten. Im Juni ist der Abschluss des ersten Programm-Durchgangs. (kas)


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