Barockes Kunstwerk in Tuntenhausen Kirche zu - Krippe offen

19.12.2018

Die Wallfahrtskirche in Tuntenhausen bei Bad Aibling ist zwar wegen Renovierung geschlossen, die berühmte Barockkrippe aber zur Weihnachtszeit zugänglich.

Weihnachten als stumme Oper: Die Heilige Familie, Hirten und Könige in der Tuntenhausener Barockkrippe. © EOM/Splett

Tuntenhausen – Die Weihnachtsgeschichte im Miniaturformat mit barocker Pracht ausgeschmückt – die historische Krippe im Wallfahrtsort Tuntenhausen bei Bad Aibling zählt zu den schönsten ihrer Art. Zu verdanken hat die Gemeinde diesen Schatz wahrscheinlich dem bayerischen Kurfürstenpaar Ferdinand Maria und Henriette Adelaide. Das Herrscherpaar war lange kinderlos und betete an den verschiedensten Wallfahrtsorten um den ersehnten Nachwuchs, der die altbayerische Linie der Wittelsbacher sichern sollte. Dabei pilgerten Ferdinand-Maria und Henriette Adelaide immer wieder auch nach Tuntenhausen. Der ersehnte Thronerbe kam 1662 zur Welt. 1678, ein Jahr vor seinem Tod, soll Ferdinand Maria die Krippe an den Wallfahrtsort gestiftet haben, den auch seine schon zuvor verstorbene Ehefrau sehr geliebt hatte.

Tuntenhausener Krippenkönig in der Mode des 18. Jahrhunderts.
Tuntenhausener Krippenkönig in der Mode des 18. Jahrhunderts. © EOM/Splett

Modenschau aus dem 18. Jahrhundert
Henriette Adelaide brachte für ihre eigene Hofhaltung die besten Näherinnen und Stickerinnen aus ihrer Heimat mit. Möglicherweise haben sie einige der Bekleidungen für die Figuren geschaffen, die zwischen 20 und 27 Zentimeter hoch sind. Die erste Krippenstiftung wurde dann nach und nach ergänzt. Die meisten der rund 250 erhaltenen Figuren stammen wahrscheinlich aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. In der Regel sind es bewegliche Gliederpuppen aus Holz, die besonders fein und kunstfertig geschnitzte Köpfe tragen. An den Gewändern freuen sich Trachtenforscher, denn sie zeigen eine große Bandbreite an ländlicher und höfischer Mode aus der Barockzeit, inklusive feinster Gold- und Silberstickereien auf Seide, Samt und Damast.

Mit Geigen, Harfe und Trompeten: Musikantengruppe aus der Barockkrippe © EOM/Splett

Stumme Oper
Hinzu kommen die vielen exotischen Tiere und die mächtigen Architekturkulissen, mit denen die Schöpfer dieser Krippe die Weihnachtsgeschichte inszenieren, eine große, stumme Oper daraus gestalten. Etwa 100 Jahre lang war dieses Gesamtkunstwerk vergessen und lag unbeachtet auf dem Speicher des alten Pfarrhofes, bis Wallfahrtskustos Pfarrer Josef Vogt es Ende der 1980er Jahre wiederentdeckte und für die Restaurierung und auch die Aufstellung sorgte. Neben der Geburt Christi und der Huldigung durch die Könige sind unter anderem auch der Kindermord von Bethlehem, der Sturm auf dem See Genezareth oder die Hochzeit von Kana dargestellt. Die prächtigen und gleichzeitig innigen Bilder dringen durch ihren Schauwert tief ins Gemüt der Betrachter.
Im Gegensatz zur Tuntenhausener Wallfahrtskirche, die zurzeit renoviert wird, ist die einzigartige Krippe an den Weihnachtstagen zugänglich. Sie ist in einem rund zwölf Meter langen Schaukasten im Keller des Pfarrheims aufgestellt.

Die Tuntenhausener Barockkrippe ist vom 23. Dezember bis zum 6. Januar täglich von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Auch am Sonntag, dem 13. Januar, ist die Krippe zur selben Zeit zugänglich. Wer eine Führung wünscht, kann sich an Frau Helga Merk (08067 553) wenden, die die Krippe seit vielen Jahren betreut. Eine Übersicht über die reiche Krippenlandschaft im gesamten Erzbistum München und Freising finden Sie hier.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Advent Weihnachten

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