Eröffnung "Woche für das Leben" Kirchen bekräftigen ethische Aspekte bei vorgeburtlichen Tests

15.04.2018

Warum ausgerechnet meine Kind? Kardinal Reinhard Marx betonte in Trier, dass er die Sorgen von Eltern verstehen kann, deren Kind nicht gesund ist.

Trier/Berlin – Zum Auftakt der "Woche für das Leben" haben Vertreter der beiden großen Kirchen an die ethischen Aspekte bei vorgeburtlichen Tests erinnert. "Pränataldiagnostik ist zuallererst dem Leben verpflichtet", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, in Trier zum Auftakt der „Woche für das Leben“. Zusammen mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, eröffnete er dort am Samstag die bundesweite Aktion unter dem Motto "Kinderwunsch. Wunschkind. Unser Kind!".

Warum ausgerechnet mein Kind?

Marx sagte, er könne die Sorgen von Eltern verstehen, deren Kind nicht gesund ist. "Es sind Notlagen, die wir alle sehen und ernst nehmen müssen", betonte der Münchner Erzbischof. "Werdende Mütter und Väter stellen sich auch die Frage: Warum ausgerechnet mein Kind?" Darauf gebe es keine einfachen Antworten. Ethische Leitlinien und Werte könnten Eltern und Ärzten helfen, eine dem Leben verpflichtete Entscheidung zu treffen." Die Kirche sei dankbar "für alle Zeugnisse von Eltern, denen das Ja zum Leben ihres Kindes einiges abverlangt und die dennoch versuchen, mutig und zuversichtlich in die Zukunft zu gehen".

Bedford-Strohm warnte davor, "von einem moralischen Hochpodest aus" auf Eltern zu blicken, die ein Kind mit schweren Schäden in der embryonalen Entwicklung erwarten. Die Betroffenen bräuchten einfühlsame Begleitung und Beratung.

Schwerer Entscheidungskonflikt

Den Kirchenvertretern zufolge ermöglichen einige diagnostische Möglichkeiten eine verbesserte Vorsorge und ein therapeutisches Handeln, um den Embryo vor Schaden zu schützen. Andere Testverfahren böten lediglich darüber Auskunft, ob das Kind bestimmte genetische Merkmale oder Störungen hat. Mit einer Therapiemöglichkeit seien solche Tests, darunter der sogenannte Bluttest für Schwangere, nicht verbunden. "Eltern, die einen beunruhigenden Befund erhalten, stehen oftmals nur noch vor der Wahl, ihr Kind mit einer möglichen Behinderung zur Welt zu bringen oder die Schwangerschaft abzubrechen - ein schwerer Entscheidungskonflikt, auf den viele Paare gar nicht vorbereitet sind."

Mit dem Bluttest können genetische Defekte ab der 9. Schwangerschaftswoche bestimmt werden, indem Gen-Schnipsel des Embryos aus dem Blut der Mutter gefiltert und auf Defekte untersucht werden. Befürworter argumentieren, das Verfahren erspare andere riskante Untersuchungen wie eine Fruchtwasseranalyse.

Woche für das Leben

Die jährliche "Woche für das Leben" ist eine bundesweite Aktion der katholischen und der evangelischen Kirche in Deutschland. Damit treten sie gemeinsam für den Schutz menschlichen Lebens in all seinen Phasen ein. In diesem Jahr geht es unter dem Motto "Kinderwunsch. Wunschkind. Unser Kind!" um einen kritischen Blick auf die Möglichkeiten der vorgeburtlichen Untersuchungen. Durch eine kontinuierliche Ausweitung der Pränataldiagnostik fühlten sich nach den Worten der Veranstalter viele Eltern unter Druck gesetzt. Müttern und Vätern begegne zuweilen eine gesellschaftliche Mentalität, "die das neugeborene Leben nach anderen Kriterien bemisst. Etwa wenn es heißt, dass ein mit Krankheit oder Behinderung geborenes Kind 'heute nicht mehr nötig' sei."

Katholische Verbände kritisierten die geplante Ausweitung der kassenärztlichen Leistungen in der Schwangerschaftsvorsorge auf den sogenannten Bluttest. Ein solcher Schritt sei als Hinweis darauf zu verstehen, dass "Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft zunehmend nicht mehr erwünscht sind", erklärten unter anderem der Deutsche Caritasverband und der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). (kna)


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