Ökumenische Premiere Kirchen haben Grund zum „Jubeln und Feiern“

20.04.2017

In der Diözesankommission für Ökumene des Erzbistums München und Freising sitzt mit Heinz Dunkenberger-Kellermann zum ersten Mal ein offizieller evangelischer Vertreter.

Beginn der Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum 2016 in Wittenberg.
Beginn der Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum 2016 in Wittenberg. © imago/epd

München – „Ich habe zuerst einmal geschluckt, weil das ist eine außerordentliche Berufung“, sagt Heinz Dunkenberger-Kellermann. Der Religionspädagoge und Leiter der ökumenischen Studienarbeit der Evangelischen Landeskirche in Bayern berät jetzt nicht nur seinen Landesbischof, sondern auch Kardinal Reinhard Marx. Mit ihm sitzt erstmals ein ständiges evangelisches Mitglied in der Diözesankommission für Ökumene des Erzbistums München und Freising. „Klasse, dass die Erzdiözese diesen Schritt gemacht hat, ein Grund zum Jubeln und zum Feiern“, so Dunkenberger-Kellermann im Münchner Kirchenradio. In dem Gremium, das die Zusammenarbeit und auch das Miteinander der Konfessionen behandelt, hat er nun einen festen Platz. Dabei sieht er sich nicht nur als Sprachrohr der evangelischen Seite, sondern als „Begegnungsrohr“ für beide Seiten und schmunzelt über seine neue Wortschöpfung.

Leidenschaft für das Gemeinsame

Für den 59jährigen geht es um das „Hin und Her“, um die Vermittlung, wo die jeweils andere Kirche „schon einen Schritt weiter ist“. So gebe es in der evangelischen Landeskirche viele Gemeinden anderer Sprache und Herkunft. Hier könne man sich zum Beispiel über die jeweiligen Erfahrungen und das Engagement der Konfessionen austauschen. Danach vielleicht auch gezielter und koordinierter vorgehen. „Wir müssen nicht alles doppelt machen“, denn die Erzdiözese beheimatet ebenfalls eine Reihe muttersprachlicher Missionen aus aller Welt. „Natürlich möchte ich auch meine Leidenschaft und meine Begeisterung einbringen und sagen, lasst uns mal probieren und diese Leidenschaft hat Kardinal Marx auch“, betont Dunkenberger-Kellermann. Dabei sieht er auch Unterschiede, verschiedene Kulturen „manchmal ein anderes räumliches Ambiente“. Etwa bei der konstituierenden Sitzung im ehrwürdigen Rokokobau des Erzbischöflichen Palais. „Solche Räume haben wir in der Landeskirche nicht.“ Aber gerade in diesen Unterschieden erkennt der evangelische Ökumene-Experte eine Chance. Die „Versöhntheit in größter Vielfalt“, sei das Motto der evangelischen Kirche, „die sich ihrem Wesen nach ökumenisch versteht“.

Audio

Ökumenekommission der Erzdiözese mit evangelischer Note

Ein Beitrag des Münchner Kirchenradios

Datei herunterladen

Heinz Dunkenberger-Kellermann
Heinz Dunkenberger-Kellermann © Privat

Über Einzelperspektiven hinausblicken

Das heiße auch, „hinzuhorchen auf den anderen, achtsam umzugehen, aber auch den Respekt vor der Vielfalt der Meinungen.“ Das gilt auch für kontroverse Themen, die in der Diözesankommission für Ökumene natürlich auch zu Wort kommen. Dunkenberger-Kellermann will dort aber mithelfen, dass die unterschiedlichen Standpunkte, „zu etwas zusammenfließen, das größer ist als alle als jede Einzelperspektive.“ Er ist dabei auch nicht der einzige neu berufene Nichtkatholik in diesem Beratungsgremium. Der orthodoxe Theologe Georgios Vlantis vertritt dort jetzt die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK). Zum Reformationsgedenken erregt natürlich die Aufnahme eines evangelischen Vertreters Aufsehen.

Für Gabriele Rüttiger ist das aber nur konsequent: „Es bedeutet die Realität ernst zu nehmen, den Kontakt auch zu institutionalisieren und in einem Beratungsgremium des Kardinals einzubinden“, so die Ordinariatsrätin und Vorsitzende der Diözesankommission für Ökumene. „Das ist ein sehr, sehr großer Schritt, den wir hier in der Münchner Erzdiözese gegangen sind.“ Die Vertreter der anderen Konfessionen hätten eine „Beobachterrolle“. Sie könnten unmittelbar spiegeln, „wie das bei der anderen Kirche ankommt, wenn wir so oder so handeln würden. Dunkenberger-Kellermann fasst es so zusammen: Es gehe im übertragenen Sinne darum „zusammenzusitzen, zwei Bier zu trinken und zu versuchen den anderen zu verstehen“. Das Papst- und das Lutherbier sind ja schon gebraut. (Alois Bierl/Gabie Hafner)

Das Münchner Kirchenradio bringt am Donnerstag, dem 20. April, einen weiteren Themenschwerpunkt zum diesjährigen Reformationsgedenken. Zwischen 10.00 und 11.00 Uhr können Sie unter anderem einen Beitrag mit Heinz Dunkenberger-Kellermann hören. Zwischen 12.00 und 14.00 Uhr beschäftigt sich unsere Talksendung "Einfach leben" mit Ökumene in den Pfarreien und Kirchengemeinden.


Das könnte Sie auch interessieren

Im Reformationsjahr gibt es eine Comic-Ausstellung zu Martin Luther.
© SMB/Rauch

Ausstellung im Münchner Hauptbahnhof Martin Luther als Comic-Held

Im Münchner Hauptbahnhof zeigen leuchtende Schilder Ausschnitte aus der neuen Graphic Novel „Martin Luther“. Bunte Bilder für Kinder sind hier nicht zu sehen. Das Gegenteil ist der Fall.

19.04.2017

Katholische und evangelische Jugendliche haben zusammen die Ökumene-Brücke in Maisach gebaut.
© PV Maisach

Reformationsjahr Eine Brücke für die Ökumene in Maisach

Die Brücke in Maisach sieht aus wie viele andere auch: Sie ist aus Holz und führt über einen kleinen Teich. Doch das Besondere ist die Verbindung, die sie herstellt.

28.03.2017

© Osservatore Romano/Agenzia Romano Siciliani/KNA

Audienz im Vatikan Bedford-Strohm und Kardinal Marx beim Papst

Kardinal Marx hat den Ratsvorsitzenden der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, zu einer Audienz bei Papst Franziskus begleitet. Von dem Treffen gehe ein starker Rückenwind für die Ökumene in Deutschland...

06.02.2017

© SMB/Kiderle

Auftakt zu Bach2017 in München Schneetreiben mit ökumenischem Frühling

In der Jesuitenkirche Sankt Michael hat Kardinal Reinhard Marx eine Reihe zum Reformations-Gedenken eröffnet: Bach2017 lautet der Titel.

08.01.2017