Corona-Pandemie Kirchen: Impfstoffe auch für die Ärmsten

04.02.2021

Müssen ärmere Länder noch bis 2023 ohne Corona-Schutzimpfung auskommen? Die katholische und evangelische Kirche in Deutschland wollen das nicht akzeptieren.

Impfspritze liegt auf Globus, der den Kontinent Afrika anzeigt.
Die Pandemie könne nur weltweit bekämpft und beendet werden, so die beiden großen Kirchen in Deutschland. © imago images/photothek

Bonn - Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben sich besorgt gezeigt, dass der Großteil der Bevölkerung ärmerer Länder vermutlich noch bis 2023 ohne Corona-Schutzimpfung auskommen muss. "Der weltweite Zugang zu Impfstoffen gegen das Coronavirus ist vor allem aus humanitären, aber auch aus epidemiologischen und wirtschaftlichen Gründen unerlässlich", sagte der Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe, Karl Jüsten, in einer Mitteilung der Deutsche Bischofskonferenz in Bonn.

In einer gemeinsamen Stellungnahme mit dem Bevollmächtigten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union, Martin Dutzmann, betonte Jüsten, dass durch eine gemeinsame Impfstrategie das Risiko weiterer Mutationen reduziert werden könne. "Nur wenn weltweit Fortschritte bei der Eindämmung der Pandemie gemacht werden, können die Einschränkungen im öffentlichen Leben mit all den dramatischen sozioökonomischen und gesundheitlichen Folgen langfristig gelockert werden", ergänzte Dutzmann.

Alle Mittel sollten ausgeschöpft werden

"Damit der Zugang zu Impfstoffen schnellstmöglich weltweit sichergestellt werden kann, müssen Produktionskapazitäten für eine Impfstoffherstellung auch in den Ländern des globalen Südens genutzt oder erschlossen werden", sagte Dutzmann. Jüsten fügt hinzu: "Dies bedeutet natürlich, dass auch das erforderliche Know-how zur Verfügung gestellt werden muss."

Die beiden Kirchenvertreter betonten, dass alle zur Verfügung stehenden Mittel ausgeschöpft werden sollten, um dieses Ziel zu erreichen. Neben der Unterstützung der Bereitschaft von pharmazeutischen Herstellerfirmen, ihre geistigen Eigentumsrechte zu teilen, stünden auch die zeitweilige Aussetzung geistiger Eigentumsrechte auf Technologien zur Prävention, Eindämmung und Behandlung von Covid-19 oder die Erteilung von Zwangslizenzen zur Herstellung der zur Bekämpfung von Covid-19 erforderlichen Mittel zur Debatte. "Die Pandemie kann nur weltweit bekämpft und beendet werden", so Dutzmann und Jüsten. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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