Diskussion um Kreuz-Erlass Kirchen reagieren reserviert auf Söder-Idee

18.05.2018

Nach dem Streit um das Kreuz will Ministerpräsident Markus Söder einen Runden Tisch mit den Kirchen einberufen. Bei diesen stößt die Idee jedoch bisher auf Zurückhaltung.

Streit ums Kreuz: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will mit seinen Kritikern ins Gespräch kommen.
Streit ums Kreuz: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will mit seinen Kritikern ins Gespräch kommen. © imago/Sven Simon

München – Die neue Idee von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), nach dem Streit um seinen Kreuz-Erlass einen Runden Tisch einzuberufen, stößt bei den Kirchen auf große Zurückhaltung. Der Sprecher des Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamtes, Michael Mädler, sagte auf Anfrage, bisher wisse man davon nur aus den Medien. Solange keine offizielle Einladung vorliege, werde sich die Landeskirche nicht äußern.

Bernhard Kellner, Sprecher des Münchner Kardinals Reinhard Marx, sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): "Es ist gut, wenn man ins Gespräch kommt, am besten immer so früh wie möglich." Der Kardinal habe ja schon gesagt, dass die katholische Kirche Gespräche wünsche. Nun bleibe abzuwarten, "wie sich der Runde Tisch konstituieren soll".

Treffen im Juni?

Am Donnerstagmorgen war bekanntgeworden, dass Söder auch mit Kritikern seines Kreuzerlasses ins Gespräch kommen will. Schon im Juni solle es dazu einen Runden Tisch zu Werten, Kultur und Identität geben, an dem Vertreter von Religionsgemeinschaften, Wissenschaft, Brauchtum und Kultur beteiligt sein sollten, heißt es in Medienberichten, die am Nachmittag von der Staatskanzlei bestätigt wurden.

Der ehemalige CSU-Spitzenpolitiker Alois Glück begrüßte Söders Absicht. Gegenüber der "Augsburger Allgemeinen" sagte er, das helfe "sicher auch, die Situation mit den Kirchen, auch mit Kardinal Reinhard Marx und dem evangelischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm wieder zu normalisieren". Es wäre aber "sehr viel besser gewesen, einen breiten Dialog an den Anfang zu stellen", so der einstige Landtagspräsident und Chef des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Der CSU-Ehrenvorsitzende Theo Waigel äußerte in derselben Zeitung die Hoffnung, ein solcher Dialog könnte die Debatte befrieden.

Kreuz-Erlass gilt im Eingangsbereich

Unterdessen fordert auch der Bund für Geistesfreiheit (BfG) eine Beteiligung an dem Runden Tisch. "Es kann nicht sein, dass Vertreter der Religionen in einer zunehmend säkularer werdenden Bundesrepublik auch in diesem Zusammenhang immer weiter privilegiert werden", erklärte die stellvertretende Vorsitzende des BfG München, Assunta Tammelleo.

Das bayerische Kabinett hatte auf Söders Anregung am 24. April beschlossen, dass ab 1. Juni im Eingangsbereich aller Dienstgebäude im Freistaat ein Kreuz angebracht werden soll. Es sei "das grundlegende Symbol der kulturellen Identität christlich-abendländischer Prägung". Die Anordnung wird seither anhaltend kontrovers diskutiert. Auch in den Kirchen gehen dazu die Meinungen auseinander.

Nach einer von der "Augsburger Allgemeinen" in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey in Bayern glaubt eine Mehrheit der Befragten, dass der Kreuz-Erlass Söder politisch eher oder sogar eindeutig schaden wird. Den größten Zuspruch erhält der Ministerpräsident von Anhängern der CSU und der AfD. (KNA)


Das könnte Sie auch interessieren

Kreuz
© kangnam - stock.adobe.com

Kreuzerlass greift in Religionsfreiheit ein

Der Kreuzerlass der bayerischen Staatsregierung ist ein Eingriff in die Religions-und Weltanschauungsfreiheit. So sieht es das Verwaltungsgericht München.

12.06.2020

Alois Glück sitzend von Menschen umgeben.
© Harald Oppitz/KNA

Wandelnder Vermittlungsausschuss Alois Glück wird 80 Jahre und ist wieder gefragt

Er hat schon viele Rücktritte hingelegt. Aber dann dauert es nicht lang, bis wieder jemand anruft und ihm eine Aufgabe anträgt, die er schlecht ablehnen kann. Auch mit bald 80 ist das der Fall.

19.01.2020

Bischof Stefan Oster hat sich auf seinem Blog zu dem Kreuz-Erlass geäußert.
© imago

Kreuze in bayerischen Dienstgebäuden Bischof Oster sieht Chance in bayerischem Kreuz-Erlass

Seit Wochen sorgt ein Erlass der bayerischen Landesregierung für Diskussionen. Nun äußerst sich auch der Passauer Bischof Stefan Oster.

16.05.2018

Pfarrer Rainer Maria Schießler
© imago

Kreuz-Pflicht in Bayern Pfarrer Schießler: Kreuz-Debatte hätte zuvor stattfinden müssen

Die Diskussion um den Kreuz-Erlass der bayerischen Staatsregierung reißt nicht ab. Nun hat sich auch der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler dazu geäußert.

03.05.2018

Kardinal Reinhard Marx äußert sich zur Kreuz-Debatte.
© Kiderle

Kritik an Kreuz-Beschluss Kardinal Marx: Söder hat Spaltung ausgelöst

In Zukunft muss in jeder Behörde ein Kreuz hängen. Für diesen Beschluss der bayerischen Staatsregierung hat der Münchner Kardinal Reinhard Marx den Ministerpräsidenten Markus Söder scharf kritisiert.

29.04.2018

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren