Kirchen sprechen sich für Altern in Würde aus

09.04.2016

Was zählt im Alter? Das Bankkonto, Geltungssucht, feines Essen und Trinken? Die beiden großen Kirchen haben bei der Eröffnung der "Woche für das Leben" einen anderen Akzent gesetzt.

Die Kardinäle Reinhard Marx und Karl Lehmann (von links) und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, bei der Eröffnung der "Woche für das Leben" im Mainzer Dom. (Bild: KNA) © KNA

Mainz – Die beiden großen Kirchen haben zum Auftakt der bundesweiten "Woche für das Leben" einen guten Umgang mit Alten und Altern angemahnt. Beim feierlichen Eröffnungsgottesdienst im Mainzer Dom am Samstag sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der Umgang mit Alten sei der Test für die Qualität einer Zivilisation. Es gelte, jeder Tendenz entgegenzuwirken, Menschen abzuschieben oder zu vergessen. Thema der ökumenenischen Inititative ist in diesem Jahr "Alter in Würde".

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sprach von der Schutzbedürftigkeit und Schutzwürdigkeit menschlichen Lebens. Er erinnerte daran, dass der Musiker Johann Sebastian Bach noch im hohen Alter bedeutende Werke wie die h-Moll-Messe komponiert habe.

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann rief in einem Vortrag dazu auf, "sich selbst mit seinem Leben im Alter anzunehmen und Ja zu sich zu sagen". Der Alte sei letztlich nur dann wirklich weise, wenn er fähig sei, "das Leben wieder in die Hände Gottes zurückzulegen". Der Kardinal kritisierte zugleich "einen schlimmen Altersmaterialismus, für den die greifbaren Dinge alles werden: das Essen und Trinken, das Bankkonto, die Geltungssucht, das Tyrannisieren der Umgebung". Man dürfe dem Altern nicht wehrlos verfallen, man dürfe es aber auch nicht gleichgültig oder zynisch entwerten, so der Kardinal.

Die frühere Bundesseniorenministerin Ursula Lehr (CDU) mahnte, ältere Menschen in ihrer Art zu bejahen. Die Älteren selbst müssten Einschränkungen anerkennen und bejahen. Es gelte, Behinderungen hinzunehmen und das Beste daraus zu machen", sagte die 85-Jährige, die sich als Wissenschaftlerin schon vor Jahrzehnten mit Gerontologie befasst hatte. Die Gesellschaft müsse zugleich akzeptieren, dass man nicht "bis zum Ende des Lebens 20 ist". Wichtig sei, die Potenziale der späten Lebensphase zu erkennen. Ältere wollten nicht nur betreut, sondern auch gefördert werden. (kna)


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