Antisemitischer Anschlag Kirchen verurteilen Tat von Halle

10.10.2019

Die deutschen Bischöfe haben den Anschlag in Halle auf das Schärfste verurteilt. Papst Franziskus gedachte in einem Gebet der Opfer.

Auch im 15 Kilometer entfernten Landsberg fielen Schüsse.
Auch im 15 Kilometer entfernten Landsberg fielen Schüsse. © imago images/xcitepress

Berlin/Bonn – Katholische und evangelische Bischöfe haben sich nach den Ereignissen von Halle/Saale bestürzt geäußert und ihre Solidarität mit den Juden in Deutschland bekundet. Papst Franziskus gedachte am Mittwoch der Opfer des Attentats, wie das vatikanische Presseamt am Abend mitteilte. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, verurteilten den Angriff auf eine Synagoge scharf, bei dem zwei Menschen starben.

Marx erklärte, er sei "entsetzt und erschüttert über den feigen Anschlag". Die Täter hätten offensichtlich gezielt die Synagoge von Halle ausgesucht, um am höchsten jüdischen Feiertag Blut zu vergießen. Der Kardinal betonte: "Wir stehen solidarisch an der Seite der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Antisemitismus oder gar blinde Gewalt dürfen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben."

"Beten für die Opfer"

Bedford-Strohm sagte, er sei "fassungslos angesichts dieser Gräueltat". Er rief dazu auf, nicht zuzulassen, dass Juden "in unserem Land ihren Glauben in Angst und Unsicherheit leben müssen. Als Christen wie als Deutsche sind wir aufgerufen, uns dem entgegenzustellen." Denn Antisemitismus sei Gotteslästerung.

"Ich bin erschüttert über die Nachrichten aus Halle", schrieb der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki auf Twitter. "Beten wir für die Opfer und ihre Angehörigen und arbeiten wir gemeinsam daran, dass Juden in Deutschland nie wieder Angst haben müssen."

"Eine menschliche Katastrophe"

Auch der Berliner katholische Erzbischof Heiner Koch äußerte sich über den Kurznachrichtendienst: "Es lässt mich verzweifeln, dass immer noch Juden bei uns nicht in Frieden und ohne Angst leben können. Ich stehe an der Seite unserer jüdischen Nachbarn und trauere mit ihnen." Darüber hinaus schrieb Koch: "Wir werden nicht zulassen, dass Hass gleich welcher Art, insbesondere aber der Hass auf das Judentum, sein Ziel erreicht, unsere Gesellschaft zu spalten!"

Auch der katholische Magdeburger Bischof Gerhard Feige und der evangelische mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer äußerten ihre Erschütterung. Der aus Halle stammende Feige nannte es "eine menschliche Katastrophe, dass Juden in Deutschland nicht in Frieden leben und den Versöhnungstag Jom Kippur feiern können". Kramer nannte die Tat "abscheulich und unerträglich". Alle Menschen guten und friedlichen Willens seien aufgerufen, "einem Klima des Hasses und jeglicher Gewalt entgegenzutreten".

Auch der Münchner OB zeigt seine Solidarität

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) besuchte zusammen mit Kristina Frank (CDU) als Reaktion auf den Anschlag spontan das Gebet zu Jom Kippur in der Münchner Hauptsynagoge "Ohel Jakob". Charlotte Knobloch, Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde München, begrüßte das Zeichen der Münchner Politiker: „Der Besuch des Oberbürgermeisters setzte an diesem furchtbaren Tag das richtige Zeichen. Seine Überzeugung, dass jüdische Menschen in diesem Land weiterhin eine Heimat haben werden, ist auch nach diesem Tag meine Hoffnung."

Weiter erklärte sie in einer Pressemitteilung, der Anschlag in Halle sei ein Angriff auf das Zusammenleben in unserem Land und kritisierte die AfD: "Mich würde in dieser Situation interessieren, was die AfD zu solchen Exzessen sagt, für die sie mit ihrer Unkultur von Hass und Aufhetzung den Boden bereitet hat."

Ausgerechnet an Jom Kippur

Vor der Synagoge von Halle hatte es am Mittwoch einen Anschlag gegeben, bei dem zwei Menschen getötet wurden. Ein Täter habe vergeblich versucht, in das jüdische Gotteshaus einzudringen, in dem sich bis zu 80 Menschen aufgehalten hätten, berichtete der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Max Privorozki.

Nach Angaben der Polizei wurde bislang ein Tatverdächtiger festgenommen. Die genauen Hintergründe sind bislang allerdings unklar. Juden in aller Welt begingen am Mittwoch ihren höchsten Feiertag Jom Kippur (Versöhnungstag). (pm/kna)


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