Corona-Proteste in Berlin Kirchen verurteilen Vorfall am Reichstagsgebäude

01.09.2020

Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben den "Sturm" von Demonstranten auf das Reichstagsgebäude in Berlin scharf

verurteilt.

Reichstagsgebäude mit Sitz des Deutschen Bundestags in Berlin
Reichstagsgebäude mit Sitz des Deutschen Bundestags in Berlin © Fotolia.com/Giso Bammel

Bonn/Berlin – Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, zeigte sich am Montag erschüttert über das Verhalten von Teilnehmern einer Anti-Corona-Demonstration am Wochenende in Berlin. "Die Grundrechte auf freie Meinungsäußerung und auf Versammlungsfreiheit stehen außer Frage. Aber die Szenen vor dem Deutschen Bundestag sind inakzeptabel", sagte Bätzing. Derartige "Entgleisungen" dürften nicht wieder vorkommen.

Bürger wie auch Christen seien aufgerufen, sich friedlich für die Demokratie einzusetzen, fügte der Limburger Bischof hinzu. "Als Gesellschaft müssen wir - über alle Meinungsverschiedenheiten hinweg - zusammenstehen."

"Eigentümliche Allianz"

Nach den Worten des katholischen Sozialbischofs Franz-Josef Overbeck setzt sich "eine eigentümliche Allianz aus Rechtsextremisten, Impfgegnern und Anhängern von Verschwörungsideologien" zum Ziel, "die Symbole unserer Demokratie zu beschädigen". Dies sei nicht hinnehmbar, so der Bischof von Essen. Er dankte "allen Sicherheitskräften, die in einer für sie persönlich gefährlichen Situation standgehalten und vorbildlich unserer Demokratie verteidigt haben".

Am Rande einer Großdemonstration gegen die Corona-Politik hatte am Samstagabend eine Gruppe von Demonstranten Absperrungen am Berliner Reichstagsgebäude überwunden und war auf die Treppe des Parlamentsgebäudes gelangt. Dabei waren auch schwarz-weiß-rote Flaggen zu sehen, die als Symbole von Rechtsextremen gelten.

"Demokraten müssen zusammenstehen"

Christen müssten sich deutlich positionieren, "wenn unsere älteren Geschwister im Glauben wieder offenem Antisemitismus ausgesetzt sind", forderte Overbeck.

Die Evangelische Kirchen in Deutschland (EKD) äußerte sich nach einem Gespräch mit dem SPD-Präsidium ebenfalls zu den Vorkommnissen. "Insbesondere in Zeiten, in denen Demonstrationen von Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretikern instrumentalisiert werden und offen antidemokratische Symbole vor unserem Parlamentsgebäude gezeigt werden, müssen alle Demokraten zusammenstehen", hieß es.

Zuvor hatten auch der Zentralrat der Juden und der Zentralrat der Muslime die Vorfälle in Berlin verurteilt. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

Das könnte Sie auch interessieren

"Das Gebet in dieser Corona-Zeit öffnet unser Herz für alle Menschen, besonders für die Schwachen, die Kranken, die Gefährdeten."
© AdobeStock/PhotoGranary

Beten mit offenen Augen

In einem Gastbeitrag erklärt Kardinal Reinhard Marx, warum die Corona-Krise für ihn vor allem auch eine Zeit der Bewährung für unseren Glauben ist.

10.09.2020

Kardinal Reinhard Marx
© imago images/Sven Simon

Kardinal Marx: Antwort auf Corona ist Solidarität

Kardinal Reinhard Marx hat sich gegen die extremistischen Tendenzen bei den Corona-Demonstrationen gewandt. Zudem bat der Münchner Erzbischof um Spenden bei der anstehenden Corona-Sonderkollekte.

03.09.2020

Mitglied der paepstlichen Schweizergarde maschieren auf dem Petersplatz
© imago images / Ulmer

So schützt die Schweizergarde sich und den Papst

Sie überwachen den Besucherverkehr im Vatikan, kommen als Personenschützer dem Papst näher als kaum jemand sonst und leben auf engstem Raum: Die Pandemie stellt die Schweizergarde vor einen...

26.08.2020

Mann sitzt auf Boden und nutzt ein Tablet
© SolisImages - stock.adobe.com

Paulus hätte getwittert

In der Coronakrise musste die Kirche neue Formate entwickeln, um die Menschen zu erreichen. Dabei setzte sie verstärkt auf das Internet. Dass die Kirche damit auf einem guten Weg ist, belegen die...

20.08.2020

Mitarbeiterinnen der Bahnhofsmission unterwegs zu einem Einsatz an einem ICE m Hauptbahnhof München
© imago images / Ralph Peters

Münchner Erzbistum gibt 200.000 Euro gegen soziale Corona-Folgen

Der Betrag geht an jeweils zur Hälfte an Personen aus der Erzdiözese sowie an Menschen in Somalia. Das Geld wird unter verschiendenen Institutionen aufgeteilt.

22.07.2020

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren