Skandal überschattet Bischofskonferenz Kirchenfinanzen brauchen Transparenz

19.02.2018

Bei ihrer Frühjahrsvollversammlung werden die Deutschen Bischöfe nicht nur ihre Tagesordnung, sondern auch das Finanzgebaren der Bistümer durcharbeiten müssen.

"Am Golde hängt doch alles", heißt es schon in Goethes "Faust". Allerdings sollten die Finanzen transparent sein.
"Am Golde hängt doch alles", heißt es schon in Goethes "Faust". Allerdings sollten die Finanzen transparent sein. © Fotolia/Grecaud Paul

Der Dialog mit Mittel- und Osteuropa, die Jugendsynode im Herbst in Rom – wichtige Angelegenheiten, die da auf der Tagesordnung der deutschen Bischöfe bei ihrer Frühjahrsvollversammlung in Ingolstadt stehen. Darüber werden die katholischen Oberhirten natürlich auch sprechen und diese Themen vorantreiben.

Zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung wird aber etwas Anderes im Vordergrund stehen. Wieder einmal geht es um die Frage: Wie hält es die Kirche mit dem Geld? Und die Bischöfe werden nicht darum herumkommen, sich darüber zu verständigen. Denn der Finanzskandal im gastgebenden Bistum Eichstätt, zu dem Ingolstadt gehört, schwebt verhängnisvoll über dem Treffen.

Eichstätt ist nicht Limburg

Schon werden Vergleiche zu den Geldverschwendungen im Bistum Limburg gezogen. Dagegen wehrt sich der Eichstädter Bischof Gregor Maria Hanke vollkommen zu Recht. Weder er noch andere im Bistum haben mit unkontrollierten Bau- und Luxusausgaben die Kasse der Diözese geplündert. Dazu ist der der frühere Benediktinerabt persönlich viel zu bescheiden und lauter. Aber das Anlage-Vermögen des Bistums Eichstädt ist mutmaßlich veruntreut worden. Es ist ein Schaden von bis 48 Millionen Euro zu befürchten.

Dass es so weit kommen konnte, ist auch der Finanzverwaltung im Bistum zu zuschreiben. Da gab es eine ungesunde Vermischung der Kompetenzen. Der Finanzdirektor war kein ausgewiesener Experte und gleichzeitig auch noch seine eigene Aufsicht. Das wäre so als ob der Oberste Bayerische Rechnungshof nicht unabhängig, sondern Teil des Finanzministeriums wäre. Natürlich sind auch in der staatlichen Verwaltung und in der Wirtschaft Missbräuche nicht ausgeschlossen, aber die Kontroll-Instanzen können das rücksichtsloser offenlegen.

Unabhängigkeit und Verantwortung der Diözesen

Nun ist die katholische Kirche in Deutschland, so wie der deutsche Staat, föderal verfasst. Noch mehr als die Bundesländer sind die einzelnen Diözesen unabhängig voneinander und für sich selbst verantwortlich. Die Bischofskonferenz und deren Vorsitzender können da nicht hineinregieren, aber auch nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wenn in einer Diözese etwas schiefläuft. Dafür muss der jeweilige Ortsbischof geradestehen. Die Öffentlichkeit aber unterscheidet da nicht. Sie nimmt die katholische Kirche in Gesamthaftung.

Deshalb müssen die Bischöfe in Ingolstadt auch miteinander daran gehen, sich über neue Wege der Finanzverwaltung und der Offenlegung des Vermögens auszutauschen. Denn wenn in einem Bistum ein Skandal passiert, dann gibt es auch bei den Katholiken in allen anderen Bistümern Unruhe und Austritte. Und es ist ja nicht so, dass noch nirgendwo etwas passiert wäre und keine neuen Erfahrungen vorlägen.

Finanzverwaltung als Dauerthema schadet

Das Erzbistum München und Freising hat beispielsweise vor knapp zwei Jahren wie kein anderes deutsches Bistum seine Finanzen offengelegt und auf doppelte Buchführung umgestellt. Damit werden Einnahmen und Ausgaben dauerhaft transparent dargestellt.
Ja, es gab danach öffentliches Geraune und Schlagzeilen, die man sich nicht gewünscht hat: Sechs Milliarden Euro besitzt die Erzdiözese! Aber wenn dazu Liegenschaften wie Schulen zählen, die ja nicht zum Verkauf stehen, sondern mit viel Geld unterhalten werden müssen, dann sind sechs Milliarden gar nicht mehr so viel. Und das Geraune vom ach so reichen Münchner Erzbistum hat aufgehört. Auch das zählt zum Segen eines transparenten Umgangs mit den Kirchenfinanzen: Sind diese Dinge klar geregelt, dann können sich die Bischöfe endlich wieder auf andere Themen auf der Tagesordnung konzentrieren: Zum Beispiel auf die nationalistischen Entwicklungen in Osteuropa, wo die Kirche vermitteln kann, oder auf die Frage, wie Jugendliche und Kirche wieder eine Beziehung zu einander finden.

Kategorie: Meinung
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Kirchenfinanzen brauchen Transparenz

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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