Manfred Lütz Kirchengeschichte fair beleuchtet

26.03.2018

In seinem neuen Buch "Der Skandal der Skandale" untersucht der Theologe und Psychotherapeut die Themen in der Kirchengeschichte, die immer wieder als die "Dunkelsten" dargestellt werden....

Manfred Lütz geht den Skandalen in der Kirchengeschichte auf den Grund © SMB/Kerscher

Hexenverbrennung, Kreuzzüge und die Missionierung - das sind Themen, bei denen wohl fast jeder Christ schon mal das Gefühl hatte, seine Religion verteidigen oder sich für sie entschuldigen zu müssen. Manfred Lütz sagt, das solle man erstmal sein lassen und statt dessen die Fakten überprüfen. Zusammen mit dem renommierten Kirchenhistoriker Arnold Angenendt hat er das nämlich getan. Und dabei herausgefunden, das die Hexenprozesse nicht von der Inquisition durchgeführt worden sind, sondern von weltlichen Gerichten. Auch dass es die Päpstin Johanna nie gegeben hat und dass der Borgia-Papst Alexander VI nicht schlimmer war als die anderen Renaissance-Päpste erklärt er in seinem neuen Buch "Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums". Und natürlich erklärt er es auch bei Hauptsache Mensch.

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Die Autorin
Brigitte Strauß-Richters
Radio-Redaktion
b.strauss-richters@st-michaelsbund.de

Buchtipps

Manfred Lütz, Der Skandal der Skandale. Die geheime Geschichte des Christentums

buchprofile-Rezension:

Was hinter den "Skandalen" des Christentums wirklich steckt.

Skandale treffen eine Religion wie das Christentum, dessen Wurzel ein geschichtliches Ereignis ist, bis ins Mark. Hier zu einer Verteidigung der Geschichte des Christentums anzusetzen ist eine Gratwanderung, die nur gelingt, wenn man auf wissenschaftliche Weise die Wahrheit herausarbeitet, ohne dabei aber ins Beschönigen zu geraten. Dieses Meisterwerk ist dem Theologen und Psychotherapeuten M. Lütz gelungen. Unter Zuhilfenahme erstrangiger historischer und theologischer Fachkompetenz und vor allem mit einem guten Gespür dafür, was die Menschen - damals wie heute - wirklich bewegt, legt er den unter all dem Schutt aus Irrtümern und böswilligen Verstellungen verborgenen wahren Kern der Skandale wieder frei. Dabei treten auch die wirklichen Motive und Ideale der Handelnden ans Tageslicht, aber auch ihre menschlichen Schwächen und zeitgeschichtlichen Gebundenheiten. Dies gilt für das alle Zeiten durchziehende Thema "Toleranz und Gewalt" ebenso wie für die Frage nach dem christlichen Bekennermut im Angesicht weltlicher Mächte und der Missachtung grundlegender Menschenrechte. Es zeigt sich, dass das Christentum trotz allen Versagens der stärkste, vielleicht sogar der einzige Motor in der menschlichen Befreiungsgeschichte war: Erst das Christentum lehrte, den Menschen als ein freies und verantwortliches Individuum zu begreifen, das der Welt rational, den Mitmenschen gegenüber mitfühlend und human, sich selbst aber im Bewusstsein der eigenen Innerlichkeit begegnet. - Dieses Buch kann einen wertvollen Beitrag dazu leisten, im Dialog der Weltanschauungen das Christentum als einen ernstzunehmenden Gesprächspartner, der nicht durch eine skandalöse Geschichte von vorneherein zu disqualifizieren ist, zu rehabilitieren; man kann darum nur hoffen, dass es viele Leser gewinnt.

Richard Niedermeier

22 Euro € inkl. MwSt.

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