Ökumene Kirchenmusik vereint Katholiken und Protestanten

26.02.2017

Für die Annäherung der katholischen und der evangelischen Kirchen hat die Kirchenmusik einen großen Teil beigetragen. Sie war Vorreiterin der Ökumene.

Orgelspiel und Gesang dürfen heute in keinem Gottesdienst fehlen.
Orgelspiel und Gesang dürfen heute in keinem Gottesdienst fehlen. © Fotolia

München – Vor 500 Jahren lief ein Gottesdienst noch ganz anders ab als heute. Die Kirchengemeinde spielte dabei keine aktive Rolle und durfte dem Gottesdienst einfach nur „beiwohnen“, erklärt der Kirchenmusiker Otmar Heinz: „Das heißt, still sitzen oder stehen und die Liturgie passiv erleben.“ Als Martin Luther bestimmte theologische und kirchliche Inhalte reformierte, hat sich das auch auf die Kirchenmusik ausgewirkt. Luther wollte die ganze Gemeinde einbinden. Ein großes Verdienst, wie Heinz findet. Schließlich habe das Singen schon zum Urchristentum gehört, so Heinz. „Römische Schriftsteller berichten, dass bei den Christenverfolgungen durch die römischen Kaiser die Christen vor ihrem Martyrium gesungen hätten. Der Gesang war sozusagen Kennzeichen der Christen.“ Martin Luther habe dieses singende „Kirche-Sein“ neu belebt, so dass das gemeinsame Singen von Gemeindeliedern plötzlich zum Kennzeichen der „neuen“ Kirche wurde.

Damit die Gemeinde aber auch mitsingen konnte, brauchte es erst einmal einfachere Lieder. Denn „weite Bevölkerungskreise waren von einer relativ hochstehenden Kirchenmusik in lateinischer Sprache schon allein wegen der technischen und sprachlichen Schwierigkeiten weitgehend ausgeschlossen“, erklärt der Kirchenmusiker. Deshalb hat Martin Luther auch selbst einfache, deutschsprachige Lieder komponiert und sie mit der Kirchengemeinde eingeübt. Außerdem wurden neue Gesang-Bücher in deutscher Sprache herausgegeben. So entstanden nach und nach immer mehr Gemeindelieder, die jeder mitsingen konnte.

Musik verbindet

Jedoch waren deutschsprachige Lieder keine Erfindung von Martin Luther. „Aber diese Lieder wurden nicht in der hohen Liturgie der Messe eingesetzt, sondern zum Beispiel bei Wallfahrten, Prozessionen oder geistlichen Singspielen oder Theateraufführungen“, so Heinz. Und auch die Reformation hat in der katholischen Kirche zunächst dazu geführt, dass man sich noch stärker auf die lateinische Liturgie konzentriert hat. „Eine wirkliche Öffnung brachte eigentlich erst das Zweite Vatikanische Konzil des 20. Jahrhunderts“, sagt Otmar Heinz.

Für die Annäherung der katholischen und der evangelischen Kirchen hat die Kirchenmusik einen großen Teil beigetragen. Nach und nach wurde es selbstverständlich, dass zum Beispiel Johann Sebastian Bach auch in die katholische Liturgie Einzug gehalten hat. „Die Kirchenmusik war ein Vorreiter der ökumenischen Bewegung, weil durch gemeinsame Chor-, Orgel- und Kirchenmusikliteratur ein reger Austausch zwischen Chören, Kantoren usw. stattgefunden hat und es ja auch bis heute so geblieben ist“, so der Kirchenmusiker.

Das Gotteslob ist das Gesangbuch der Katholiken.
Das Gotteslob ist das Gesangbuch der Katholiken. © SMB

Aufwertung des Gebets

Heute gibt es viele Lieder, die sowohl im katholischen Gotteslob als auch im evangelischen Gesangbuch zu finden sind. Sie sind mit einem „Ö“ gekennzeichnet, das für „Ökumene“ steht. „Es gibt für jede Zeit im Kirchenjahr Ö-Lieder“, sagt Heinz. So stammen beispielsweise das Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ oder das Passionslied „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ aus der Feder von Martin Luther. Und auch jeder Katholik singt sie heute ganz selbstverständlich mit.

Denn schließlich vereint mittlerweile auch die Bedeutung der Kirchenmusik Katholiken und Protestanten: „`Wer singt, betet doppelt´, dieser Satz des Heiligen Augustinus sagt schon: das Gebet ist sehr wertvoll, wenn es gesprochen wird. Wenn es gesungen wird, umfasst es den Menschen in seiner ganzen Emotion“, so Otmar Heinz. Die Kirchenmusik ist also mehr als schmückendes Beiwerk. Sie „ist quasi Zeremonienmeisterin in der Liturgie und zwar sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Kirche, die den Menschen im Innersten packt und wir Kirchenmusiker sind bestrebt eine Kirchenmusik zu machen, dass sich jeder, der zum Gottesdienst kommt, schon auf dem Weg zur Kirche auf Chor- und Orgelmusik freut. Das ist unser Ideal, dem wir Woche für Woche, Sonntag für Sonntag nachkommen wollen.“ (Lydia Jäger)

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