Protest am Liebfrauendom Kirchenpfleger entsetzt über Nein zur Segnung Homosexueller

23.03.2021

Stephan Alof demonstriert am Münchner Liebfrauendom gegen die Haltung der Glaubenskongregation. Seit Jahren ist der engagierte Katholik in der Pfarrei St. Maximilian tätig – und bekennt sich zu seiner Homosexualität.

Stefan Alof steht vor dem Liebfrauendom. Neben sich ein Plakat mit der Aufschrift: "Kann denn Liebe Sünde sein?" Er erhebt seinen rechten Daumen.
Kirchenpfleger Stephan Alof demonstriert gegen die Haltung der Glaubenskongregation. © Kiderle

München – Wie einen Tritt in die Magengrube hat Stephan Alof die Antwort der römischen Glaubenskongregation empfunden, die sich gegen die Segnung Homosexueller ausspricht. Für den langjährigen Kirchenpfleger von St. Maximilian und rechte Hand von Pfarrer Rainer Maria Schießler eine „himmelschreiende Ungerechtigkeit“. Es tue ihm weh, dass die katholische Kirche Schwulsein bis heute als Sünde ansieht.

Für den Kirchenpfleger ist klar: „Wir Gläubige sollen Segnende sein. Es werden Waffen, Aufzüge und Autos gesegnet – aber nicht die Liebe zwischen zwei Männern oder zwei Frauen.“ Deshalb stellt er auf seinem Plakat die Frage: „Kann denn Liebe Sünde sein?“ – und beantwortet sie gleich selbst: „Für mich kann alles, was aus Liebe geschieht, nicht Sünde sein.“

Dom bewusst gewählt

Alof, der selbst mit einem Mann verheiratet ist, will mit der Demonstration Aufmerksamkeit erreichen: „Die Leute sollen sehen, dass ich mich mit den Gegebenheiten nicht mehr zufriedengebe.“ Den Liebfrauendom hat er ganz bewusst als Schauplatz gewählt: schließlich sei hier der Sitz des Kardinals.

Der engagierte Katholik wünscht sich von seiner Kirche mehr Augenhöhe und meint, diese führe sich auf, als sei sie Gott selbst. „Hohe Theologie“ ist für ihn die Antwort seiner Mutter auf sein Outing: „Du bist mein Sohn, ich liebe Dich so, wie Du bist!“ Auch von Gott selbst habe er sich immer geliebt gefühlt. Alof fordert, die Kirchenoberen müssten zuhören, was die Menschen unserer Zeit beschäftigt: „Einfach mal ganz nahe bei den Menschen sein, das fehlt mir!“ (Maximilian Lemli, Volontär beim Michaelsbund)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirche und Sexualität

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