Buch von Stephan Maria Alof Kirchenpfleger über Särge, Schnitzel und Schwulsein

12.03.2021

Mit Pfarrer Rainer Maria Schießler bildet Stephan Maria Alof ein kongeniales Ideenteam für die Münchner Pfarrei Sankt Maximilian. Nun hat der Kirchenpfleger ein Buch über sein bewegtes Leben geschrieben.

Stephan Maria Alof
Kirchenpfleger, Gastronom, Bestatter und jetzt Autor: Stephan Maria Alof © Sergej Falk

München - "Jessas, was für ein Buch!" - Ein solches Lob von Rainer Maria Schießler macht neugierig. Denn als Autor von zwei Bestsellern muss der über München hinaus als unkonventionell bekannte katholische Pfarrer wissen, worauf es beim Schreiben ankommt. Nun hat sein Kirchenpfleger in der Pfarrei Sankt Maximilian nachgelegt und seine eigene Lebensgeschichte veröffentlicht. Mehr als 25 Jahre ist Stephan Maria Alof in der Gemeinde im Münchner Glockenbachviertel aktiv. Seine Verantwortung als Laie nimmt er ernst und sprüht nur so vor Ideen, um mit ungewöhnlichen Aktionen Kirche - oder besser: die Botschaft Jesu - auch in nicht einfachen Zeiten attraktiv zu machen.

Alof (54), der aus dem Westen Deutschlands stammt, hat mit "Do legst di nieda!" einen bayrischen Titel für sein im "bene!"-Verlag erschienenes Buch gewählt. Dieser Ausruf des Respekts passt für das Leben eines "Machers", der im katholischen Glauben von kleinauf verwurzelt ist. In seinem Werk kritisiert er die Kirche heftig und steht offen dazu, als Katholik in einer festen Beziehung mit einem Mann zu leben - auch wenn die katholische Kirche nach wie vor ihre Probleme im Umgang mit Homosexuellen hat.

Kirche in Schockstarre

Natürlich hat ihn der Missbrauchsskandal zutiefst erschüttert. Ihm missfallen das Wegsehen und Vertuschen sowie die Fehler bei der Aufarbeitung. Die Kirche verharre in einer Schockstarre, schreibt Alof. Als moralische Instanz stecke sie mitten im Schlamassel. "Und das mit der Frohen Botschaft gerät ziemlich ins Hintertreffen." Dabei habe der christliche Glaube viele wunderbare Facetten.

Jeder sollte sich in der Kirche willkommen fühlen, notiert Alof weiter. Deshalb findet in Sankt Maximilian das Pfarrfest auf der eigens dafür abgesperrten Straße statt - für alle: "Atheisten und Muslime, treue Kirchgänger, die Geschäftsleute, Schwule und Lesben. Jede und jeden." Er sei jemand, der gerne etwas bewege. "Das ist für viele unbequem, die sich am liebsten dauerhaft in einer bestimmten Situation einrichten."

"Food-Messen"

Die Worte "geht nicht" kommen bei ihm nicht vor. Zu Fronleichnam organisiert er schon mal körbeweise Blumen, die sich nicht mehr verkaufen lassen. Im Mittelgang des Gotteshauses entsteht daraus mit begeisterten Helfern ein Teppich samt dem Satz "All Lives Matter" (Alle Leben sind wichtig). 2019 gab es mehrere "Food-Messen". Im Anschluss stand stets ein Food-Truck vor der Kirche. Die Menschen ließen es sich beim gemeinsamen Essen gut gehen. So entstünden Netzwerke von Personen, sagt Alof, die über das Jahr für unterschiedliche Anlässe und Aufgaben ansprechbar seien.

Eigentlich hatte er Pfarrer werden wollen. Doch als bei ihm Epilepsie diagnostiziert wurde, warf ihn die medizinische Behandlung zeitweise schulisch aus der Bahn. Sein Arzt machte ihm dennoch Mut, etwas bewegen zu können. So entschied sich Alof für eine Ausbildung als Altenpfleger und trat danach seine erste Stelle in München an. Einige Zeit später zog er mit einer Freundin einen ambulanten Dienst für Aids-Kranke auf, bei dem er die Doppelmoral der Kirche kennenlernte.

Auch mit Schießler kracht es mal

Da war etwa der schwule Priester im letzten Stadium seiner Aids-Erkrankung, der noch einmal nach New York wollte, um durch die einschlägigen Clubs zu ziehen. Wenige Wochen später wurde er als treuer Diener seiner Kirche vom Weihbischof bestattet. Ob als Alten- oder Krankenpfleger, immer war Alof nah an den Menschen. Auch als er erfolgreich mehrere hippe Gastronomiebetriebe in München aufbaute. Natürlich sei er mal bös auf die Nase gefallen, erklärt er. Bisweilen kracht es selbst mit Schießler. Aber davon lässt sich Alof nicht unterkriegen. Aktuell ist er als Bestatter tätig.

Ja, er ärgert sich über seine Kirche. Aber das Leben sei viel zu kurz, um sich mit Kleingeisterei das Dasein schwer zu machen. Er träumt, wie er verrät, von einem "großen Konzil der Kirchen, das zusammenkommt, um über einen Neuanfang zu beraten". Viele Christen sollten aufstehen und sagen: "Wir wollen eine neue, eine lebendigere Kirche. Eine, die bei den Menschen ist. Alles, was uns daran hindert, kommt auf den Prüfstand." Da wäre auch Alof dabei und würde wieder anpacken. (Barbara Just/kna)


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