Ehrenamt Kirchenpflegerin aus Leidenschaft

13.11.2018

Margot Myrt aus Langenpreising engagiert sich seit 24 Jahren in der Kirchenverwaltung. Ans Aufhören denkt sie nicht.

Margot Myrt engagiert sich seit 24 Jahren in der Kirchenverwaltung.
Margot Myrt engagiert sich seit 24 Jahren in der Kirchenverwaltung. © Kiderle

Langenpreising – Fragt man Margot Myrt nach den Anfängen ihrer Laufbahn als Kirchenpflegerin, so muss sie lachen: „Mein Schwiegervater, der vor mir das Amt innehatte, behauptete, da hätte ich nicht viel zu tun – ab und zu an einer Sitzung teilnehmen, mal die Unterschrift des Pfarrers einholen. Die Realität sah natürlich anders aus. Ich wusste also nicht wirklich, worauf ich mich einlasse.“ Abgeschreckt haben sie ihre ersten Erfahrungen im Amt jedoch nicht: Seit fast 24 Jahren engagiert sie sich nun schon in der Pfarrei Langenpreising (Dekanat Erding) als Kirchenpflegerin. Dieses Ehrenamt kann jeder Katholik ausüben, der durch die Mitglieder der Kirchenverwaltung (KV) berufen wird. In seiner Tätigkeit unterstützt er den KV-Vorstand in der Verwaltung. Margot Myrt kandidiert erneut für die anstehenden Kirchenverwaltungswahlen und denkt nicht ans Aufhören. „Vielleicht wenn ich 60 bin. Aber dafür garantieren, dass ich dann meine Meinung nicht mehr einbringen werde, kann ich nicht“, gesteht die 54-Jährige.

Rückhalt gibt die Familie

Ihr Amt betrachtet die Mutter von zwei erwachsenen Kindern als Hobby. Man müsse mit Leidenschaft an die Aufgaben herantreten und diese mit Hingabe erledigen. Dass sie dazu oft daheim noch Anrufe tätigt oder ein paar Stunden in die Vorbereitung der nächsten Sitzung investieren muss, stört Myrt nicht, und das, obwohl ihr Zuhause für sie den wichtigsten Rückzugsort darstellt, an dem sie Amt und Privates nicht gerne vermischt. Auch ihre eigene Glaubenspraxis und die Arbeit für die Pfarrei trennt sie voneinander: „Die Kirche ist ein Ort, an dem ich einfach ich sein kann. Vor Gott muss ich nichts leisten.“ Ohne den Rückhalt ihrer Familie, unterstreicht die umtriebige Frau, könne sie sich gar nicht derart entfalten: „Ich habe einen Haushalt zu führen, kümmere mich um unseren Garten, dazu kommen diverse Aufgaben in der Kirche und mein eigentlicher Beruf. Die Familie hält mir den Rücken frei.“

Die Kirchenverwaltung

In der Erzdiözese München und Freising gibt es gut 900 Kirchenverwaltungen mit insgesamt rund 4.500 ehrenamtlichen Mitgliedern. Sie wählen wiederum die Vertreter des Diözesansteuerausschusses. Damit geht es bei der Wahl der KV zum einen um die Verwaltung der Kirchenstiftung vor Ort, zum anderen indirekt um den Diözesanhaushalt und die Verwaltung der Kirchensteuereinnahmen der gesamten Erzdiözese. Beispielsweise wurden 2017 rund 100 Millionen Euro für Zuschüsse an Kirchenstiftungen verwendet und weitere rund 50 Millionen Euro wurden als Zuschüsse für Baumaßnahmen kirchlicher Rechtsträger (vor allem der Kirchenstiftungen) gewährt. (eom/kbr)

Gemeinsamkeiten mit ihrem Beruf gibt es nicht nur in der Bezeichnung: Die studierte Rechtspflegerin legt großen Wert darauf, auch in ihrer Arbeit als Kirchenpflegerin Vorschriften und Gesetze strikt zu befolgen. Mit Bürokratie und hohem verwaltungstechnischem Aufwand muss sie in beiden Bereichen umgehen. „Anfangs war ich nicht sehr geduldig, aber man muss sich als Kirchenpfleger darin üben. Es geht nicht alles von heute auf morgen.“ Das weiß Myrt mittlerweile aber auch zu schätzen: Sie stehe selten unter Druck. Die Zeit, verschiedene Angelegenheiten in Ruhe zu diskutieren und Entscheidungen abzuwägen, sei fast immer gegeben.

Liebe zur Architektur

Innerhalb ihrer Aufgabe im Ehrenamt schätzt sie vor allem die Teamarbeit. Durch die geringe Fluktuation bei den Ehrenämtern habe sich ein fester Kern herausgebildet; auf ihre Kollegen könne sie sich immer verlassen. Auch zu den Pfarrern und allen Pfarrsekretärinnen pflegt sie seit 24 Jahren ein gutes Verhältnis: Haushaltspläne würden gemeinsam schnell und trotzdem gründlich erstellt, um dann in den Sitzungen auch angenommen zu werden. Viel Zeit verschlingt vor allem die Verwaltung und Bewahrung kirchlicher Kunstschätze und Immobilien, doch genau dafür schlägt das Herz der Architekturliebhaberin.

Durch ihren Vater, der ein Baugeschäft betrieb, kam Myrt schon früh in Berührung mit verschiedenen Baustilen und der Sanierung historischer Gebäude – die Faszination für Architektur wurde ihr praktisch in die Wiege gelegt. „Als in der St.-Peter-Kirche ein Stück Putz an der Innenwand abfiel und anschließend bei der Restaurierung Stück für Stück ein altes Fresko freigelegt wurde, bekam ich eine Gänsehaut. Das ist pure Archäologie.“ Ein weiteres Highlight war für sie der Moment, als sie bei der Sanierung des Pfarrkirchturms auf einem Baukran 50 Meter am Turm emporfahren durfte.

Kirche mitgestalten

Bei so ausfüllendem Hauptberuf und Ehrenamt wäre anzunehmen, die Beamtin im gehobenen Dienst sei zur Genüge ausgelastet und habe keine Zeit für andere Hobbys. „Die Kirchenpflege ist ein Fulltime-Job, so weit das ein Ehrenamt sein kann, aber der Mensch braucht auch einen Ausgleich“, weiß Myrt. Neben ihrer Liebe zur Natur und ihrem grünen Daumen hat die 54-Jährige Yoga und Tai-Chi für sich entdeckt. Auch Lesen und Schwimmen zählt die gebürtige Langenpreisingerin zu ihren Hobbys, doch dazu fehlt ihr häufig die Zeit.

Die Kirchenverwaltungswahlen

Alle sechs Jahre wird die Kirchenverwaltung neu gewählt. Am Sonntag, 18. November (in manchen Gemeinden zusätzlich auch am Samstag, 17. November), ist es im Erzbistum München und Freising wieder so weit. Hier finden Sie Ihre zuständige Pfarrei beziehungsweise das für Sie entsprechende Wahllokal. Dort werden nach der Wahl auch die Ergebnisse veröffentlicht.

Kirche mitgestalten zu können, ist für die 54-Jährige ein wichtiges Anliegen. Das sah schon ihre Mutter so: Die heute 80-Jährige war selbst Mitglied des Pfarrgemeinderats und leidenschaftliche Kirchenchorsängerin. Auch Margot Myrt singt seit ihrem zwölften Lebensjahr im Kirchenchor. Doch es war bereits ihre Großmutter, die den Grundstein für das in der Familie fest verwurzelte Ehrenamt legte. „Mit ihrer Selbstlosigkeit und dem Selbstverständnis, überall mit anzupacken, wie beispielsweise die Kirche zu putzen, beeindruckte sie mich als Kind sehr.“

Ehrenamt für die Muttergottes

Auch die regelmäßige Teilnahme der Großmutter am Rosenkranzgebet war der Enkelin seit der Kindheit ein Vorbild. Ihr versprach Margot Myrt auch, sich für die Kirche einzusetzen. Doch die eigentliche Motivation für das tatkräftige Engagement der Rechtspflegerin ist eine andere, wie sie selbst betont: „Die Muttergottes hat mich noch nie im Stich gelassen. Ich übe dieses Ehrenamt vor allem deswegen aus, weil ich etwas zurückgeben möchte.“ (Céline Kuklik)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Wahl der Kirchenverwaltungen

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