Christentreffen in Frankfurt Kirchentag spricht über Kirchen, Klima und Corona

15.05.2021

Der Ökumenische Kirchentag hat bei seinen Foren am Samstag eine breite Palette kirchlicher und politischer Themen behandelt. Die Podien fanden wegen der Pandemie fast alle digital statt.

Ein Monitor zeigt einzelne Teilnehmer, im Hintergrund die bunt beleuchtete Bühne, bei der Liveübertragung des Festakts zum Ökumenischen Kirchentag
Die meisten Veranstaltungen des ÖKT finden digital statt. © Harald Oppitz/KNA

Frankfurt – Der Samstag ist inhaltlich der wichtigste Tag des Christentreffens. Neben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sind auch ihre möglichen Nachfolger Olaf Scholz (SPD), Annalena Baerbock (Grüne) und Armin Laschet (CDU) digital vor Ort. Zur Online-Beteiligung konnten die Veranstalter zunächst keine konkreten Angaben machen.

Nach Merkels Worten tragen die Industrieländer besondere Verantwortung für die Klimawende. Diese Verantwortung resultiere aus der Geschichte, weil die Staaten während ihrer wirtschaftlichen Expansion besonders stark zu Kohlendioxidemissionen beigetragen hätten. Luisa Neubauer von der Bewegung Fridays For Future warf bei der Debatte mit der Kanzlerin der Bundesregierung vor, über viele Jahre das Vertrauen der jungen Generation gebrochen und klimazerstörende Industrien gefördert zu haben.

Bätzing für Segnung gleichgeschlechtlicher Paare

Klimaschutz verlangt für Baerbock die Mitwirkung aller. "Es braucht Gewerkschaften, es braucht Kirchen, es braucht Unternehmen." Es gehe nicht nur um Umweltpolitik, sondern auch um Sozial-, Industrie- und Sicherheitspolitik, weil die Auswirkungen der Klimakrise alle Bereiche träfen. Für Außenminister Heiko Maas (SPD) kann der Weg aus der Corona-Pandemie nur ein internationaler sein: "Jeder ist nur sicher, wenn wir alle sicher sind." Er kritisierte, dass Russland und China anderen Staaten Impfstoffe nicht aus karitativen, sondern aus politischen Interessen anböten.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, sagte, er hoffe, dass sich seine Kirche auf eine Segnungsform für gleichgeschlechtliche Paare verständigen könne. Zugleich wiederholte er Kritik an entsprechenden Gottesdiensten, "gerade weil sie auch als provokativ wahrgenommen" worden seien.

Sternberg: "Gemeinsames christliches Zeugnis"

Einen Perspektivwechsel in der Ökumene regte der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung an. Die Protestanten, die immer Vielfalt hochhielten, sollten danach fragen, was ihnen Einheit gebe. Bätzing und Jung gehören zu den Gastgebern des ÖKT. Für mehr ökumenisches Miteinander warb auch der katholische ÖKT-Präsident Thomas Sternberg. Gerade wenn die Kirchen öffentlich an Bedeutung verlieren, brauche es ein "gemeinsames christliches Zeugnis".

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg verteidigte bei einem Forum den Einsatz militärischer Gewalt als letztes Mittel zur Durchsetzung von Menschenrechten und Freiheit. In seltenen Fällen könne Frieden aber nur durch militärische Gewalt erreicht oder gesichert werden.

Roboter spendet Segen

Bei einer anderen Diskussion zeigten sich Pflegeexperten offen für den Einsatz digitaler Technik in der Pflege. Technische Hilfsmittel könnten einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität Pflegebedürftiger leisten, seien aber allenfalls Hilfsmittel und dürften persönliche Zuwendung nicht ersetzen. Bei einer anderen Veranstaltung zeigte sich, dass technischer Fortschritt auch vor den Kirchen nicht halt macht: Zu sehen war ein Roboter, der digital Segen spendet - der "Segensroboter". (kna)


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