Corona Virus Kirchenvertreter rufen zu Nächstenliebe in der Krise auf

16.03.2020

Sowohl Papst Franziskus als auch viele deutschen Bischöfe äußern sich zur Pandemie. Jeder Mensch soll teilen, was er könne, um materielle und immaterielle Not zu lindern.

Einzelne Menschen auf leerer Einkaufsstraße
Die meisten Geschäfte werden schließen müssen. © Imago Images

Bonn/Vatikan – Kirchenvertreter haben am Wochenende in der Corona-Krise zu Nächstenliebe und Seelsorge aufgerufen. Papst Franziskus appellierte an den Gemeinschaftssinn der Menschen. Die Pandemie führe dazu, dass viele "mehr oder weniger isoliert" lebten. Christen sollten "den Wert der Gemeinschaft wiederentdecken und stärken, der alle Glieder der Kirche eint", sagte der Papst in einer Videoansprache zum Mittagsgebet am Sonntag. Zudem wurde bekannt, dass in einem beispiellosen Vorgang die päpstlichen Gottesdienste der Kar- und Ostertage in Rom ohne Anwesenheit von Gläubigen stattfinden werden.

Der Limburger Bischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sieht auch für die Kirche Herausforderungen in der Verbreitung des Coronavirus. "Sie ist gewiss keine Strafe Gottes, vor der wir Angst haben müssen und der wir nicht entkommen können. Gott liebt uns bedingungslos und er möchte, dass es uns gut geht", schrieb Bätzing in einem Brief an die Limburger Gläubigen. Die Liebe Gottes werde sie durch die kommenden Wochen und durch diese herausfordernde Zeit tragen.

"Beten wir für sie alle"

Zum Gebet für alle Betroffenen der Corona-Krise rief unter anderen der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick auf. Besonders nannte er Erkrankte und deren Angehörige, Menschen in Quarantäne und alle Besorgten sowie Ärzte und Pflegekräfte, Forscher und Politiker. "Beten wir für sie alle, damit wir diese weltweite Krise bald überwinden." Auf Twitter schrieb der Weltkirche-Bischof der Deutschen Bischofskonferenz zudem: "Coronavirus als Strafe Gottes zu bezeichnen, ist zynisch und mit Jesu Botschaft unvereinbar."

Der Passauer Bischof, Stefan Oster, wünschte sich in einem Facebook-Video von den Christen, "ein Herz für die Menschen, die in Not sind". Die Menschen sollten versuchen zu teilen, auch so, dass man es wirklich spüre, "auch materiell". In dieser Krise könne jeder auch wachsen - "in unserer Gottesbeziehung und in der Beziehung zu unseren Nächsten", so der Jugendbischof der Deutschen Bischofskonferenz.

Wichtigkeit von kirchlichen Vorsichtsmaßnahmen

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn erklärte, die gute Nachricht sei: Die Pandemie könne besiegt werden - "aber sie kann es nur, wenn wir alle unseren Teil dazu beitragen". Und ergänzte: "Möglichst wenig Sozialkontakte: Ist das nicht unchristlich? Ist das nicht gegen die Nächstenliebe? Nein: Es ist ein Zeichen der Nächstenliebe, wenn wir einander nicht in Gefahr bringen! Und wir haben alle eine gesellschaftliche Verantwortung."

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, unterstrich kirchliche Vorsichtsmaßnahmen. "An oberster Stelle steht für mich die Aufgabe, angesichts der besonderen Risiken, gerade für die Schwächsten, alles zu tun, um die Ausbreitung des Virus so weit wie möglich zu verlangsamen, und gleichzeitig die geistliche Kraft nicht schuldig zu bleiben, die wir gegenwärtig zum Umgang mit der Krise in ganz besonderer Weise brauchen", schrieb der bayerische Landesbischof auf Facebook.

Der Vatikan rief Regierungen weltweit zur Unterstützung armer Staaten beim Kampf gegen die Corona-Krise auf. Länder mit schwachen Gesundheitssystemen seien mit den Auswirkungen der Virusepidemie überfordert. Jetzt gelte es internationale Solidarität zu zeigen und Mittel und Ressourcen zu teilen, erklärte der für Entwicklungsfragen zuständige Kurienkardinal Peter Turkson. Die Krise müsse eine Gelegenheit sein, Verbundenheit zwischen Staaten und Freundschaft zwischen Völkern zu stärken. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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