Nach Wahlen in Belarus Kirchenvertreter stellen sich hinter Forderungen der Proteste

17.08.2020

Zehntausende Demonstranten forderten am vergangenen Sonntag in Minsk den Rücktritt von Präsident Alexander Lukaschenko. Neben Papst Franziskus hat unter anderem auch Kardinal Reinhard Marx seine Solidarität bekundet.

Menschenmenge
Zehntausende Demonstranten forderten am vergangenen Sonntag in Minsk den Rücktritt von Präsident Alexander Lukaschenko. © imago images / ITAR-TASS

Vatikanstadt/München – Papst Franziskus und andere prominente Kirchenvertreter haben sich hinter die Forderungen von Demonstranten nach Rechtsstaatlichkeit in Belarus gestellt. Franziskus rief zu Dialog und Gewaltverzicht auf. Gerechtigkeit und Recht müssten respektiert werden, sagte er am Sonntag in Rom. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx verband das Aufstehen für die "Würde der Freiheit" mit einem Kerninhalt der christlichen Botschaft. In der belarussischen Hauptstadt Minsk forderten am Sonntag laut Medienberichten Zehntausende Demonstranten bei einer der größten Kundgebungen der vergangenen Tage den Rücktritt von Präsident Alexander Lukaschenko.

Franziskus sagte, er verfolge die Lage nach der Wahl in Belarus aufmerksam. "Ich empfehle alle Weißrussen dem Schutz der Gottesmutter und Friedenskönigin an", sagte er. Beim Mittagsgebet von Franziskus vor dem Petersdom waren Dutzende Besucher mit weiß-rot-weißen Fahnen zugegen, die als Zeichen der Oppositionsbewegung in Belarus gelten. Sie begrüßten die Äußerung des Papstes mit Jubel.

Für Rechte und Freiheit

Das Oberhaupt der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine, Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, erklärte, die Protestierenden im Nachbarland kämpften für ihre Rechte und Freiheit. Die Menschen verteidigten ihren Willen, soziale Gerechtigkeit und Würde, schrieb Schewtschuk an den Vorsitzenden der Weißrussischen Bischofskonferenz, Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz. Der Vatikan gab Inhalte des Briefs am Sonntag auf seinem Internetportal wieder.

Schewtschuk mahnte ein "Ende der Gewalt gegen Unschuldige" und den Erhalt der gesellschaftlichen Ordnung an. Weiter rief er die eigenen Gläubigen auf, für den Frieden sowie die Bewahrung der "Einheit und Integrität" des weißrussischen Staats zu beten. Die Internetseite "Vatican News" deutete dies als Warnung vor "externen Kräften".

Vorschlag: Einberufung eines runden Tisches

Justitia et Pax Europa appellierte an die Behörden in Belarus, die Menschenrechte zu respektieren und die in den vergangenen Tagen verhafteten Demonstranten unverzüglich freizulassen. Zugleich griff das europäische Netzwerk von 32 Justitia et Pax-Kommissionen den Vorschlag des katholischen Erzbischofs von Minsk-Mahiljou, Tadeusz Kondrusiewicz, auf, einen runden Tisch einzuberufen.

Kardinal Marx bekundete in einem Gottesdienst in München seine Solidarität sich mit den Demonstranten in Belarus. "Ostern wird überall dort spürbar, wo Menschen aufstehen und die Würde des Menschen verteidigen, die Würde des Lebens, die Würde der Freiheit - auch in Weißrussland", sagte der Kardinal am Samstag in seiner Predigt zum Hochfest Mariä Himmelfahrt. Die Botschaft von Ostern, die mit der Aufnahme Mariens in den Himmel in den Blick trete, bedeute "Aufstand gegen den Tod und die Mächte des Todes, gegen Hass, Gewalt und Ungerechtigkeit". (kna)


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