Neues Datenschutzgesetz Kirchliche Jugendarbeit ohne WhatsApp

24.05.2018

Das neue kirchliche Datenschutzgesetz verbannt WhatsApp, Dropbox und Co. aus der Kirche. Was bedeutet das für die Jugendarbeit?

Jugendliche kommunizieren viel per Kurznachrichten.
Jugendliche kommunizieren viel per Kurznachrichten. © imago/Westend61

München – In kirchlichen Jugendgruppen herrscht Beunruhigung. Messenger, Mail-Accounts oder Cloud-Dienste, die Nutzerdaten aus Sicht der Kirche nicht ausreichend schützen, wie zum Beispiel WhatsApp, Google oder Dropbox, sind im kirchlichen Bereich mit dem neuen Datenschutzgesetz ausdrücklich verboten.

Hohe Bußgelder drohen

Stefan Hubl, Seelsorger an der Katholischen Jugendstelle Innenstadt in München erklärt, das Verbot gelte eigentlich schon länger. Bereits im März 2017 haben sich die Diözesandatenschutzbeauftragten darauf geeinigt, dass die Dienste nicht über genügend Datenschutz verfügen. Bisher habe das aber keine Konsequenzen nach sich gezogen. Das ändere sich jetzt massiv. Es gebe Sanktionsmöglichkeiten, die mit hohen Bußgeldern belegt seien.

Stefan Hubl
Stefan Hubl © SMB/Ertl

Bisher habe das aber keine Konsequenzen nach sich gezogen. Das ändere sich jetzt massiv. Es gebe Sanktionsmöglichkeiten, die mit hohen Bußgeldern belegt seien.

Verständnis für Kritik

Hubl versteht die Kritik an WhatsApp. Die Anwendung könne schließlich auf das gesamte Telefonbuch im Smartphone zugreifen. Andererseits nutzen seine Kollegen und Freunde aber fast ausschließlich den zu Facebook gehörenden Nachrichtendienst. In anderen Messengern wie „Threema“, die Nachrichten verschlüsseln und so einen besseren Datenschutz bieten, finde er gerade mal zehn bis fünfzehn seiner Kontakte. „Das hilft mir in meiner Arbeit nicht“, erklärt Hubl. In kirchlichen Jugendgruppen wird WhatsApp bisher massiv zur Kommunikation genutzt.

Jetzt bleibt den kirchlichen Mitarbeitern und Gruppenleitern aber wohl keine Wahl: Sie werden für ihre Arbeit auf sichere Kurznachrichtendienste umsteigen müssen. Das könnte funktionieren, meint Hubl. Die Kommunikation mit Firmlingen oder Jugendlichen, die nicht in der Pfarreiarbeit aktiv sind, werde dadurch aber erheblich schwieriger. „Ich schaue fragend in die Zukunft. Es wird eine große Herausforderung, wie wir mit Jugendlichen weiter in Kontakt bleiben können.“ Lösungsansätze sucht Hubl bis jetzt noch vergeblich.

Die neue EU-Datenschutzverordnung

Am 25. Mai treten neue Regeln für den Datenschutz in der EU in Kraft. Für Angaben zum religiösen Bekenntnis gelten besondere Regeln. Sie dürfen nur in Ausnahmefällen gespeichert und verarbeitet werden, vorausgesetzt der Betreffende hat dazu seine Einwilligung erteilt. Zu dieser besonderen Kategorie gehören auch Angaben zu politischen Meinungen, ethnischer Herkunft, Gewerkschaftszugehörigkeit, Gesundheit oder Sexualleben. Mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) fallen erstmals auch genetische und biometrische Daten in diese Kategorie.

Hauptsächlich soll mit dem neuen Gesetz geregelt werden, was mit personenbezogenen Daten bei Unternehmen, Vereinen und Behörden passiert. Zu diesen Daten gehören etwa Namen, Adressen, E-Mail-Adressen oder Ausweisnummern. Die neuen Regeln gelten sowohl für digital gespeicherte Daten als auch für auf Papier oder Videos festgehaltene Informationen zu Personen. Zudem müssen sich auch Unternehmen daran halten, die nicht in der EU sitzen, aber ihre Dienste hier anbieten.

Außerdem sollen Verbraucher mit dem neuen Gesetz ihr Recht auf die Daten zurückerhalten. Das bedeutet etwa, dass sie ein „Recht auf Vergessenwerden“ haben. Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu 20 Millionen Euro. (KNA)

Der Autor
Manuel Rauch
Radio-Redaktion
m.rauch@st-michaelsbund.de


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