Synodaler Weg Kirchlicher Reformdialog wird als Videokonferenz fortgesetzt

26.01.2021

Abermals betritt der Synodale Weg wegen Corona Neuland - diesmal in Form einer zweitägigen Videokonferenz. Die könnte spannend werden.

Laptop mit laufender Videokonferenz
Der Synodale Weg wird digital fortgesetzt.

Bonn – Vor einem Jahr begann mit einer Vollversammlung in Frankfurt der Synodale Weg zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland. Nach Monaten, in denen hauptsächlich das Coronavirus den Rhythmus des öffentlichen Lebens diktierte, erscheint die Veranstaltung im Rückblick fast unwirklich. Da trafen sich tatsächlich leibhaftig 230 Synodale, Kirchenvertreter aus den Nachbarländern und jede Menge Journalisten. Bereits die Zusammenkunft im Frühherbst wurde wegen der Pandemie in fünf Regionenkonferenzen aufgesplittet. Jetzt geht der Synodale Weg ins Netz.

An zwei Tagen, am 4. und 5. Februar, wollen sich die Synodalen zum Stand der Dinge austauschen. Beschlüsse werden sie, ebenso wie bei den Regionenkonferenzen, nicht fassen. Das bleibt der regulären Vollversammlung vorbehalten, die nach derzeitigem Planungsstand erst wieder im Herbst, ebenfalls in Frankfurt, zusammentritt. Trotzdem erwarten Beobachter, dass nun die weitere Route für den Reformdialog abgesteckt wird.

Videokonferenz als Stimmungstest

Vier Foren befassen sich mit den Vorarbeiten zu den zentralen Themen des von den Bischöfen und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) gestarteten Projekts: Macht, priesterliche Lebensform, Sexualmoral und die Rolle der Frauen. Es ist davon auszugehen, dass sie die Videokonferenz als "Stimmungstest" für einige bereits erstellte Grundlagenpapiere und Beschlussvorlagen nutzen.

Die Vorbereitungen dazu sind unterschiedlich weit gediehen. Im Forum zu Macht liegt ein etwa 50 Seiten starkes Dokument vor. Reichlich kontrovers gestaltet sich erwartungsgemäß die Diskussion im Forum zur Sexualmoral. Das hatte der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp sehr bald verlassen, weil die dort mehrheitlich verfolgte Linie auf eine Veränderung der kirchlichen Lehre abziele. Er könnte Nachahmer finden. In dem Forum kursieren aktuell verschiedene Vorlagen, bei denen es schwer fällt, Gemeinsamkeiten zu entdecken.

Missbrauch wieder auf der Tagesordnung

Unterdessen hat sich die kirchliche Landschaft verändert. Auf medienwirksame Einlassungen von Kardinal Rainer Maria Woelki muss die eher auf Bewahrung des Bestehenden bedachte Minderheit der Synodalen vielleicht verzichten. Der Erzbischof von Köln steht wegen der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in seiner Diözese massiv in der Kritik.

Zugleich drängt der kirchliche Umgang mit sexuellem Missbrauch, der am Beginn des Synodalen Weges stand, mit Macht zurück auf die Tagesordnung. Ein Beispiel sind die Vorgänge in einem Kinderheim der Ordensgemeinschaft der Niederbronner Schwestern in Speyer während der 1960er und 1970er Jahre, bei dem der Vorwurf der Förderung der Prostitution im Raum steht.

Zwei Schritte vor, einer zurück

Wächst vor diesem Hintergrund der Druck auf Reformen? Schwer zu sagen. Auffällig ist, dass der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, behutsam aber hartnäckig auf mehr Tempo drückt. Es werde immer schwieriger, das Verbot der Diakonen- und Priesterweihe für Frauen zu begründen, sagte der Bischof von Limburg zum Jahreswechsel der "Herder Korrespondenz". Für Gespräche zu Pfarreienreformen im Vatikan, wo die deutschen Diskussionen mit Argusaugen beobachtet werden, setzte Bätzing eine Beteiligung der Laien durch.

Zuletzt ließ Papst Franziskus offiziell Frauen zum Amt einer Lektorin und Kommunionhelferin zu; Mädchen dürfen nun auch Messdienerinnen sein. Gleichzeitig bekräftigte er das Nein seiner Vorgänger zur Priesterweihe für Frauen. Manche Teilnehmer des Synodalen Wegs mögen sich an die Echternacher Springprozession erinnert fühlen: zwei Schritte vor, einer zurück.

Wege in die Zukunft

Allen Unbilden zum Trotz ist der Synodale Weg nicht ganz aus dem Tritt gekommen. Das zeigt ein Blick auf den Buchmarkt. Die Synodalen Michaela Labudda und Marcus Leitschuh boten unlängst Eindrücke aus dem "Maschinenraum" des Reformprozesses, Ordensfrau Philippa Rath lässt in "...weil Gott es so will" Frauen von ihrer Berufung zur Diakonin oder Priesterin erzählen. Und vom verstorbenen und jetzt schon von manchen schmerzlich vermissten Theologen Eberhard Schockenhoff erscheint kurz vor der Videokonferenz "Die Kunst zu lieben. Unterwegs zu einer neuen Sexualethik". Ein Vermächtnis, das Wege in die Zukunft weist. (Joachim Heinz/kna)

Buchtipps

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg

Das könnte Sie auch interessieren

Unterlagen vom Synodalen Weg
© Synodaler Weg/Malzkorn

Die Wurzel des Synodalen Weges ist der Missbrauch

Zwei Tage hat sich die Synodalversammlung digital getroffen. Neben dem Vorstellen und dem Austausch über die Arbeitspapiere wurde der Ursprungsgedanke des Reformdialogs in den Blick genommen.

05.02.2021

Hand auf der "Stop" steht
© Irina - stock.adobe.com

Synodaler Weg berät über Missbrauch

Der Start der Onlinekonferenz stand im Schatten der Debatte um die Missbrauchsaufarbeitung im Erzbistum Köln. Kardinal Woelki äußerte sich dazu auch während der Onlineversammlung.

05.02.2021

Papierfiguren halten sich an den Händen
© patpitchaya -stock.adobe.com

Opfer von Missbrauch sind nun Teil des Synodalen Weges

Ziel des Synodalen Weges ist es, verloren gegangenes Vertrauen nach dem Missbrauchsskandal zurückzugewinnen. Betroffene waren aber bisher nicht eingebunden. Das ändert sich jetzt.

04.02.2021

Hände suchen in offenem Aktenschrank
© stokkete - stock.adobe.com

Synodaler Weg fordert Transparenz im Erzbistum Köln

Die Erklärung mit dem Titel "Transparenz und Verantwortung" klagt den Umgang mit der Aufarbeitung früherer Missbrauchsfälle an.

04.02.2021

Historischer Stich des Freisinger Dombergs
© Archiv EOM

Das Erzbistum München und Freising hat Geburtstag

1821 wurde das Erzbistum gegründet. Was vor 200 Jahren geschah, warum es heute lohnt, sich damit zu befassen und was man daraus für die Zukunft lernen kann, beschreibt der Kirchenhistoriker Roland...

31.01.2021

© AdobeStock_ferbarcala

Aromatischer Lobpreis

Wenn im Gottesdienst Weihrauch zur Kirchendecke empor steigt, dann ist klar, dass ein wichtiges kirchliches Fest gefeiert wird. Man kann die exotischen Düfte aber auch zuhause einsetzen.

26.01.2021

Synodalversammlung: Menschen sitzen an Tischen
© Synodaler Weg/Malzkorn

Ein Jahr Synodaler Weg - Katholikenkomitee zieht Zwischenbilanz

Vor einem Jahr setzten katholische Bischöfe und Laien den Synodalen Weg in Gang. Mit Elan begann der Dialog zur Zukunft kirchlichen Lebens. Doch Corona und Missbrauchsskandal sorgen für Ernüchterung....

18.12.2020

Regionalkonferenz Synodaler Weg in München
© Synodaler Weg

Geteiltes Echo zum Synodalen Weg

Keine konkreten Konsequenzen oder erfolgreiches Reformprojekt? - über den Synodalen Weg der katholischen Kirche gibt es unterschiedliche Meinungen.

10.12.2020

Schwester Sara Thiel, Schwester Susanne Schneider und Schwester Barbara Bierler (von links)
© Kiderle

"Die Zeit ist überreif"

Die Predigt im katholischen Gottesdienst ist eigentlich nur Klerikern vorbehalten. In der Münchner Jesuitenkirche Sankt Michael gibt es trotzdem regelmäßig Abendmessen mit Frauenpredigten. Warum die...

07.12.2020

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren