Jerusalem-Entscheidung Kleine Schritte wichtiger als unberechenbare Sprünge

11.12.2017

Die US-amerikanische Anerkennung von Jerusalem als israelischer Hauptstadt hat die Welt in Aufregung versetzt. Besonders kleine Vereine und Initiativen für die Christen im Heiligen Land sind jetzt wichtig.

Umstrittene Stadt seit Jahrtausenden: Jerusalem. © fotolia

Der große Gewaltausbruch ist ausgeblieben. Gott sei Dank hat die Ankündigung des amerikanischen Präsidenten, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, nicht zu kriegsähnlichen Zuständen geführt. Vielleicht noch nicht, denn diese Entscheidung wird sicher langanhaltende Folgen haben. Die christlichen Kirchen haben Donald Trump vor diesem Schritt gewarnt, der Kirchenrat im Nahen Osten hofft sogar immer noch auf eine Rücknahme dieses Entschlusses, mit der der US-Präsident wohl auch stark auf seine eigene Wählerschaft aus den extremen evangelikalen Kirchen schaut.

Friedensstrategie nicht zu erkennen

Sie unterstützen schon lange die Überlegung Jerusalem zur nationalen Hauptstadt Israels zu erklären, ohne lange sich lange bei palästinensischen Ansprüchen aufzuhalten. Andere politische Befürworter sehen in der Trump-Entscheidung auch Chancen für den Nahen Osten. Sie würde endlich Klarheit und eindeutige Positionen schaffen. Dadurch könnte ein Ruck durch die Dauerverhandlungen um einen Frieden, um ein gutes Mit- und Nebeneinander zwischen Israelis und Palästinensern gehen. Dass der us-amerikanische Präsident eine vorausschauende Friedens-Strategie verfolgt, kann ich aber nicht erkennen. Sein sprunghaftes Verhalten in vielen außenpolitischen Fragen lässt vermuten, dass er möglicherweise gar keine hat. Die Kirchen und der Papst haben jedenfalls davor gewarnt, das sensible und seit 50 Jahren mühsam gehaltene Gleichgewicht in Jerusalem nicht durch einen Schnellschuss zu stören.

Sensibles Gleichgewicht

Die bisherigen Absprachen und Abkommen mögen kompliziert und mit Mauscheleien verbunden sein, aber sie tragen dazu bei, dass Gläubige aller Religionen friedlich in die Stadt pilgern können und wenigstens noch einige Christen im Heiligen Land leben. Seit Jahrzehnten werden es immer weniger. Die Entscheidung des US-Präsidenten mit den damit verbundenen Unsicherheiten und möglicherweise ausbleibenden Pilgerreisenden, könnte auch den letzten die wirtschaftliche Existenzgrundlage nehmen, vor allem in den Palästinensergebieten. Der radikal-islamischen Hamas spielt es jedenfalls in die Hände, wenn sie sich nicht mehr mit ihren christlichen Landsleuten auseinandersetzen muss, sondern auf die immer größer werdende muslimische Mehrheit der Palästinenser bauen kann.

Helfer dürfen Mut nicht verlieren

Natürlich ist Deutschland, sind die deutschen Bistümer und Pfarreien weit weg vom Nahen Osten. Aber auch hierzulande kann einem Katholiken oder Protestanten das Schicksal Jerusalems und des Heiligen Landes nicht egal bleiben. Es ist unser aller Wurzelgrund. Das wissen auch die vielen Gläubigen, die das Heilige Land unterstützen. Zum Beispiel die Holzkirchnerin Barbara Frua, die einen Verein für die Christen im Heiligen Land gegründet hat, der ihnen beim Bleiben helfen und die Völkerverständigung fördern will. Genauso wie die Gruppen und Initiativen aus den Kirchengemeinden, die Verbindungen mit den palästinensischen Christen pflegen. Gerade der Austausch mit deutschen Christen, die ein besonderes geschichtliches Verhältnis zu Israel haben, kann helfen, in ganz kleinen Schritten, diese geschundene Region im Friedensprozess zu begleiten. Wahrscheinlich mehr als die große Entscheidung des US-Präsidenten. Diese für das Heilige Land auch in unserem Erzbistum engagierten Gruppen sind jetzt wichtiger denn je. Ihnen ist zu wünschen, dass sie nun nicht den Mut verlieren.

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Kleine Schritte wichtiger als unberechenbare Sprünge

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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