Veranstaltungsreihe „Kreuz vor der Wahl“ Klima als gemeinschaftliche Aufgabe

12.06.2018

Katholische Einrichtungen starten Gesprächs-Reihe mit Landtagskandidaten und Fachexperten. Erstes Thema „Flächenverbrauch“. Denn immer mehr Flächen werden in Bayern verbaut und damit versiegelt.

Immer mehr natürlicher Boden wird durch Bauwerke bedeckt.
Immer mehr natürlicher Boden wird durch Bauwerke bedeckt. © AdobeStock/Angela Bragato

Landshut – Seit mehr als 30 Jahren hält Archäologe und Luftbildfotograf Klaus Leidorf Bayern von oben aus fest. Seine Bilder zeigen Lagerhallen so groß wie ganze Ortschaften, wo früher Felder waren, und am Reißbrett entworfene Reihenhaussiedlungen. An diesem Abend im Pfarrsaal der Landshuter Pfarrei St. Martin führten die Fotos vor Augen, wie stark die Versiegelung von Naturflächen im Freistaat voranschreitet. Klima und Flächenverbrauch waren Thema beim Auftakt der Reihe „Das Kreuz vor der Wahl“. Mit ihr wollen das Katholische Medienhaus Sankt Michaelsbund (SMB), die Stiftung Bildungszentrum und die Katholische Erwachsenenbildung mit den Bildungswerken – diesmal das Christliche Bildungswerk Landshut, dessen Geschäftsführer Klaus Lehner begrüßte – auf relevante Themen für die Bayerische Landtagswahl am 14. Oktober aufmerksam machen. Moderiert von Klaus Schlaug, Online-Redakteur beim SMB, gaben dazu Experten sowie die Direktkandidaten der sechs umfragestärksten Parteien im Stimmkreis Landshut Statements ab. Die AfD schickte niemanden.

Intelligente Lösungen werden gebraucht

Zuvor erinnerte ein Film daran, dass Flächenversiegelung zum Beispiel die Artenvielfalt gefährdet oder das Hochwasserrisiko erhöht. „Ist Wohlstand das einzige Kriterium, ist es zielführend für Zufriedenheit?“, fragte entsprechend auch Fotograf Leidorf nach der Präsentation seiner Bilder. Mattias Kiefer, Sprecher der Umweltbeauftragten der bayerischen (Erz-)Diözesen, forderte ausgehend vom biblischen Schöpfungsgedanken, dass unser Handeln „gemeinwohlvertretbar“ und „enkeltauglich“ werden müsse. „Das Abwägen von kurz- und langfristigen Interessen ist aber nicht nur Aufgabe der Politik, auch in unserem (Wahl-)Verhalten muss es sich niederschlagen.“

Moderator Klaus Schlaug (stehend) führte durch den Abend in Landshut.
Moderator Klaus Schlaug (stehend) führte durch den Abend in Landshut. © Kiderle

Laut Kathy Mühlebach-Sturm von der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz gebietet die Generationengerechtigkeit, Flächen frei zu halten für „ökologische Dienstleistungen der Natur“ wie den Wasserkreislauf. „Dafür braucht es intelligente Lösungen.“ Hans Graf, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Niederbayern warnte davor, durch gesetzliche Regulierung, wie etwa eine Versiegelungs-Obergrenze, ein Ungleichgewicht zwischen Stadt und Land entstehen zu lassen, da kleine Kommunen mehr Fläche nutzen müssten, um sich als Standorte zu etablieren. Wirtschaftliche Entwicklung habe der Region schließlich Wohlstand gebracht.

„Die Landwirte werden für vieles verantwortlich gemacht“, sagte Georg Sachsenhauser, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands. Als Beispiele nannte er das Insektensterben, für das es seiner Meinung nach keine belastbaren Beweise gebe – dazu gab es viel Contra. Dabei trage die Landwirtschaft heute mit moderner Technologie etwa zum Erhalt der Böden bei. Alternative Mobilitätsformen als Mittel gegen Flächenverbrauch präsentierten Siegfried Polsfuß vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) und Roswitha Keil vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Sie forderten stadt- und landkreisübergreifende Konzepte für öffentlichen Nahverkehr, sowie die Fahrrad-Infrastruktur attraktiver zu machen. Von politischer Seite sprach sich Rosi Steinberger von den Grünen klar für eine Obergrenze für Versiegelungen von fünf Hektar pro Tag aus, ihre Partei hat dazu ein Volksbegehren initiiert: „Freiwilligkeit hilft beim Flächenfraß nicht weiter.“

Die nächste Veranstaltung der Reihe "Das Kreuz vor der Wahl" findet zum Thema „Bildung“ am Montag, 25. Juni, um 19 Uhr im Theatersaal des Studienseminars St. Michael, Kardinal-Faulhaber-Straße 6, in Traunstein statt.

Gegen eine Obergrenze waren Norbert Hoffmann von der FDP und Helmut Radlmeier von der CSU, sonst orientierten Firmen sich bei der Standortwahl um. „Es braucht individuelle Lösungen für die Kommunen“, betonte Hoffmann. Radlmeier schlug vor, Anreize zum Flächensparen zu schaffen und ungenutzte Brachen im Ortskern „für neue Ideen zu nutzen“. Hubert Aiwanger von den Freien Wählern, nannte Beispiele, um Flächen „ökologischer“ zu nutzen, etwa Supermärkte mit Tiefgarage auszustatten und darüber Büros zu bauen. „Wir müssen die Wirtschaft mit Fingerspitzengefühl weiterentwickeln, um von deren Eigendynamik nicht überrollt zu werden.“ Ruth Müller (SPD) sprach von „räumlicher Gerechtigkeit“. Arbeitsplätze müssten etwa dort entstehen, wo sie gebraucht würden. Bestandsgebäude sollten stärker genutzt werden.

Politik, Wirtschaft und Bürger müssen zusammenarbeiten

Dem Publikum brannten vor allem Fragen rund um regionale Projekte unter den Nägeln, wie der Ausbau der B15 oder die dritte Startbahn am Münchner Flughafen. Grüne und SPD verwiesen bei Letzterer auf den negativen Münchner Bürgerentscheid, die FDP sprach sich dafür aus, die Freien Wähler dagegen. Die CSU mache ihre Entscheidung von neuen Bedarfs-Berechnungen abhängig. Konsens herrschte an dem Abend weitestgehend darüber, dass zur Bewahrung der Umwelt alle zusammenarbeiten müssten: Politik, Wirtschaft und Bürger. „Deshalb: Gehen Sie am 14. Oktober zur Wahl!“, schloss Moderator Klaus Schlaug die Veranstaltung.


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