Flucht und Migration Klimaforscher Edenhofer fordert mehr Realpolitik

04.07.2018

Ottmar Edenhofer ist mit von der Katholischen Akademie Bayern mit dem Romano-Guardini-Preis ausgezeichnet worden. In seiner Rede ging er auf den politischen Umgang mit Flüchtlingen und Migranten ein.

Edenhofer: Europa kann die Kriege im Nahen Osten nicht ignorieren.
Edenhofer: Europa kann die Kriege im Nahen Osten nicht ignorieren. © AdobeStock/nito

München – Der Potsdamer Klimaforscher Ottmar Edenhofer hat mehr Realpolitik im Umgang mit Flüchtlingen und Migranten angemahnt. Wer heute vor allem Härte und Abwehr an Außengrenzen fordere, sei kein Realpolitiker, sondern "verweigere sich der Wirklichkeit" und habe "die Dimension des Problems nicht einmal im Ansatz verstanden", sagte Edenhofer am Mittwoch in München. Europa könne die Kriege im Nahen Osten ebenso wenig ignorieren wie die ethnischen Konflikte und die Folgen des Klimawandels in Afrika und anderen Teilen der Welt.

Humanitären Herausforderungen stellen

Derart epochale Herausforderungen könnten nur durch einen "geordneten Multilateralismus gemeistert werden", betonte Edenhofer. Dazu zählten die Bekämpfung von Fluchtursachen, eine menschenwürdige Aufnahme von Geflüchteten und eine faire Verteilung der Lasten der Migration. "Wenn Europa seine Identität bewahren will und nicht untätig zusehen möchte, wie es die Kontrolle verliert, muss es sich diesen humanitären Herausforderungen stellen." Es sei für ihn eine "große Ermutigung", dass die Kirchen in Deutschland und auch Papst Franziskus "mit aller Klarheit an die Maßstäbe erinnern, die für Christen in der Politik gelten sollten".

Klimaforscher Ottmar Edenhofer
Klimaforscher Ottmar Edenhofer © imago

Edenhofer war Jesuit

Der Forscher wurde von der Katholischen Akademie Bayern mit dem Romano-Guardini-Preis für seine herausragenden Leistungen als Politikberater und öffentlicher Mahner ausgezeichnet. Dabei würdigte auch Bayerns Umweltminister Marcel Huber (CSU) Edenhofers "fundierte Denkanstöße".

In seiner Dankrede ging Edenhofer auf seine Vergangenheit im Jesuitenorden ein, dem er sieben Jahre angehörte. 1990 übernahm er die Leitung der Flüchtlingshilfe der Jesuiten in Kroatien und Bosnien. Nur wenige Ereignisse in seinem Leben hätten ihn so verstört und seine Gewissheiten so sehr erschüttert wie diese zwei Jahre, sagte der Forscher. Mitten in Europa hätten "nationalistischer und ethnischer Wahnsinn" zivilisatorische Standards zusammenbrechen lassen.

Er sei aber dankbar gewesen, dass er für eine Institution habe arbeiten können, "die ihre Identität gerade nicht in der nationalen oder ethnischen Abgrenzung sucht, sondern an die menschliche Würde appelliert, die allen Menschen gemeinsam ist, die also im wahrsten Sinne des Wortes katholisch ist", fügte der Preisträger hinzu. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Flucht & Asyl

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