Bernhard Vollmar leitet diözesane Forstabteilung Klimaschutz – erstes Gebot im Wald

26.08.2019

Bernhard Vollmar ist seit Mitte März neuer Leiter der Forstabteilung im Erzbistum München und Freising. Eine lebenswerte Umwelt zu haben – auch noch in 100 Jahren, ist das Ziel des Vaters von vier Töchtern.

Bernhard Vollmar leitet seit März die Forstabteilung der Erzdiözese.
Bernhard Vollmar leitet seit März die Forstabteilung der Erzdiözese. © SMB/Fleischmann

München – „Ein Förster hat die Gewohnheit, dass er immer in die Baumkronen schaut. Wenn die Krone gesund ist, dann ist auch der Wald gesund“, weiß Bernhard Vollmar, der auch Forstwissenschaftler ist. Der Blick nach oben zeigt im westlichen Teil der Erzdiözese in diesem Sommer ein zufriedenstellendes Ergebnis. Anders im östlichen Teil, Richtung Niederbayern: „Da haben wir schon ziemliche Probleme mit dem Borkenkäfer und Trockenheit“, gesteht Vollmar.

Seine Grundüberzeugung: „Die wichtigste Rolle des Waldes heute ist der Klimaschutz.“ Der Wald hat eine große Pufferwirkung für das Wasser und für den Ausgleich von Temperaturen: „Diese ökologischen Funktionen müssen ganz oben stehen.“ Das soll auch in einem neuen Leitbild für die Wälder der Erzdiözese festgehalten werden. Vollmar hatte eine passende Idee: „Ich habe gedacht, ich mache da zehn Gebote draus.“ Das erste Gebot lautet: „Klima schützen“. Noch zu Vollmars Studienzeiten hieß es „Nutzung“ und dann „Schützen und Erholung“, heute haben die drei Elemente Ökonomie, Ökologie und Soziales den gleichen Stellenwert.

Eine lebenswerte Umwelt zu haben – auch noch in 100 Jahren, ist das Ziel des Vaters von vier Töchtern. Doch wie sich eine Temperaturerhöhung von zwei Grad auswirkt auf den Boden, der entscheidend wichtig ist für das Wachstum der Bäume, „das wissen wir alle noch nicht so recht“, gibt der Forstwissenschaftler zu. Bereits seit Jahren sind Veränderungen in den Wäldern der Erzdiözese im Gang. Vollmar hat gerade nachgerechnet für die vergangenen beiden Jahre und Beeindruckendes errechnet: „Wir pflanzen pro Jahr zwischen 300.000 und einer halben Million Bäume: Laubbäume oder Tannen, keine Fichten. Chemische Mittel will der Forstdirektor möglichst vermeiden, doch im östlichen Teil der Erzdiözese werden sie zum Einsatz kommen: „Sonst haben wir ein hohes Risiko, dass der Borkenkäfer auch die angrenzenden Bestände befällt.“

„Mehr Holz verwenden, Holzhäuser bauen“

Die Wälder brauchen Pflege und Bewirtschaftung durch Fachleute, doch für den Klimaschutz kann jeder mit Hilfe der Bäume etwas tun: „Mehr Holz verwenden, Holzhäuser bauen“, rät Vollmar: „Wald ist eine CO2-Senke, und indem wir mehr Holz verbauen, helfen wir der Ökologie.“

Allein in den Wäldern der Erzdiözese werden pro Hektar Wald zwölf Tonnen CO2 im Jahr gebunden. Die Bäume speichern davon ungefähr drei Tonnen, die restlichen neun Tonnen CO2 fallen weg, wenn das Holz verbaut wird und dadurch andere Baustoffe ersetzt, die klimaschädlicher erzeugt werden müssten.

Grün ist die Hoffnung, aber Bäume wachsen langsam. Was kann der Wald leisten fürs Klima? „Entscheidend ist die CO2-Senkung“, betont Vollmar. Bestimmte Bereiche des Waldes würden aus der Nutzung herausgenommen, um der Ökologie Vorrang zu geben: „Aber es muss auch in Zukunft Bereiche geben, wo wir Holz nutzen, um CO2 langfristig zu binden.“ Ein persönliches Hauptanliegen des Diplomforstwirts: „Wir dürfen nicht vergessen, dass auch die Nutzung der Bäume eine wichtige Funktion für das Klima hat.“ Deswegen würden auch weiterhin Nadelbäume gepflanzt: Denn aus Laubholz lassen sich keine Dachstühle und Ähnliches herstellen.

Danach gefragt, ob er manchmal das Gefühl habe, er kämpfe gegen die Uhr, sagt Vollmar: „Wenn ich Bilder sehe aus Gegenden, wo der Wald hunderthektarweise kaputt ist durch Borkenkäfer und Sturm, da bekommt man schon ein bisschen Angst, dass wir diesen Umbau im Wald nicht schnell genug schaffen“, gibt der Forstexperte zu und schaut wieder suchend in die Baumkronen.

Die Autorin
Gabriele Hafner
Radio-Redaktion
g.hafner@st-michaelsbund.de


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