Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Kloster Reutberg soll geistlicher Ort bleiben

08.04.2018

Die Ordensgemeinschaft im Kloster Reutberg ist zu klein geworden. Sie muss aufgelöst werden. Doch das bedeutet nicht das Ende des Klosters.

Das Kloster Reutberg soll ein spirituelles Zentrum werden.
Das Kloster Reutberg soll ein spirituelles Zentrum werden. © imago

München ¬– Das Erzbistum München und Freising will das Kloster Reutberg in Sachsenkam, Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, als geistliches Zentrum erhalten und weiterentwickeln. Geplant ist zum einen, dass eine priesterliche, apostolisch tätige Gemeinschaft in das Kloster einzieht. Die Priester der Gemeinschaft sollen dann in der Seelsorge in den Pfarreien und Pfarrverbänden in der Region mitarbeiten. Zum anderen soll das Kloster zu einem pastoralen Zentrum werden und beispielsweise von Pfarreien und anderen kirchlichen Träger genutzt werden können, für Veranstaltungen wie Klausuren von Pfarrgemeinderäten oder Pfarrverbandsräten, Treffen von Firmlingen oder Ministranten, Fortbildungen oder Begegnungsangebote. Ein Schwerpunkt ist dabei in der Familienpastoral geplant. Weiterhin wird es wichtige spirituelle Angebote wie Gottesdienste und die Eucharistische Anbetung in der Klosterkirche geben.

Identifikationsort für die Menschen in der Umgebung

Derzeit leben im Kloster Reutberg noch zwei Franziskanerinnen, von denen eine in hohem Alter und pflegebedürftig ist. Ein Ende des Ordens ist deshalb unausweichlich: Zu einer Gemeinschaft zählen mindestens drei Schwestern, eine davon muss die Gemeinschaft als Oberin leiten können. Nur dann ist ein geistliches Leben möglich. Und erst wenn es neben einer Oberin auch einen Schwesternrat gibt, ist eine Aufnahme von am Ordensleben interessierten Frauen und deren ordensinterne Ausbildung, die Formation, möglich. Das setzt eine größere Gemeinschaft voraus.

Gabriele Rüttiger leitet im Erzbischöflichen Ordinariat München das Ressort für Grundsatzfragen und ist unter anderem dafür zuständig, Orden zu begleiten. „Es schmerzt uns sehr, dass im Kloster Reutberg eine lange Tradition zu Ende geht“, so Rüttiger. „Mit ihrer franziskanischen Spiritualität haben die Schwestern den Reutberg über fast 400 Jahre als geistlichen Ort geprägt und zu einem wichtigen Identifikationsort für die Menschen in der Umgebung gemacht.“

Religiosenkongregation trifft Entscheidung

Das Erzbistum sehe voller Trauer, dass die einst lebendige Ordensgemeinschaft zu klein geworden sei, um ihr geistliches Leben weiter zu pflegen. „Aber wir müssen uns dieser Realität stellen und die Chance nutzen, diese Entwicklungen mit Blick in die Zukunft zu gestalten“, betont Rüttiger: „In den vergangenen Jahrzehnten haben sich nur wenige Menschen für einen Eintritt in ein Kloster entschieden. Die wenigen, die Interesse haben, wählen oftmals eher einen apostolisch tätigen Orden. Es ist ein Irrglaube, wenn man meint, ein anderes Kloster könne einfach einige Schwestern auf den Reutberg schicken und alles wäre gut. Wer davon ausgeht, zeigt eine gewisse Ignoranz gegenüber dem Ordensleben und seiner ganz eigenen Rahmenbedingungen und Herausforderungen.“

Gabriele Rüttiger leitet im Erzbischöflichen Ordinariat München das Ressort für Grundsatzfragen.
Gabriele Rüttiger leitet im Erzbischöflichen Ordinariat München das Ressort für Grundsatzfragen. © SMB

Angesichts der kleiner werdenden und alternden Gemeinschaft auf dem Reutberg hat die Religiosenkongregation, die im Vatikan für die Orden zuständig ist, bereits 2013 den Schwestern mitgeteilt, dass die Auflösung unvermeidlich sei, und sie aufgefordert, eine Entscheidung über ihre Zukunft zu treffen. 2016 hat die Religiosenkongregation das Erzbistum München und Freising einbezogen, da die Gemeinschaft keine Bereitschaft gezeigt habe, an der Entscheidung mitzuwirken. In einem nächsten Schritt wird nun die Religiosenkongregation eine Entscheidung über die Zukunft der Schwestern treffen.

Auflösung des Ordens ist nicht Ende des Klosters

Wichtig sei es aber, so Rüttiger, zwischen dem Orden und dem Kloster Reutberg als spirituellem Ort zu unterscheiden: „Die Auflösung des Ordens bedeutet nicht das Ende des Klosters!“ Die Franziskanerinnen hatten in ihren Konstitutionen festgelegt, dass das Klostergebäude und das weitere Eigentum des Klosters bei der Auflösung an das Erzbistum München und Freising fällt. „Das Erzbistum wird diese Verantwortung annehmen“, erklärt Rüttiger. Niemand müsse sich Sorgen machen, dass das Klostergebäude beispielsweise an einen privaten Investor verkauft werde. „Wir werden das Kloster als geistlichen Ort erhalten. Es soll weiterhin ein spiritueller Identifikationsort für die Menschen in der Umgebung sein und mit seiner besonderen Ausstrahlung die Landschaft prägen.“ Dieses Ziel sei auch die hohe Summe wert, die das Erzbistum in Sanierung und Unterhalt der Gebäude investieren werde. Die Mittel der Ordensgemeinschaft selbst reichen bei weitem nicht aus, um die Sanierung zu finanzieren. Für die Restaurierung der Klosterkirche hat das Erzbistum bereits zugesagt, mehr als eine Million Euro, etwa die Hälfte der benötigten Mittel, zuzuschießen.

Das ehemalige Ursulinenkloster in Landshut

Wie aktuell in Reutberg hat das Erzbistum bereits mehrere Orden bei der Aufgabe von Klöstern begleitet und dabei unterstützt, konstruktive Lösungen für die Zukunft zu entwickeln. Dabei werden stets auch die Menschen in der Umgebung einbezogen, denn ein Kloster soll nicht nur ein spiritueller Ort sein, sondern auch eine positive Ausstrahlung auf die Umgebung entfalten und zur Entwicklung der dortigen Gesellschaft beitragen. Ein Beispiel ist das ehemalige Ursulinenkloster in Landshut: Die älter werdende Gemeinschaft entschied sich, in ein Seniorenheim in München umzuziehen und die Klostergebäude dem Erzbistum anzuvertrauen. In der Tradition der Ursulinen soll auf dem Gelände neben einem Standort der Erwachsenenbildung auch eine integrative Grundschule entstehen. Gemeinsam mit der Stadt Landshut wurde ein Konzept entwickelt, mit dem besonders Kinder mit Migrationshintergrund und mit Behinderungen gefördert werden.

Gemeinsam konstruktiv arbeiten

Auch in Bezug auf das Kloster Reutberg sei das Erzbistum bereits seit längerer Zeit im Gespräch mit Vertretern der Kommune, der Pfarrgemeinde und des Vereins „Freunde des Klosters Reutberg“. Rüttiger lobt die Vertreter für die Vorschläge, die sie für die Zukunft des Klosters eingebracht haben: „Da waren viele gute Ideen dabei. Einiges davon findet sich in dem Konzept wieder, das das Erzbistum gerade für das Kloster erstellt.“ Gegenwärtig gestalteten sich die Gespräche allerdings schwierig. „Es fällt den örtlichen Vertretern teilweise schwer, das Ende der Schwesterngemeinschaft am Reutberg zu akzeptieren“, erklärt Rüttiger, was verwunderlich sei, da gerade die Menschen vor Ort am besten wüssten, dass der letzte Eintritt einer Schwester in die Ordensgemeinschaft am Reutberg bereits rund zwei Jahrzehnte zurückliege. Rüttiger bedauert, dass dadurch positives Potential für die Weiterentwicklung des Klosters ungenutzt bleibe: „Wir würden uns wünschen, gemeinsam mit den Menschen vor Ort konstruktiv an der Zukunft des Klosters zu arbeiten. Das ist nicht möglich, wenn wir von den örtlichen Vertretern als Gegner wahrgenommen werden oder der Erzdiözese gar öffentlich vom Bürgermeister von Sachsenkam unterstellt wird, sie wolle den Orden auflösen, um an den materiellen Klosterbesitz zu kommen. Trotz dieser Widerstände wird das Erzbistum das Kloster Reutberg aber nicht sich selbst überlassen, sondern weiter daran arbeiten, es als geistlichen Ort weiterzuentwickeln.“ (pm)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Zukunft Kloster Reutberg

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