Freiwilliges Ordensjahr Kloster zum Mitleben

03.08.2019

Ein Jahr im Orden leben, ohne dauerhaft ins Kloster einzutreten: Das ist nicht nur für die Freiwlligen ein spannendes Projekt, sondern auch die Ordensleute können davon profitieren.

Drei bis zwölf Monate können Interessierte in einer der 31 teilnehmenden Ordensgemeinschaften verbringen.
Drei bis zwölf Monate können Interessierte in einer der 31 teilnehmenden Ordensgemeinschaften verbringen. © DOK/angelika- kamlage.de

München – Für viele Menschen, beobachtet Schwester Maria Stadler, ist ihre Gemeinde nicht mehr die geistliche Heimat, die sie mal war. Kein Wunder: Die Gottesdienste werden leerer, und überschaubare Einheiten werden zu unübersichtlichen Großpfarreien fusioniert. Die Menschen aber sehnen sich nach wie vor nach einem Ort, an dem sie sich geborgen fühlen und Gott begegnen können. Einige gehen dazu ins Kloster. „Die Heimat, die sie in ihren Gemeinden nicht mehr finden, suchen manche jetzt bei uns“, weiß die Münchner Missionarin Christi. Die Orden bieten Stabilität, sie sind an einem Ort verwurzelt und haben eine jahrhundertelange Erfahrung im geistlichen Leben. Schwester Maria sagt: „Das ist der Schatz, den wir haben.“

Glauben und Alltag verbinden

Viele Klostergäste finden diesen Schatz so wertvoll, dass sie gefragt haben, ob sie nicht mal länger bleiben können. Darauf haben die katholischen Orden in Deutschland reagiert. Ab sofort bieten sie die Möglichkeit, ein Freiwilliges Ordensjahr zu absolvieren. Drei bis zwölf Monate können Interessierte in einer der 31 teilnehmenden Ordensgemeinschaften verbringen. In München sind das die Missionarinnen Christi, die Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul und die Missionsschwestern vom Heiligsten Erlöser. Die Freiwilligen beten dann mit den Ordensleuten, sie essen mit ihnen, sie arbeiten mit ihnen. Sie sollen tief in deren Leben eintauchen. Schwester Maria koordiniert das Projekt für die Deutsche Ordensobernkonferenz. Sie betont, die Gäste sollten „erfahren, wie ihr Glauben und ihr Alltag eine Einheit werden können“. Sie sollten spüren, wie der Tag durch die Gebetszeiten eine Struktur bekommt. Und sie sollten erfahren, was es bedeutet, in einer Ordensgemeinschaft zu leben: „Die Menschen lernen, wie wir uns gegenseitig tragen und ertragen.“

Ein Angebot für vier Zielgruppen

Vier Zielgruppen wollen die Orden mit diesem Angebot ansprechen. Junge Menschen, die gerade die Schule, das Studium oder die Ausbildung beendet haben, können sich in dem Freiwilligen Ordensjahr klar werden, wie sie weitermachen wollen – und ob ein Leben im Orden vielleicht das Richtige für sie ist. Menschen, die einige Jahre im Beruf stehen, können ihren Alltag entschleunigen und lernen, wie sie auch in stressigen Zeiten ein geistliches Leben führen können. Menschen in der Lebensmitte können neue Impulse für ihren Glauben bekommen. Wenn sie eine schwierige Phase durchlebt haben, können sie sie im geschützten Rahmen der Ordensgemeinschaft noch einmal anschauen. „Das ist keine Therapie, ganz sicher nicht“, erläutert Schwester Maria. „aber es kann helfen.“ Menschen, deren Berufsleben zu Ende geht, können innehalten, zurückschauen und überlegen, wie sie ihre Zeit als Rentner gestalten und wofür sie sich künftig engagieren wollen.


Jeder zwischen 18 und 75 Jahren kann sich für das Ordensjahr bewerben. Voraussetzungen sind Offenheit für das Klosterleben und psychische Stabilität. Ob der Teilnehmer in dem Jahr weiter arbeitet, wie er versichert ist und was er zahlt, wird individuell geklärt. Weitere Informationen bekommen Interessenten bei Schwester Maria Stadler unter Telefon 0157/50117508 oder hier. (al)

Wer das Jahr beginnt, soll wissen, worauf er sich einlässt. „Es ist kein Urlaub oder ein leichtes Reinschauen, sondern ein richtiges Mitleben“, betont Schwester Maria. „Da gehört viel dazu.“ Wer das übersieht, den kann das Jahr überfordern. Deshalb werden vorab alle Fragen geklärt. „Es ist wichtig, von Anfang an ehrlich miteinander umzugehen, damit keine falschen Erwartungen entstehen“, ergänzt Schwester Maria. Der Orden schließt mit dem Teilnehmer auch einen Vertrag. So sind rechtliche Fragen geregelt; es wird aber auch verdeutlicht, wie verbindlich das Jahr ist. Für alle Fragen während des Jahres steht jedem Teilnehmer ein Ordensmitglied als Lernpartner zur Verfügung. „Das Ordensleben ist ja doch für die meisten etwas sehr Fremdes“, meint Schwester Maria. Die Partner sollen helfen, es zu erklären.

Viermal im Jahr können die Teilnehmer zu Fortbildungswochenenden reisen, um sich mit Freiwilligen aus anderen Klöstern auszutauschen. Auf den Austausch hoffen auch die Ordensleute. Sie glauben, dass nicht nur ihre Gäste von dem Jahr bei ihnen profitieren, sondern auch sie selbst. Weil sie Menschen treffen, die Kinder haben, im Arbeitsleben stehen und als Gläubige in ihrem Unternehmen vielleicht ganz allein sind. Weil sie also einer Lebenswelt begegnen, die sie so nicht kennen. Und weil sie diese Welt dadurch ein bisschen besser verstehen. (Andreas Lesch)


Das könnte Sie auch interessieren

Pater Friedrich mit Knochenreliquie des heiligen Jesuiten Johannes Berchman.
© SMB/Hasel

Heiligenverehrung Reliquie vom Patron der Ministranten gefunden

In den Tresoren vieler Sakristeien lagern längst vergessene Schätze. In München-Haidhausen ist nun eine ganz besondere Heiligenreliquie wieder zum Vorschein gekommen.

09.08.2019

Heidi Klum mit ihrem Mann Tom Kaulitz bei einem Fußballspiel in München
© Sammy Minkoff - imago

Heidi Klum Mit der Online-Lizenz zum Trauen

Nicht etwa das Brautkleid von Topmodel Heidi Klum war das Überraschendste an ihrer Hochzeit mit Gitarrist Tom Kaulitz. Sondern die Trauung durch dessen Zwillingsbruder Bill, Sänger der Band Tokio...

05.08.2019

© imago images / ZUMA Press

München am Mittag Cocktails aus dem Kloster

Der Sommer gibt alles: Sonne satt und die Temperaturen steigen mancherorts auf über 40 Grad. Was gibt es da schöneres als nach Feierabend oder am Wochenende leckere und kühle Drinks zu schlürfen? Wir...

25.07.2019

© Gemeinschaft junger Malteser

Malteser Momente Countdown für Maltacamp in Ettal

Anfang August findet im Kloster Ettal das wahrscheinlich weltweit größte internationale Sommerlager für Menschen mit Behinderung statt. Was das Maltacamp so einzigartig macht, hören Sie in der...

13.06.2019

Die Congregatio Jesu Schwestern in Neuburg an der Donau haben neue Mitbewohner: Alpakas.
© Kiderle

Congregatio Jesu in Neuburg an der Donau Alpakas im Kloster

Bisher lebten nur Frauen im Kloster der Congregatio Jesu Schwestern. Doch jetzt grasen dort auch drei Alpaka-Männchen.

31.05.2019

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren