Verständnis und Glauben Döpfners Knecht Jesu Christi

10.07.2013

Mitbruder Finkenzeller, Mitbruder Gruber...“, so redete uns der neue Erzbischof an, als er uns – den Weihekurs 1953 – bei unserem Fortbildungskurs am Petersberg besuchte. Das war am 1. Oktober 1961, am ersten Tag (!) nach seinem Amtsantritt in München.

Prälat Gerhard Gruber (BIld: Münchner Kirchenzeitung)

Er wollte möglichst bald die Priester seiner neuen Diözese kennenlernen. Er saß mit uns in der Runde, hörte zu, erklärte, fragte, antwortete wie einer von uns; er wollte einer von uns sein. Für uns war das eine Überraschung, schnell gewann er unser Vertrauen. „In dieser Stunde der Kirche...“, der Aufruf Gottes und die entsprechende Antwort darauf in der jeweiligen aktuellen Situation – das war immer seine Sorge. Lebendige Gemeinden, Beteiligung der Laien am kirchlichem Leben, und an der Leitung und Verantwortung, das entscheidende Wort in der Öffentlichkeit, zum Beispiel wenn der Schutz des werdenden Lebens oder die christliche Prägung der neuen Gemeinschaftsschule in Frage stand, waren seine Themen. „...so wie die Kardinäle Bea und Döpfner es sich vorstellen...“, antwortete Papst Johannes XXIII. einmal auf die Frage, wie er sich das Konzil vorstellte. In seiner ehrlichen und geradlinigen Art gelang es Kardinal Döpfner immer wieder, im Konzil und in der Würzburger Synode, auch manch widerstrebende Kräfte für eine gemeinsame Linie zu gewinnen. „Ist der neue Kommentar schon da?“, so fragte mich einmal auf dem Flug nach Rom der Kardinal. Das waren seine geistlichen Kraftquellen: Tägliche Feier der Eucharistie, das Breviergebet, dann die heilige Schrift und der neueste Kommentar dazu, schließlich der Rosenkranz, und jedesmal vor dem Rückflug von Rom ein Besuch am Grab des heiligen Paulus.„Schee war’s. Gelt’s Gott! Pack ma’s wieder!“ – so bedankte er sich bei der Jubiläumsfeier im Kongresssaal des Deutschen Museums für die Ovationen, die ihm zuteile wurden. Julius Döpfner wollte, wie der heilige Paulus, immer „Knecht Jesu Christi“ sein und er scheute auch nicht die schweren Lasten – gemäß seinem Wahlspruch: „Praedicamus Crucifixum – wir predigen Christus, den Gekreuzigten.“

Prälat Gerhard Gruber begleitete Kardinal Julius Döpfner als persönlicher Sekretär für die Konzilsangelegenheiten zu allen Sitzungen des Zweiten Vatikanums. Von 1968 bis 1990 war er Generalvikar des Erzbistums München und Freising.


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