150. Todestag von Ludwig I. König und Stifter

01.03.2018

Mit einem feierlichen Abendgottesdienst gedachte man in der Münchner Benediktinerabtei St. Bonifaz des 150. Todestages von König Ludwig I. Gekommen war nicht nur Herzog Franz von Bayern, sondern auch zahlreiche bayerische Benediktiner-Äbte und Vertreter anderer Ordensgemeinschaften.

Abt Johannes Eckert segnete den Sarkophag König Ludwigs I. in der Seitenkapelle von St. Bonifaz
Abt Johannes Eckert segnete den Sarkophag König Ludwigs I. in der Seitenkapelle von St. Bonifaz © Kiderle

München – Ganz in blau getaucht ist die Seitenkapelle von St. Bonifaz mit dem Sarkophag König Ludwigs I. (1786 – 1868). Zwei Amphoren mit weißen Rosen und Lilien umrahmen eine flackernde weiße Kerze auf einem mächtigen Ständer. Viele Besucher des Gedenkgottesdienstes zum 150. Todestag des Königs greifen zum Aspergil im Weihwasserkessel und besprengen das Marmorgrab.

Die Benediktinerabtei St. Bonifaz gedenkt an diesem eiskalten Winterabend ihres Stifters, der bereits zu Lebzeiten die Basilika zu seiner Grablege bestimmte. 1850 hatte er die Abtei gegründet. Gekommen sind nicht nur Vertreter des Hauses Wittelsbach, allen voran Herzog Franz von Bayern, sondern auch die Äbte der bayerischen Benediktinerkongregation und Vertreter anderer, von Ludwig I. wieder eingeführte Orden und von ihm gegründeter Institutionen. Abt Johannes Eckert feiert den Gottesdienst in Konzelebration mit Abt Barnabas Bögle von Kloster Ettal, Abtpräses der Bayerischen Benediktinerkongregation, und Pater Marinus Parzinger, Provinzial der Deutschen Kapuziner. Stiftskantorei und Schola sorgen mit der Messe in E-Dur von Josef Gabriel Rheinberger für die würdige musikalische Gestaltung. In den Gebeten und Fürbitten wird auch Ludwigs protestantische Gemahlin Therese stets namentlich erwähnt – sie fand bei ihrem Gatten in St. Bonifaz ihre letzte Ruhe.

Beim Gedenkgottesdienst konzelebrierte Abt Johannes Eckert (Mitte) mit Abt Barnabas Bögle von Ettal (links) und Kapuzinerprovinzial Marinus Parzinger (rechts) © Kiderle

Auch der Münchner griechisch-orthodoxe Erzpriester Apostolos Malamoussis und sein Mitbruder Archimandrit Peter Klitsch nehmen am Gottesdienst teil. Sie sind ebenfalls mit dem König verbunden, schließlich überließ der Philhellene Ludwig 1828 St. Salvator, die gotische einstige Friedhofskirche der Frauenkirche, der griechisch-orthodoxen Metropolie zur Nutzung.

In seiner Predigt erinnert Abt Johannes an die dreitägigen Beisetzungsfeierlichkeiten 1868 für Ludwig I. in der Basilika. Am zweiten Tag predigte Abt Daniel von Haneberg: „Bei seinem Wandel, seinem Auftreten, konnte man oft vergessen, dass er ein König sei“, berichtet dieser bewundernd über Ludwig I.. Dieser sei oft ohne Begleitung und Ehrenabzeichen unterwegs gewesen, wie ein ganz normaler Bürger, habe stets die Nähe zur Bevölkerung gepflegt. „In unserem Stifter begegnet uns ein Mensch, der sein Amt als Dienst an seinem Volk und Land verstand“, erklärt Abt Johannes. Ludwig I. sei im Glauben tief verwurzelt gewesen. Religion und Frömmigkeit bedeuteten für ihn keinen Rückzug ins Private, sondern seien ihm Verpflichtung zur Gestaltung der Gesellschaft gewesen – aus christlichem Geist heraus: „Sei fromm, darin ist alles Gute erhalten“, heißt es in seinem Testament.

Beim Empfang im Pfarrsaal begrüßte Abt Johannes (rechts) auch Herzog Franz von Bayern (Mitte) und den griechisch-orthodoxen Erzpriester Apostolos Malamoussis (links) © Kiderle

Zufällig fällt auf diesen Tag das Evangelium vom Rangstreit der Jünger, denen Jesus ins Stammbuch schreibt: „Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein.“ So habe auch Ludwig I. seinen Dienst verstanden, sagt Abt Johannes. Dafür dürfe man dankbar sein. Es sei an uns heute gelegen, Ludwigs Gründungen und Gebäude mit Leben und jenem Geist zu erfüllen, „der den Spuren des Herrn entspricht“. Zum Abschluss wird die Bayernhymne gesungen und zum Empfang bei Brezn und Andechser Bier in den Pfarrsaal eingeladen – auch das hätte Ludwig I. wohl gefallen.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de


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