Oberbayerische Bergbautradition Kohle und Kirche

13.06.2019

In Hausham bei Miesbach hat am 13. Juni der Kirchenpatron Sankt Anton seinen Festtag. Er ist mit gutem Grund gewählt worden, denn er ist auch Schutzpatron der Bergleute.

Zwei Türme prägen Hausham: der Kirchturm und der einzigartige Förderturm aus Stahlbeton. © Kiderle/SMB

Hausham – Hausham hat jede Menge Kohle. Etwa 33 Millionen Tonnen sollen es noch sein. Bis 1966 wurde sie abgebaut. Franz Gregor hat sie noch von Hand herausgebrochen. Als im vergangenen Winter das letzte Stück Ruhrkohle gefördert wurde, hat er das aufmerksam verfolgt und sich an seine eigene Zeit als Hauer erinnert: „Ich habe oft im Liegen gearbeitet, den Presslufthammer über dem Kopf“, erklärt der 86jährige, der 1951 zum ersten Mal „eingefahren“ ist. „Denn die Flöze, also die Kohlelagerstätten, sind hier manchmal nicht dicker als 30 Zentimeter.“ Bis in 1100 Meter Tiefe gruben sich die Bergleute hinunter und förderten die oberbayerische Pechkohle, ein Mittelding zwischen Braun- und Steinkohle. Ein mächtiger Brocken davon liegt in der Haushamer Pfarrkirche Sankt Anton, direkt unter der ehemaligen Schichtglocke des Bergwerks aus dem 19. Jahrhundert. Pfarrer Michael Mannhardt schlägt sie vorsichtig an und der Ton dringt laut durch das ganze Gotteshaus. „Sie hat früher die Bergleute beim Schichtwechsel auch zum Gebet gerufen“, erklärt er. Allerdings nur in den Anfangsjahren des 1860 gegründeten Bergwerks. Später haben die Bergleute ihr Gebet vor einer Barbarafigur verrichtet, die ihre Schutzheilige ist. Auch im Deckengemälde der Haushamer Kirche ist sie groß abgebildet, neben ihr Bergmänner in Festtracht. 29 Jahre soll die Heilige alt geworden sein. „Deshalb zählt der Bergmannskittel auch 29 Knöpfe“, erläutert Franz Gregor. Drei davon bleiben offen, sie erinnern an die drei Jahre, die Barbara in einem lichtlosen Turm verbracht haben soll. Bergleute waren und sind fromm, denn die Arbeit ist gefährlich, wie früher in Hausham. An der Außenmauer der Kirche erinnert eine Holztafel an 246 Todesopfer.

Wunder von Hausham

Sie sind vor allem durch herabstürzendes Gestein in dem geologisch schwierigen Abbaugebiet ums Leben gekommen. Auch ein „Wunder von Hausham“ hat es gegeben. 1892 waren 12 Bergleute tagelang verschüttet, ihre Kollegen konnten sie aber alle lebend bergen. Bis heute erinnert daran eine Votivtafel in der Birkensteiner Wallfahrtskirche. Der Knappenverein, der über 100 Mitglieder zählt, unternimmt noch jedes Jahr eine Dankwallfahrt dorthin. Genauso sind die die Bergleute in ihrer Festtracht beim Fronleichnamsfest und natürlich auch beim Patrozinium dabei, das die Gemeinde rund um den Festtag des Heiligen Antonius am 13.Juni feiert. Ziemlich sicher hätte der Ort ohne die Montanindustrie kein eigenes Gotteshaus. Denn zuvor waren in der Gemeinde im Schlierachtal gerade einmal eine Handvoll Bauernhöfe zu finden.

Multikulti in den Kirchenbänken

Der Ort ist durch das Bergwerk erst richtig entstanden und zog Arbeitskräfte aus den unterschiedlichsten Regionen an. Pfarrer Mannhardt deutet auf die Schilder in den Kirchenbänken: „Das ist da auch an den Namen abzulesen.“ Die klingen manchmal italienisch oder böhmisch. Auch in der Gegenwart ist die Bergbautradition immer noch „der Kitt in Hausham und ich spüre schon einen großen Zusammenhalt“, so der Geistliche. Zeugen dieser Geschichte sind auch die zwei Türme, die das Ortsbild prägen. Zum einen der 70 Meter hohe Förderturm, der einzige erhaltene in Oberbayern. Das Industriedenkmal ist aus Stahlbeton und so massiv, dass die Sprengmeister bei der Aufgabe des Betriebs lieber die Finger davon gelassen haben. Zum anderen der Kirchturm von Sankt Anton.

Männliches Gegenstück zu Barbara

Im Hochaltar ist der Heilige groß dargestellt: Er ist ebenfalls ein Schutzpatron der Bergleute, sozusagen das männliche Gegenstück zur heiligen Barbara: „Denn Antonius stärkt ja alle, die nach etwas suchen, so wie die Bergleute.“ Pfarrer Mannhardt sperrt extra den Tresor auf und holt eine kostbare Monstranz hervor, auf der auch kleine Silberfiguren der beiden Heiligen stehen. Mit jedem Segen, den er damit spendet, hat er vor Augen, „dass Kirche und Bergbautradition in Hausham zusammengehören“.

Die Pfarrei in Hausham begeht das Patrozinium ihrer Antonius-Kirche am Sonntag, dem 16. Juni, um 10.30 Uhr. Vor dem Gottesdienst ziehen die Gläubigen vom Gewerkschaftshaus zur Kirche. Nach der Messe feiert die Kirchengemeinde ihr Pfarrfest.

Audio

Zum Nachhören

Beitrag über Bergbau-Tradition in Hausham im Münchner Kirchenradio

Franz Gregor hat noch auf dem Rücken liegend Kohle abgebaut. Pfarrer Michael Mannhardt legt großen Wert darauf an die Bergwerkstradition in Hausham zu erinnern. © Kiderle/SMB

Multikulti in den Kirchenbänken

Der Ort ist durch das Bergwerk erst richtig entstanden und zog Arbeitskräfte aus den unterschiedlichsten Regionen an. Pfarrer Mannhardt deutet auf die Schilder in den Kirchenbänken: „Das ist da auch an den Namen abzulesen.“ Die klingen manchmal italienisch oder böhmisch. Auch in der Gegenwart ist die Bergbautradition immer noch „der Kitt in Hausham und ich spüre schon einen großen Zusammenhalt“, so der Geistliche. Zeugen dieser Geschichte sind auch die zwei Türme, die das Ortsbild prägen. Zum einen der 70 Meter hohe Förderturm, der einzige erhaltene in Oberbayern. Das Industriedenkmal ist aus Stahlbeton und so massiv, dass die Sprengmeister bei der Aufgabe des Betriebs lieber die Finger davon gelassen haben. Zum anderen der Kirchturm von Sankt Anton.

Männliches Gegenstück zu Barbara

Im Hochaltar ist der Heilige groß dargestellt: Er ist ebenfalls ein Schutzpatron der Bergleute, sozusagen das männliche Gegenstück zur heiligen Barbara: „Denn Antonius stärkt ja alle, die nach etwas suchen, so wie die Bergleute.“ Pfarrer Mannhardt sperrt extra den Tresor auf und holt eine kostbare Monstranz hervor, auf der auch kleine Silberfiguren der beiden Heiligen stehen. Mit jedem Segen, den er damit spendet, hat er vor Augen, „dass Kirche und Bergbautradition in Hausham zusammengehören“.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


Das könnte Sie auch interessieren

© SMB/BIerl

München am Mittag Schwarzes Gold in Hausham

Bis 1966 wurde in Hausham bei Miesbach Kohle abgebaut. Obwohl der Förderturm schon lange still steht, erinnern die Haushamer immer am 13. Juni an die Bergbautradition des Ortes.

13.06.2019

Pfarrer Michael Mannhardt: "Glockentöne sind Heimatklänge"
© AdobeStock/BestPhotoStudio

Sammler von Glockentönen Pfarrer mit ungewöhnlichem Hobby

Pfarrer Michael Mannhardt aus Agatharied hat ein schwergewichtiges Hobby: Wenn er seiner Sammler-Leidenschaft fröhnt, kann man es schon von Weitem hören.

03.07.2018

© Fotolia/Victoria Kondysenko

4. Dezember Bräuche und Legenden rund um die heilige Barbara

Am Barbaratag werden traditionell Kirschzweige in die Wohnung gestellt. Woher dieser Brauch kommt, erläutert Anneliese Kunz-Danhauser.

03.12.2017

© Sankt Michaelsbund/Burkhard

KathClip Fernsehen bildet doch!

Da soll noch einmal jemand behauptet, Fernsehen bilde nicht, oder mach sogar dumm. In der Pfarrkirche Sankt Antonius in Hausham wird seit letztem Sonntag der Gegenbeweis angetreten und zwar mit...

06.12.2015

© Kiderle

125 Jahre Schlierachtaler Stamm Weihbischof feiert mit Trachtlern in Hausham

Bereits seit 1890 gibt es den Schlierachtaler Stamm in Hausham. Der Verein hat sich den Erhalt der Volkstrachten auf die Fahnen geschrieben. Zum Jubiläum kam nicht nur Weihbischof Bischof, sondern...

10.08.2015

Fastenaktion in Hausham Enthüllende Blicke

„So kommt man mit den Menschen über den Glauben ins Gespräch“: Pfarrer Michael Mannhardt freut sich über die guten Reaktionen auf die Verhüllung von Kreuzen, aber auch über 20 anderen Gegenständen in...

09.04.2014

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren