Integration Kolping plant virtuellen Unterricht für Zugewanderte

03.09.2020

Den zweiten Lockdown vor Augen müssen auch die Bildungsträger umdenken. Beim bevorstehenden Kolping Integrationskurs hat man sich für dieses Szenario vorsorglich gerüstet.

© imago images/ITAR-TASS

München – Susanne Burkhart ist ehrgeizig. Die Mitarbeiterin der Projektstelle Migration und Flüchtlinge des Kolping-Bildungswerks will sich von Corona nicht unterkriegen lassen. Seit März setzt sie alles daran, dass Ende September der Integrationskurs der katholischen Bildungseinrichtung in München starten kann. Bei Kolping ist man fest entschlossen, dass es auch in der Bildungsarbeit mit Migranten nun endlich wieder aufwärts geht. Wenn da nicht die vielen Fragen wären, die Burkhart und ihr Team bei der Vorbereitung des Kurses beschäftigen. Das fängt bei den potentiellen Teilnehmern an. Die seien gar nicht so leicht zu finden, erklärt Burkhart. Der Lockdown im Frühjahr habe dafür gesorgt, dass viele Flüchtlinge und Zugewanderte nicht erreichbar gewesen seien. Die Kontakte müssten nun über verschiedene Kommunikationswege wieder mühsam aufgebaut werden.

Für die Kurs-Koordinatorin ist diese Suche eine Herzenssache. Sie weiß, dass der Integrationskurs bei vielen darüber entscheidet, wie ihre Zukunft in Deutschland aussieht. Hauptsächlich wird in den gut sieben Kursmonaten Deutsch unterrichtet. Am Ende wird ein Sprachtest geschrieben, mit dem man das vom Gesetzgeber festgelegte Sprachniveau B1 erreichen kann. Dieser Level entscheidet nicht nur über die beruflichen Chancen von Migranten, sondern auch über deren dauerhaftes Bleiberecht. Mit dem „Zertifikat Integrationskurs“, zu dem neben dem Sprach-Test auch eine Prüfung in Grundkenntnissen über die deutsche Gesellschaft gehört, kann man bereits nach sieben Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen, normalerweise sind es acht.

Digitales Lernen von Anfang an

Wie aber können Migranten dieses Zertifikat erwerben, wenn der Kurs wegen eines erneuten Lockdowns abgebrochen werden müsste? Soweit soll es gar nicht erst kommen. Burkhart hat ein Konzept entwickelt, mit dem der Integrationskurs zumindest eingeschränkt stattfinden kann, falls sich die Corona-Lage im Herbst weiter verschlechtern sollte. Geplant sei eine Mischform aus virtuellem Klassenraum und einigen Präsenzunterrichtsstunden, erklärt Burkhart. Einen Regelbetrieb, der tägliche Anwesenheit erfordert, werde es nicht geben. Das sei auch eine Herausforderung für die Kurslehrer. Die müssten nicht nur professionell Deutsch unterrichten können, sondern auch mit digitalen Lernformen vertraut sein. Deswegen sei es auch schwieriger als sonst, ausreichend Lehrkräfte zu finden.

Experiment mit Fragezeichen

Burkhart ist sich sicher, dass sich die Mühe lohnt. Denn mit einem funktionierenden Online-Unterricht könne im Fall eines zweiten Lockdowns wenigstens ein Teil des Kurses stattfinden. Ob das dann ausreicht, um Prüfungen durchzuführen, bleibt ungewiss. Noch nie war Bildungsarbeit experimenteller als in Coronazeiten, das weiß die Kolping-Bildungsexpertin nur zu gut.

Podcast-Tipp

Kolpingstunde Kolping gehört zu den großen katholischen Verbänden. In dieser Sendung sprechen wir über aktuelle Themen aus der Familien- und Bildungsarbeit. Und natürlich kommt auch das Engagement der Kolpingjugend nicht zu kurz. > zur Sendung

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de


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