Wimmers Woche Kommt eine Christin in einen Weltbildladen...

27.09.2013

Stellen Sie sich das mal vor: Während Sie diese Zeilen lesen, reist eine Christin aus dem dritten oder vierten Jahrhundert zu uns, ins Land der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Und stolpert schnurstracks hinein in eine Weltbild-Filiale.

So sieht der Blick in einen Laden aus (Bild: Weltbild)

Was würde diese Frau sehen? Klar, sie würde nicht wissen, dass soeben die Herbstversammlung der deutschen Bischöfe zu Ende ging. Dass dieses schmucke Geschäft nur Teil eines großen Medienkonzerns in den Händen der deutschen Bistümer ist. 

Aber setzen wir unser Experiment einen Moment fort: Was wäre, wenn da ein Buchhändler im Laden stünde, der mal Aramäisch, Griechisch und Hebräisch studierte, bevor er über einen mehrjährigen Ausflug ins Priesterseminar schliesslich bei Weltbild landete? Der ihr das alles erzählen könnte?

Er würde ihr von den Bauchschmerzen mit seinem Beruf erzählen. Warum? Weil die Firma der Kirche gehört! Genauer: den deutschen Bistümern. Weil deren Bischöfe, Berater und Finanzdirektoren jahrelang diesem Konzern nicht ins Programm redeten, und dieser zum kommerziellen Riesen wurde. Leider auch mit Schweinereien, Esoterik und häretischem Blödsinn im Sortiment. Wie dies aufflog und es darüber zum Skandal kam. Wie die Bischöfe sich da von Weltbild plötzlich trennen wollten, und kreisende Finanzkoyoten und Branchengeier schon einen schnell verramschten Konzern witterten. Bis man sich daran erinnerte, dass 6.800 Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen und genau die logistische Infrastruktur, welche die Kirche im Informationszeitalter eigentlich braucht, um wieder die Frohe Botschaft in eine entfremdete, dekadente und an ihrer eigenen Modernität leidende Gesellschaft zu bringen.

Unser fiktiver Buchhändler mag da eine sehr eigene Sicht auf die Dinge haben, die auch ich als Chefredakteur nicht unbedingt teile. Nicht nur, weil ich gerne unsere Zeitung auf den "E-Readern" von Weltbild verkauft sehen würde.

Aber: Was würde diese Schwester im Glauben sehen und sagen? Ich bin gespannt auf Ihre Antworten!

Anian Christoph Wimmer ist Chefredakteur der Münchner Kirchenzeitung und Leiter der Printredaktion beim Sankt Michaelsbund.

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