Mentoring-Programm Kompetenzen von Frauen in Kirche unverzichtbar

22.06.2017

Die Kirche will mehr weibliche Führungskräfte. Auch Kardinal Reinhard Marx. Dieser Meinung war er aber nicht immer.

Kardinal Reinhard Marx mit den 20 Tandems die das erste Mentoring-Programm abgeschlossen.
Kardinal Reinhard Marx mit den 20 Tandems, die das erste Mentoring-Programm abgeschlossen. © SMB/Sichla

München - Das erste Mentoring-Programm zur Steigerung des Anteils von Frauen in kirchlicher Führung hat am Donnerstag in München seinen Abschluss gefunden. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat die Frauen ermutigt, Führungspositionen in der katholischen Kirche anzustreben. Dabei räumte der Erzbischof ein, dass er selbst nicht immer so gedacht habe. Noch als Bischof von Trier etwa habe er eine Frau an der Spitze des Seelsorgeamtes einer Diözesanverwaltung für undenkbar gehalten. Inzwischen sei diese Position in 11 von 27 deutschen Bistümern mit einer Frau besetzt, "und alle sind zufrieden".

Weiheamt für Frauen steht nicht zur Diskussion

Kardinal Marx nahm auch auf Forschungen Bezug, die zeigen, dass Arbeitsgruppen, an denen Frauen und Männer teilnehmen, zu besseren Ergebnissen kämen. Es wäre daher nahezu verrückt, wenn die Kirche auf die Begabung von Frauen verzichten würde, sagte er. Dabei gebe es auf allen Ebenen – von der Pfarrei bis zum Vatikan – Nachholbedarf. Frauen müssten zu allen Aufgaben gleichberechtigten Zugang haben und auch gefördert werden, so Marx. Ausgenommen seien die Aufgaben, die an das Weiheamt geknüpft sind. In dem Zusammenhang gab Marx zu, dass das nicht gerade dabei helfe, die katholische Kirche als Vorreiter der Gleichberechtigung zu sehen.

Das Mentoring-Programm wird vom Hildegardis-Verein mit den Bistümern und der Bischofskonferenz durchgeführt. An den ersten beiden Zyklen haben 40 Frauen aus 14 Diözesen teilgenommen.

 Mentee Andrea Sinz mit ihrer Mentorin Dr. Sandra Krump: Die beiden wollen sich auch in Zukunft weiter austauschen.
Mentee Andrea Sinz mit ihrer Mentorin Dr. Sandra Krump: Die beiden wollen sich auch in Zukunft weiter austauschen. © SMB/Sichla

Ein Jahr lang haben sich 20 Frauen aus 14 Diözesen regelmäßig mit ihrem Mentor getroffen. Ziel war es, den Mentee in seinem Wunsch, eine Führungsposition in der katholischen Kirche zu erlangen, zu begleiten. Ordinariatsdirektorin Sandra Krump hat Andrea Sinz begleitet. Sie arbeitet ebenfalls im Erzbischöflichen Ordinariat in München und ist dort Referentin für Strategische Personalgewinnung. Für Sandra Krump war es ein sehr gewinnbringendes Jahr. Sie betonte, dass auch der Mentor von dem Programm „sehr viel habe“. So habe sie beispielsweise eine Perspektive aus einem anderen Bereich kennengelernt.

Programm schafft Veränderungen

Andrea Sinz findet es schade, dass das Jahr jetzt schon vorbei ist. Sie selbst führt gerade Gespräche, sodass die Chance besteht sich nach dem Jahr beruflich weiterzuentwickeln. Ein Drittel der Teilnehmerinnen hat bereits eine neue Führungsposition gefunden oder ist auf dem Sprung dahin. Krump sieht Erfolg nicht nur in der persönlichen Entwicklung der Mentees, sondern mit der Teilnahme an einem solchen Programm würde sich, ihrer Meinung nach, auch das Bewusstsein in einer Organisation verändern. So würden aus dem Erzbistum München und Freising bereits sechs Frauen teilnehmen. Wenn man diesbezüglich eine Kontinuität hineinbringen würde, hätte man einen sehr langfristigen Gewinn, so Krump. Im Sommer 2018 soll ein weiterer Durchgang des Mentoring-Programms starten. Ziel sei, möglichst alle Diözesen dafür zu gewinnen. (kas/kna)


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