Gesamtaufnahme des Orgelwerks Kompletter Bach aus Sankt Michael

25.09.2017

Peter Kofler, Organist an der Münchner Jesuitenkirche Sankt Michael, spielt dort alle 220 Orgelwerke von Bach ein. Eine Mammutaufgabe mit vielen Nachtschichten und neuartiger Technologie.

Jede Orgelnote von Bach kommt in den nächsten Jahren aus diesen Pfeifen in Sankt Michael.
Jede Orgelnote von Bach kommt in den nächsten Jahren aus diesen Pfeifen in Sankt Michael. © SMB/Schmid

München - In Sankt Michael in der Münchner Fußgängerzone brennt manchmal noch um Mitternacht die Leselampe an der Orgel. Dann probt Peter Kofler oder er spielt eine neue CD ein. Auf längere Zeit hin wird er nun öfter solche Nachtschichten einlegen müssen. Denn der Organist an der weltberühmten Jesuitenkirche spielt das komplette Orgelwerk von Johann Sebastian Bach ein. „Eine unglaubliche Musik, es macht einfach ungeheure Freude sie zu spielen“, sagt Kofler und deshalb stellt er sich dieser Mammutaufgabe. Die erste CD der Reihe ist jetzt im Handel und auch die dazugehörige Homepage freigeschaltet worden. Die Idee dieser Gesamtaufnahme ist einer Anregung des Musikjournalisten Matthias Keller zu verdanken. Nach einem Konzert war er von Koflers Bach-Interpretation begeistert und legte ihm nahe, sich alle 220 Orgelkompositionen vorzunehmen. Eine Aufgabe, die sich natürlich nicht so nebenbei erledigen lässt. Kofler spricht von einem „Lebenswerk“ und schätzt, dass es erst in zehn Jahren abgeschlossen sein wird. Es ist natürlich nicht die erste Gesamteinspielung, doch die meisten andren Interpreten haben dazu unterschiedliche Instrumente verwendet. Kofler wird alle Werke an seiner „Heim-Orgel“ in Sankt Michael einspielen. Es ist ein modernes Instrument und hat mehr und andere Klangfarben als die Orgeln aus der Bach-Zeit. Manche Musik-Experten lehnen das ab, weil so der Originalklang nicht erreicht werden kann. Aber das ist für Kofler kein Argument, denn der experimentierfreudige Bach „hätte sich vielleicht genau eine solche Orgel gewünscht, denn er war ja als Komponist seiner Zeit weit voraus“.

Neueste Aufnahmetechnik

Ihrer Zeit voraus ist auch die Aufnahmetechnik der neuen Gesamtaufnahme: Das sogenannte Auro 3D-Format kann einen Sound erzeugen, der dem in der Kirche vollkommen entspricht. Das ist etwa so wie der Sprung von den etwas pixeligen Videobildern aus den Achtzigern hin zur heutigen HD-Technik. Auro 3D kann auf herkömmlichen Tonträgern gar nicht wiedergegeben werden. Die Auflösung des Tonsignals ist vier Mal so hoch wie bei einer CD und kann wegen der Datenmenge nur übers Internet abgerufen werden. Eine Pionier-Leistung von Tonmeister Martin Fischer. Allerdings verlangt sie einen Klassik-Hörer, der eine ganze Batterie Lautsprecher im Wohnzimmer stehen hat: „Das ist für die audiophilen Freaks gedacht und das ist weltweit eine beachtliche Gemeinde.“ Fischer kann aus diesen Aufnahmen aber auch andere Formate erzeugen und so wird der Bach aus Sankt Michael als voraussichtlich 20teilige CD-Serie herauskommen. Und wenn sie bleibt auch auf dem konventionellen Tonträger ein Hörerlebnis. Denn der Tonmeister greift die Musik in zwölf Metern Höhe ab, wo ein menschliches Ohr niemals hinkommt. Dazu baut er im Mittelgang ein auch von der US-Army verwendetes Luftbildstativ auf. In einer Technik wie beim Flugdrachenbau hat er daran leichte Karbonstäbe befestigt, an denen zehn Mikrofone in verschiedenen Richtungen hängen und so den Raumklang einfangen.

Nicht nur ein musikalisches Ereignis

Schon im November wird er seine Ausrüstung wieder in der Münchner Jesuitenkirche für die nächste Einspielung aufbauen. Natürlich geht das nicht, wenn die Kirche fürs Publikum offen ist. In mehreren Nachtschichten zwischen 20.00 und 2.00 Uhr arbeiten Peter Kofler und sein Tonmeister dann am perfekten Klang. Noch vor 60 Jahren hätte ein Musiker in einer katholischen Kirche wahrscheinlich gar keine Bach-Aufnahme machen können. Das Genie aus Leipzig galt als der protestantische Komponist schlechthin, den man nicht in einem katholischen Gotteshaus hören sollte. „Dabei ist Bach unabhängig von jedem Glauben inspirierend und regt Menschen zum Nachdenken an“, sagt Peter Kofler und ist froh, dass er im 21. Jahrhundert Musik macht. Wenn er nun das komplette Orgelwerk des Komponisten in der Münchner Michaelskirche einspielt, die bis heute als „Festung“ der sogenannten Gegenreformation gilt, ist das nicht nur ein musikalisches sondern auch ein ökumenisches Ereignis.

Wissenswert

Die erste CD der Bach-Gesamteinspielung von Peter Kofler ist an der Pforte von Sankt Michael und auch nach jedem Sonntagshochamt erhältlich. Sie kostet 15 Euro.

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Audio

Zum Nachhören: Beitrag des Münchner Kirchenradios

Eine Mammutaufgabe: Alle 220 Orgelwerke von Bach spielt Peter Kofler ein.


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