Gebetswoche für Einheit der Christen "Konfessions-Grenzen verlieren an Macht"

24.01.2018

Zum Auftakt der Gebetswoche für die Einheit der Christen predigte der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm im katholischen Liebfrauendom. Zudem stand eine christliche Münchner Gemeinde mit afrikanischen Wurzeln im Blickpunkt.

Einzug mit dem Chor der St. Uriel-Gemeinde
Einzug mit dem Chor der St. Uriel-Gemeinde © Kiderle

München – In München haben Christen aller Konfessionen einen stimmungsvollen Auftakt zur Gebetswoche für die Einheit der Christen gefeiert. Den ökumenischen Gottesdienst im Liebfrauendom zelebrierte "Gastgeber" Kardinal Reinhard Marx mit dem evangelischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, dem rumänisch-orthodoxen Bischof Sofian von Kronstadt und dem eritreisch-orthodoxen Priester Vater Petros Beraki.

"Die Gebetswoche ist nicht nur liebgewordene Tradition, sondern ein immerneuer Auftrag, eine Sendung", betonte Kardinal Marx gegenüber mk online. Sie sei ein Anlass, bei dem sich nicht nur Katholiken und Protestanten "verbinden", sondern auch Gelegenheit, auf die anderen, kleineren christlichen Konfessionen zu blicken, "die gerade jetzt in der Flüchtlingssituation an Bedeutung gewinnen".

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Sie zelebrierten den Gottesdienst (im Hintergrund von links): Vater Petros Beraki, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Kardinal Reinhard Marx und Bischof Sofian von Kronstadt.
Sie zelebrierten den Gottesdienst (im Hintergrund von links): Vater Petros Beraki, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Kardinal Reinhard Marx und Bischof Sofian von Kronstadt. © Kiderle

Eritreische Christen in München

Die Münchner Christen richten ihren Blick während der Gebetswoche in diesem Jahr deshalb besonders auf die eritreisch-orthodoxe Gemeinde, in der viele Flüchtlinge aus dem afrikanischen Staat eine neue geistliche Heimat gefunden haben. "Ökumene ist ja Einheit und die gibt immer Kraft", sagte Frewoin Tesfaledet von der eritreisch-orthodoxen St. Uriel-Gemeinde in München. Gemeinsam mit weiteren Frauen aus der Gemeinde hatte sie Brote gebacken, die im Gottesdienst gesegnet und anschließend an den Ausgängen an die Besucher verteilt wurden. Die Sängerinnen und Sänger des St. Uriel-Chors gaben mit ihren schwungvollen Klängen einen interessanten Einblick in die Gottesdienste der Gemeinde, die oft über mehrere Stunden gehen, und die sie in den Räumen der katholischen Pfarrei St. Gertrud feiert. Für die Unterstützung sei man der Pfarrei und dem Erzbistum sehr dankbar, erklärte Tesfaledet.

Vater Petros Beraki (rechts) liest das Evangelium.
Vater Petros Beraki (rechts) liest das Evangelium. © Kiderle

Gebete wurden erhört

In seiner Predigt im Liebfrauendom ging Landesbischof Bedford-Strohm auf die einheitsstiftende Kraft des Gebets ein. Diese habe er im vergangenen Gedenkjahr zur Reformation besonders deutlich erfahren, so der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Das Gebet vieler Menschen sei erhört worden, denn in vielen Gottesdiensten hätten sich in den vergangenen Monaten Christen aus ganz verschiedenen Konfessionen um den einen Christus versammelt. Sie alle hätten gespürt, „dass die Kraft, die von Christus ausgeht, stärker ist als das, was zwischen uns steht“. Es gebe zwar noch Grenzen zwischen den Konfessionen, so Bedford-Strohm. Doch es sei zu spüren, dass „die Grenzen ihre Macht immer mehr verlieren“.

Frauen aus der St. Uriel-Gemeinde bringen die selbstgebackenen Brote zum Altar.
Frauen aus der St. Uriel-Gemeinde bringen die selbstgebackenen Brote zum Altar. © Kiderle

Sich-Öffnen im Gebet

"Beim Beten hören wir, erneuern wir uns, spüren wir die Kraft Gottes", so der Landesbischof. Wenn wir beten, tritt die rechte Lehre in den Hintergrund, ohne bedeutungslos zu werden. Denn „wenn die rechte Lehre beim Gebet im Vordergrund stünde, würden wir ja im Gespräch mit Gott nicht auf ihn und seine Stimme hören, sondern Gott selbst zu belehren versuchen“. Echtes Gebet sei ein Sich-Öffnen für die Stimme Gottes und „das Gegenteil eines konfessionellen Kampfbetens“, das nur die eigenen Überzeugungen zu bestätigen suche.

Wenn die Kirche einer Einheit in versöhnter Verschiedenheit näherkomme, könne sie „zu einer heilenden Gemeinschaft der Liebe werden“ und damit zum „Sakrament für eine Welt werden, die Sich so sehr nach Heilung sehnt“, so Bedford-Strohm.

Die weltweite Gebetswoche für die Einheit der Christen findet vom 18. bis 25. Januar statt. Christen aller Konfessionen begehen sie mit Gottesdiensten und Begegnungen. Gefeiert wird sie seit 1908. Der Päpstliche Rat zur Förderung der Einheit der Christen und der Ökumenische Rat der Kirchen verantworten sie gemeinsam, wobei in jedem Jahr eine ökumenische Gruppe aus einem anderen Land die Vorbereitung übernimmt. 2018 zeichnete eine ökumenische Gemeinschaft aus der Karibik dafür verantwortlich. In Deutschland wird die Gebetswoche getragen von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK).

Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
k.schlaug@st-michaelsbund.de


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