Auftritte trotz Corona Konstantin Wecker spielt im Gottesdienst

26.11.2020

Sankt Maximilian in München will vor der Coronapandemie nicht einfach kapitulieren. In den kommenden Wochen lässt die Pfarrei in 35 Gottesdiensten und Andachten Profimusiker auftreten und zahlt sogar Gagen.

Konstantin Wecker vor dem Tabernakel von Sankt Maximilian.
Konstantin Wecker vor dem Tabernakel von Sankt Maximilian. © SMB/Lemli

München – So dicht vorm Herrn hat Konstantin Wecker noch nie gesungen und in die Tasten gegriffen. Der Liedermacher ist einer der vielen Künstler, die in der Advents- und Weihnachtszeit 35 Gottesdienste in Sankt Maximilian begleiten. Ihre Bühne haben sie direkt neben dem goldenen Tabernakel, ein paar Meter hinter dem Altar. „Das ist eine großartige Idee von den Kirchenleuten“, sagt Wecker und steht ehrfürchtig im Chorraum. „Mit dieser tollen Aktion wird eine Ungerechtigkeit ausgeglichen.“

Wie viele Künstler beklagt auch der Liedermacher, dass die Menschen zu Gottesdiensten kommen dürfen, aber nicht ins Theater oder in Konzerte. Gerade freischaffende Künstler haben aufgrund der Corona-Pandemie seit März kaum noch Engagements und geraten in wirtschaftliche Not. Dieser Gedanke hat auch Stephan Alof umgetrieben. Der Kirchenpfleger von Sankt Maximilian hat zusammen mit anderen freiwilligen Helfern gerade für die Weihnachtsdekoration gesorgt. 75 Tannen aus Forsten der Erzdiözese hat er in die Kirche geschafft und mehrere große Krippen aufgestellt. Eine ältere Dame aus der Pfarrei hat sogar Gesichtsmasken für Josef, Maria und das Jesuskind genäht. In dieser Kulisse sollen die Gottesdienste in den kommenden Wochen gefeiert werden. Immer mit dabei sind Musiker, fast alle Profis. Sie spielen Jazz, Klassik, Stubenmusik oder blasen ins Alphorn - und das nicht nur für Gotteslohn.

Gage statt Almosen

Alof hat vorgeschlagen, ihnen in der Weihnachtszeit Auftrittsmöglichkeiten in Sankt Max zu verschaffen: „Sie geben dort natürlich keine Konzerte, sondern begleiten die Liturgie.“ Wochenlang hat der Kirchenpfleger Sponsoren gesucht und gefunden, die den Künstlern auch eine Gage bezahlen können. 700 Euro erhält jeder Künstler für seinen Auftritt. „Wenn die Gottesdienstbesucher auch noch stark spenden, dann können wir das Honorar vielleicht sogar aufstocken oder das Programm über den 6. Januar hinaus verlängern.“ So lange sollen zunächst alle Messen in Sankt Maximilian einen besonderen Klang haben. 200 Menschen dürfen zurzeit in die Kirche hinein. „Das ist unser Vorteil, dass wir so einen riesigen Brummer haben“, erklärt Pfarrer Schießler und deutet in das Kirchenschiff, das zu den größten in München zählt. Bei seinen Predigten in den „Kulturgottesdiensten“, wie die Macher sie nennen, will er auch die Predigt zusammen mit den Künstlern gestalten: „Je mehr die spielen, desto weniger muss ich sagen.“

Musikhaus leiht Flügel aus

Ein Musikhaus leiht der Pfarrei in den kommenden Wochen extra einen Flügel und lässt ihn regelmäßig stimmen. Damit er nicht unter den kalten Temperaturen in der Kirche leidet, schlagen Stephan Alof und seine Helfer das Instrument nach jeder Messe in Decken ein. Sie sorgen auch dafür, dass die Besucherzahl bei jedem Gottesdienst streng eingehalten wird. „Wir haben in einem Eimer 200 Anstecker für die Gäste, wenn der Eimer leer ist, darf niemand mehr herein und da müssen wir knallhart sein.“ Auch am Heiligen Abend, wenn von mittags bis vor Mitternacht stündlich ein Gottesdienst oder eine Andacht mit Musik gefeiert wird. Allein am Nachmittag drei für Kinder: „Wir lassen nichts ausfallen, sondern haben uns etwas einfallen lassen und wollen möglichst vielen Menschen zu Weihnachten auch Besinnung ermöglichen“, sagt Alof. Und bekommt dafür ein großes Lob von der Kunstpastoral des Erzbistums München und Freising. Deren Leiter Ulrich Schäfert unterstützt die Kulturgottesdienste auch deshalb, „weil wir hautnah mitbekommen, wie gerade freischaffende Musiker unter Corona leiden“. Da sei es ein „Glücksfall, dass eine Pfarrei etwas in diesen Dimensionen aufzieht.“ Und er ermutigt zur Nachahmung, „wenigstens im Kleinen“.  

Die Kulturgottesdienste beginnen am 28.11.2020 um 18 Uhr mit Motetten zum Advent. Highlight soll der Gottesdienst mit Konstantin Wecker am 06. Dezember um 17:30 Uhr sein. Weckers Mitmusiker Johannes Barnikel (Klavier) und Fany Kammerlander (Cello) setzen am 06.01.2021 den Schlusspunkt mit einem gemeinsamen Konzert. Alle weiteren Informationen zu den Kulturgottesdiensten finden Sie unter: https://www.st-maximilian.de/downloads/programmheft-weihnacht2020.pdf

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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