Erzbistum feiert seinen Gründer Korbinian für den Kontinent

25.11.2019

Jeden November schaut das Erzbistum vom Freisinger Domberg über die Alpen und über den Rhein. Mit dem heiligen Korbinian feiert es nicht nur den ersten Bischof, sondern auch einen bedeutenden Europäer.

Vorbild für heutige Generationen: der Schrein des heiligen Korbinian in Freising, der ein großer Europäer war. © Kiderle/SMB

Globalisierte Biografien gelten ja als neue Erscheinung: Spanische Krankenschwestern oder polnische Fliesenleger, die nach Deutschland kommen; bayerische Studenten, die Auslandssemester in Budapest oder Dublin absolvieren, schwäbische Maschinenbauer, die in China aktiv werden. Dabei gibt es solche bewegten Lebensläufe besonders in der katholischen Kirche schon lange: Das Erzbistum München und Freising hat am vergangenen Wochenende an einen solchen gedacht: An der Bistumsgründer Korbinian. Er war sein Leben ständig auf Achse. Reisestress gehörte für ihn zum Alltag: zwischen Paris, Rom und Freising. Ganz selbstverständlich ließ dieser Bischof und Missionar Grenzen hinter sich, staatliche und kulturelle. Und das von ihm gegründete Bistum hatte später Besitzungen im heutigen Slowenien, Südtirol oder in Österreich. Es waren materielle und geistliche Beziehungen, die mit der der Gründung der Nationalstaaten im 19. Jahrhundert abbrachen. Ein kluger Kopf wie der Wiener Schriftsteller Franz Grillparzer hat damals das prophetische Wort geprägt: Von der Humanität über die Nationalität zur Bestialität.

Wiederentdeckung Korbinians nach dem Nationalismus

Und es ist kein Zufall, dass der Heilige Korbinian in seiner europäischen Bedeutung nach dem Zweiten Weltkrieg neu entdeckt wurde. Beim Korbiniansfest sind heute selbstverständlich Gastdelegationen aus den verschiedenen europäischen Ländern dabei, die in Verbindung mit dem Heiligen stehen. Der Blick vom Freisinger Domberg geht dann weit über die Alpen und den Rhein hinaus. Das ist heute mehr denn je ein gutes und ein wichtiges Signal. In einer Zeit, in der immer mehr Menschen sich nach den scheinbar idyllischen, überschaubaren und starken Nationalstaaten zurücksehnen. Und dabei übersehen, in welchen furchtbaren Zustand, in welche Bestialität der übersteigerte Nationalstaatsgedanke Europa von 1914 bis 1945 gestürzt hat. Da lohnt sich der Blick auf den heiligen Korbinian, der wie geschaffen wäre als ein weiterer Patron für Europa. Als jemand, der tatsächlich den Kontinent durch seinen missionarischen Einsatz verbunden hat. Im Übrigen fehlt unter den sechs momentanen Patronen Europas noch ein Franzose. Korbinian wäre also die ideale Wahl. Aber war er überhaupt Franzose und nicht doch Bayer oder vielleicht doch Italiener? Nun, er gehört als idealer Europäer eben vielen Nationen. Und vielleicht könnte Kardinal Reinhard Marx tatsächlich einmal in Rom anregen, Korbinian für den ganzen Kontinent zu entdecken und neu zu würdigen. Das 1300jährige Bistumsjubiläum 2024 wäre dafür doch ein guter Anlass und das Korbiniansfest ließe sich dann noch viel größer feiern.

Audio

Zum Nachhören

Kommentar im Münchner Kirchenradio

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


Das könnte Sie auch interessieren

© SMB/Strauss

München am Mittag Unterstützung für Frühstarter

Silke Mader ist zu Gast im Studio. Sie ist Vorstandsvorsitzende einer Stiftung, die sich weltweit für Frühgeborene und ihre Eltern einsetzt.

25.11.2019

Hunderte Gläubige feiern den Heiligen Korbinian im Freisinger Dom.
© Kiderle

Korbiniansfest 2019 Der Heilige Korbinian: ein echter Europäer

Zusammen mit Deligierten aus ganz Europa wurde das Korbiniansfest als Abschluss der Korbinianswoche in Freising gefeiert. Der europäische Geist war spürbar.

24.11.2019

Gottesdienst im Freisinger Dom mit Kardinal Reinhard Marx.
© Kiderle

Wallfahrt auf Freisinger Domberg Aufgeweckt, gläubig, kritisch – Jugendliche feiern Jugendkorbinian

„Wachgeküsst“ war das Motto der diesjährigen Wallfahrt Jugendkorbinian. Die Jugendlichen haben gezeigt, worauf es ihnen ankommt.

18.11.2019

© Kiderle

Europa-Talk in der Holledau Manchmal hitzig, aber immer gesittet

Die Grundorientierung eines Kontinents will das Bayerische Bündnis für Toleranz mit ihrem Europa-Talk direkt zu den Bürgern bringen.

24.07.2019

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg
© kna

ZdK-Präsident Sternberg Christliche Werte entscheidend für Europa

Angesichts von "großen Belastungsproben" in Europa wirbt der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, für eine Besinnung auf christliche Werte.

22.05.2019

Die Europawahl findet am 26. Mai 2019 statt.
© bluedesign - stock.adobe.com

Europawahl 2019 Kirchen gegen Hetze und Abschottung

Die evangelische und katholische Kirche rufen zur Beteiligung an der Europawahl auf. Allein ein geeintes Europa biete Antworten auf die großen Herausforderungen der Gegenwart.

06.05.2019

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren