Glaube im Alltag Kosmos mit oder ohne Gott?

25.08.2017

Der Astrophysiker Stephen Hawking ist der Ansicht, dass es zur Entstehung des Kosmos keines Gottes bedarf. Der Apostel Paulus sieht das anders.

„Aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung. Ihm sei Ehre in Ewigkeit!“ (Röm 11,36) © Fotolia/Sondem

Vielleicht sagt nicht allen Lesern der Name Stephen Hawking etwas? Er ist einer der großen naturwissenschaftlichen Theoretiker für das Gebiet der Physik und speziell der Astrophysik. Ich bin fasziniert, was ein Mensch, der seit langem im Rollstuhl sitzt, nicht mehr sprechen kann, sondern nur mehr über Computer mit den Menschen kommuniziert, alles herausfindet über die Entstehung der Welt.

Noch vor Jahren hatte Hawking von einer „ultimativen Theorie“ hinter der Schöpfung geschrieben. Ich habe das damals so verstanden, dass er sich als Ausgangspunkt der Schöpfung das Wirken Gottes vorstellen kann. Das hat mich gefreut, denn ich empfinde es als Bestätigung meines Glaubens, wenn so klar denkende Naturwissenschaftler wie Heisenberg, Planck oder Hawking ihre naturwissen- schaftlich ausgelotete Welt und einen Schöpfer nicht als Widerspruch verstehen.

Heute ist Hawking eher der Ansicht, dass es zur Entstehung des Kosmos keines Gottes bedarf. Ich fände es ungeheuer spannend, wenn ich diesen Astrophysiker persönlich befragen könnte, was diese Aussage für ihn bedeutet und warum er seine frühere Meinung revidiert hat. Ich vermute und hoffe, dass er damit eigentlich die Begrenzung seiner physikalischen Erkenntnisse und Theorien, also seines Faches, zum Ausdruck bringen will. Denn als Physiker kann er grundsätzlich nicht bis zum sogenannten Beginn des Kosmos, dem Urknall, kommen: Die kleinste Zeiteinheit, die ein Physiker noch ausloten kann, ist zwar sehr, sehr klein, aber doch so groß, dass sich da schon (vorher) unermesslich viel in der Entwicklung des Kosmos getan hat. Und wie sollte dann ein seiner naturwissenschaftlichen Forschung verpflichteter Astrophysiker etwas über ein „Davor“ sagen können, wenn er dieses „Davor“ grundsätzlich wissenschaftlich nicht ausloten kann? Ich bewundere, dass Hawking so präzise die Begrenztheit seiner Naturwissenschaft gegenüber der Frage des Beginns der „Schöpfung“ kennt und angibt.

Pater Jörg Dantscher ist stellvertretender Missionsprokurator der Jesuiten in Nürnberg © privat

Ganz anders denkt Paulus in seinem Brief an die Römer, wenn er über die Herkunft der Schöpfung schreibt: „Aus ihm (Gott) und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung. Ihm sei Ehre in Ewigkeit!“ (Röm 11,36).

Ich verneige mich vor der Bescheidenheit des faszinierenden Astrophysikers Stephen Hawking, aber ich verneige mich auch vor Paulus mit seiner Schöpfungsvision, dass alles von Gott und auf ihn hin geschaffen ist. Und mein Gebet zwischen Hawking und Paulus: Herr, mache mich bescheiden – aber beflügle dennoch meine Hoffnung, dich als Grund des ganzen Kosmos zu erspüren. (Jörg Dantscher SJ)


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