Thomas Morus ist Schutzpatron der Politiker Kostenlose Rückgrattherapie für Mandatsträger

13.09.2013

Jeder Beruf hat so seine himmlischen Beziehungen: einen Schutzheiligen oder Patron. Für die Postboten ist das der Erzengel Gabriel, der Maria die Botschaft brachte, den Kinobetreibern steht Johannes der Täufer bei, um sie vor unzüchtigen Filmen zu schützen und die Zollbeamten haben den Evangelisten Matthäus zum Fürsprecher, der selbst einmal diesen Beruf ausgeübt hat.

Bild: mihi - Fotolia.com

Für das altehrwürdige Gewerbe des Politikers sollte es da wohl seit jeher einen Schutzpatron geben, dieser Berufsstand hat ihn vielleicht sogar besonders nötig. Aber erst seit der Jahrtausendwende erfreuen sich Mandatsträger und Minister offiziell eines himmlischen Fürsprechers. Damals hat Papst Johannes Paul II. endlich einen Patron für sie gefunden, den heiligen Thomas More, lateinisch Thomas Morus.

Vielleicht erinnern sich seine Schutzbefohlenen gar nicht so gerne an ihn: Er hat als Spitzenpolitiker unter dem englischen König Heinrich VIII. seinen Kopf eingebüßt. So weit muss es ja nicht bei jedem kommen. Aber wenn an den beiden kommenden Sonntagen in Bayern und im Bund gewählt wird, dann lohnt sich vielleicht für alle, die ins Maximilianeum oder in den Bundestag einziehen wollen, ein Blick auf ihn. Denn er könnte vor einer weit verbreiteten Politikerkrankheit schützen: der Rückgratverkrümmung oder sogar dem totalen Rückgratverlust. Der heilige Thomas Morus war nämlich prinzipienfest und verweigerte konsequent den Eid auf ein Willkürgesetz des Königs, mit dem er seine Nachfolge- Interessen regeln wollte. Dabei war Morus nicht stur oder ein Querulant, aber seinem Gewissen, das ja auch Politiker haben, wollte er treu bleiben.

Das ist für einen Abgeordneten in Deutschland heutzutage sicher leichter als im England des 16. Jahrhunderts und bestimmt nicht mehr lebensbedrohlich. Und mit einem solchen Heiligen im Rücken sollte es einem allemal leichter fallen, nicht vor Fraktions- und angeblichen Sachzwängen oder dem Druck der Wirtschafts- und Gesellschaftslobbys einzuknicken. Das bleibt allen Frauen und Männern zu wünschen, die sich am 15. und am 22. September um ein Mandat bewerben. Dafür lohnt es sich, immer wieder eine Kerze anzuzünden und den Heiligen um seine Fürsprache zu bitten.

In München und in Berlin kann man das übrigens an besonders geeigneten Orten tun: hier wie dort gibt es eine Thomas-Morus-Kirche, die nur ein paar S-Bahn-Stationen von den Parlamenten entfernt ist. Ruhige, etwas abgelegene Gotteshäuser, in denen ein Politiker vor wichtigen Abstimmungen in sich gehen und von seinem Schutzpatron inspirieren lassen kann. (Alois Bierl, Leiter Radioredaktion Sankt Michaelsbund)


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