Heiligenverehrung Brauchtum am Johannitag

24.06.2020

Feuer, Glühwürmchen und Wetter - all das hat mit dem Gedanktag von Johannes dem Täufer am 24. Juni zu tun. Auch das Datum ist ein besonderes.

Glasfenster Taufe Jesus
Johannes der Täufer soll Jesus im Jordan getauft haben. © stock.adobe.com

München – Seit dem 5. Jahrhundert wird der 24. Juni als Geburtsfest Johannes des Täufers gefeiert. Bereits Germanen, Kelten und Slawen feierten um diesen Tag herum die Sommersonnwende. Es war eines ihrer größten Feste im Jahreslauf und als „Reinigungsfest“ mit vielen Bräuchen rund um die Elemente Wasser und Feuer verbunden. Einige wurden für das spätere Johannifest übernommen. So sind Johannifeuer in vielen Gegenden Bayerns, zum Beispiel im gesamten Voralpenland, üblich und beliebt. Der Sprung über dieses Feuer soll eine reinigende Wirkung haben und vor Krankheit schützen – die meisten Feuer fallen allerdings mittlerweile so groß aus, dass vernünftige Menschen keinen solchen Sprung wagen.

Der Heilige hinter dem Tag

Johannes der Täufer, dem dieses Hochfest gilt, soll Jesus im Jordan getauft haben. Dieser Gedenktag ist der einzige, der auf dem angenommenen Geburtstag eines Heiligen liegt. Normalerweise - sieht man von Jesus und Maria ab - wird im katholischen Christentum des Todes eines Heiligen gedacht. Dass sein Geburtstag am 24. Juni sein soll, hat man dem Lukasevangelium entnommen. Es ist kein Zufall, dass dieser Tag exakt ein halbes Jahr nach Christi Geburt liegt. Die Bibel erzählt, dass sich die Mütter von Johannes und Jesu einmal trafen. Da war Elisabeth, die Mutter von Johannes, im sechsten Monat schwanger, Maria hatte gerade von ihrer Schwangerschaft erfahren. Also war Johannes ein halbes Jahr älter als Jesus.

Brauchtum, Pflanzen und Tiere rund um Johanni

Viele Bräuche sind mit dem Johannitag verbunden und einige Kräuter und Pflanzen stehen mit diesem Heiligen in sprachlicher Verbindung. Dies sind zum Beispiel die Johannisbeere und das in der Naturheilkunde sehr wichtige Johanniskraut. Auch der im Süden Europas wachsende Johannisbrotbaum und das Johannishändchen, eine Orchideen-Wurzelknolle sind nach dem Heiligen benannt.

Auch Glühwürmchen, oder Glühkäfer, werden Johanniswürmchen oder Johanniskäfer genannt, weil sie um den 24. Juni erstmals zu sehen sind und dann bis in warme Augustnächte umherschwirren.

Bekannt war der Brauch junger Mädchen am Johannistag neun verschiedene Blumen bzw. Kräuter zu pflücken und daraus den Johanniskranz zu flechten. Das musste in manchen Gegenden in einer bestimmten Zeit geschehen, da sonst Ehelosigkeit drohte. Die Johanniskränze wurden auch vor das Haus gehängt, um vor bösen Geistern und Dämonen zu beschützen.

Johanni – ein „Lostag

Der Johannistag am 24. Juni gilt in der Landwirtschaft, ebenso wie der Siebenschläfer oder die Eisheiligen, als ein sogenannter „Lostag“. Das Wetter an diesen Tagen gibt traditionell Aufschluss über den Witterungsverlauf für die kommende Erntezeit. Aus solchen mehr oder minder zuverlässigen Vorhersagen entwickelten sich zahlreiche Bauernregeln. Kalendarisch folgt der Johannistag dicht auf die Sommersonnwende, die am 21. Juni stattfindet. Er markiert das Ende der Schafskälte und läutet die Erntezeit ein.

Bauernregeln rund um Johanni

„Wenn bis Johanni kein Regen fällt, ist's um den Rebstock gut bestellt.“

„Regnets am Johannitag, regnet es noch viele Tag.“

„Bringt Johanni Sommerhitze, ist es Korn und Runkeln nütze.“

In der naturnahen Landwirtschaft gilt der Johannistag als spätester Termin für die Heuernte. Die Asche der Johannifeuer wird auf den Feldern verstreut und soll Segen bringen. Auch in der Heilkunde spielt der Johannistag eine wichtige Rolle: An ihm wurden von den „Johannisweiblein“, das waren Kräuterfrauen, die Heilpflanzen und Kräuter für die Hausapotheke gesammelt.

Für Spargelliebhaber ist der Johannitag ein eher trauriges Datum. Denn an Johanni wird traditionell der letzte Spargel gestochen. Auch Rhabarber soll, wegen der dann sehr hohen Oxalsäure nicht nach dem Johannitag geerntet und verzehrt werden. Und auch der erste Heckenschnitt sollte, so Gartenexperten, um den Johannistag erfolgen, denn nun ist der erste Austrieb von Sträuchern und Büschen abgeschlossen.

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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