St. Oswald in Traunstein Primizkirche von Benedikt XVI. erstrahlt nach Renovierung

11.12.2020

Nach gut zwei Jahren ist die Innenrenovierung von St. Oswald abgeschlossen. Das Ergebnis beeindruckt nicht nur Gemeindemitglieder der Innenstadtpfarrei.

© SMB/Witte

Traunstein – Stadtpfarrer Georg Lindl strahlt: „Die „Räucherkammer“ ist wieder hell und leuchtend geworden, der Verschmutzungsgrad war doch enorm!“ Stuck und Wände erstrahlen wieder in strahlendem Weiß und die Deckenfresken, zuletzt so dunkel, dass man sie kaum noch erkennen konnte, sind in kräftigen Farben renoviert. Ein programmierbares Lichtkonzept mit sieben Szenen macht jetzt eine Beleuchtung des Kirchenraumes je nach Anlass möglich.

Altes erneuert, mit dem Neuen in das nächste Jahrhundert

Komplett neu sind die Orte zur Feier der Liturgie: Volksaltar, Ambo, Priesterstuhl und Taufbecken hat der Bildhauer Nikolaus Gerhart aus weißem Kalkstein herausgearbeitet. Auffallend: der Taufstein, sonst in einer Seitenkapelle oder vorne in Richtung Altar positioniert, erwartet den Besucher nahe des Haupteingangs. Pfarrer Lindl weist darauf hin, dass damit Liturgie im Alltag besser funktioniere: so könne man eine größere Gruppe, hier die Taufgesellschaft, um den Taufstein versammeln. Außerdem ist dem Pfarrer der symbolische Gehalt wichtig: der Besucher wird im Mittelgang durch den Stein an die eigene Taufe erinnert und wie ein Zeiger weist der Taufstein über den Osterleuchter zum Altar, wo sich die Gemeinde versammelt. Der Taufstein ist also Dreh- und Angelpunkt des christlichen Lebens.

Jede Kirchenrenovierung sei schwierig, sagt Diözesanbaumeister Hanns-Martin Römisch. Um eine runde Sache hinzubekommen, müsse man in „unsere Zeit weiterbauen“. Will heißen: die Renovierung von Deckengemälden, die Sanierung maroder Gebäudeteile und die Reinigung seit Jahrhunderten existierender Kunstwerke ist nicht genug. Der Leiter der Hauptabteilung Kunst im Erzbischöflichen Ordinariat, Norbert Jocher, gibt ihm recht. In früheren Jahrhunderten sei es selbstverständlich gewesen, dass man etwas Neues gebaut habe, das in die Entwicklung der Zeit passte. Dabei sei auch schon mal ein Bau abgerissen worden. Heutzutage sei man da viel zögerlicher und vorsichtiger. In St. Oswald, so Jocher, habe man sich entschieden, die Schönheit des Alters wieder sichtbar zu machen, aber gleichzeitig Neues zu wagen.

Miteinander statt Nebeneinander

Das Ergebnis, finden auch viele Traunsteiner, kann sich sehen lassen: obwohl der Volksaltar mit seinen 4,3 Tonnen brandneu und vergleichsweise wuchtig daherkommt, nimmt man ihn bei Betreten des Gotteshauses zuerst nicht als neu wahr. Ebenso fügen sich der Ambo, der Sedes, der Osterleuchter und der Taufstein sehr homogen in das Bild ein.

Das Chorgestühl wurde durch das Architekturbüro Krug-Grossmann, das die gesamte Umgestaltung leitete, neu konzipiert. Neben den renovierten Seitenaltären ist ein Raum für die persönliche Andacht mit Marienfigur und Opferkerzenständer geschaffen worden. Auch ein Ort, an dem im Kirchenjahr wechselnde Bildwerke präsentiert werden, eine Stätte des Totengedenkens, Beichtorte und ein Platz für die Krippe in der nördlichen Turmstube wurden neu angelegt.

Erinnerungsort an Benedikt XVI. entsteht

Vorzeigeobjekt ist die frisch renovierte Stadtpfarrkirche aber nicht nur wegen des neuen „Gesichts“ - sondern natürlich auch, weil hier der Papst emeritus Benedikt XVI. zusammen mit seinem Bruder Georg Ratzinger im Juli 1951 Primiz, den ersten Gottesdienst eines Neupriesters, feierte. Nicht nur die Büste vor dem Haupteingang erinnert an den „bayerischen Papst“, der Traunstein als seine Vaterstadt bezeichnet hat. In der Turmstube entsteht gerade ein Erinnerungsort an Benedikt XVI. „Wir wollen keinen Personenkult betreiben“, sagt Pfarrer Lindl, aber der emeritierte Papst hänge an der Kirche und habe eine Botschaft, die sich niederschlagen solle. So sind zukünftig unter anderem das päpstliche Brustkreuz und eine Messingplatte mit den Daten des Pontifex zu sehen. Über dem Portal ist auch die Inschrift angebracht, mit der Josef Ratzinger seinen priesterlichen - und, so Pfarrer Lindl, auch päpstlichen - Dienst definiert: „Nicht Herren Eures Glaubens, sondern Diener Eurer Freude!“ Diese Botschaft wolle man den Kirchenbesuchern auch mitgeben, ihnen damit sagen: „Sie betreten eine Kirche, in der der emeritierte Papst Benedikt XVI. im Glauben geformt worden ist.“

In ihrer Gesamtheit, da sind sich Stadtpfarrer, Diözesanbaumeister und Kunstreferent einig, kann die Renovierung von St. Oswald eine Signalwirkung für andere Kirchensanierungen haben: wie man die Schönheit des Alten und die Kraft des Neuen verbindet.

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de


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