Pilotprojekt der Kirche in München Krankenwohnung für Obdachlose

15.09.2021

Ein sicherer Ort soll sie sein, an dem sich wohnungslose Menschen von einer Erkrankung erholen können. Die erste Krankenwohnung für Obdachlose in München wird dabei von der Erzdiözese München und Freising finanziert.

Kardinal Marx (rechts) spricht nach der Segnung mit einem derzeitigen Bewohner der Krankenwohnung.
Kardinal Marx (rechts) spricht nach der Segnung mit einem derzeitigen Bewohner der Krankenwohnung. © Kiderle

München - "Es ist eine Innovation, etwas neues und eine Lücke, die gefüllt wird", betont Kardinal Reinhard Marx. Im Stadtteil Sendling segnete der Münchner Erzbischof eine Krankenwohnung für Obdachlose. Es ist die erste dieser Art in der bayerischen Landeshauptstadt und damit ein Pilotprojekt, wie bei der Pressekonferenz des Katholischen Männerfürsorgevereins (KMFV) mitgeteilt wurde. Die Erzdiözese München und Freising finanziert das Projekt nach eigenen Angaben für drei Jahre mit rund 430.000 Euro.

Das Angebot richtet sich nach den Worten des KMFV-Vorstands Ludwig Mittermeier an obdachlose Männer und Frauen, die medizinisch-pflegerische Versorgung in einer geschützten, häuslichen Umgebung benötigen. Die Wohnung solle für Betroffene zu einem sicheren Ort werden. "Wenn man auf der Straße lebt oder in einer Notunterkunft ist es nicht möglich, dass man sich zuhause auskuriert", erklärte Mittermeier. Aufgenommen würden Betroffene unter anderem zur Nach- oder Weiterbehandlung nach Krankenhausaufenthalten für höchstens sechs bis acht Wochen, damit sie sich auch ohne eine permanente Wohnung angemessen erholen könnten. Nationalität, Aufenthaltsstatus, Religionszugehörigkeit und Geschlechtsidentität seien nicht von Belang.

Ganzheitliche Versorgung

Die 100 Quadratmeter große Krankenwohnung an der Waakirchner Straße besteht aus zwei barrierefreien Appartements mit Bad und WC, Küchenzeile und Balkon. Sie kann von insgesamt vier Personen belegt werden. Seit Ende Juli sind laut Mittermeier bereits zwei Männer im Alter von 64 und 74 Jahren eingezogen. Das Angebot umfasst neben pflegerischer Versorgung auch sozialpädagogische Betreuung und Anleitung zu gesundheitsfördernden Lebensweisen. Der betreuende Sozialpädagoge berichtete davon, dass man die Betroffenen hier ohne Druck betreuen und auch mal eine Woche länger als vorgesehen in der Einrichtung behalten könne.

Marx sagte, er freue sich über das neue Projekt und lobte die dafür Verantwortlichen von der Caritas und dem KMFV. Es gebe dort "unheimlich viel Fantasie". Gerade in der Pandemie sei noch stärker deutlich geworden, wie wichtig Gesundheit, vor allem aber Familie sei. Wer aber keine habe, für den müssten Menschen da sein, die jemandem in Not zur Seite stünden. Das Volk Gottes, sei auch die "Familie Gottes". Den Betroffenen müsse das Gefühl vermittelt werden, nicht allein zu sein. Der Kardinal merkte an, dass die Bedarfe künftig wohl noch steigen dürften: "Wir werden die Wohnungslosigkeit nicht so schnell überwinden, eher wird sich das Problem noch verschärfen."

Forschungsprojekt gab Anstoß

Die Konzeption der Krankenwohnung ist ein Ergebnis des 2019 begonnenen Forschungsprojekts "Neue Wege in der Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung wohnungsloser Menschen" des KMFV und der Katholischen Stiftungshochschule München, das von der Münchner Erzdiözese mit 700.000 Euro finanziert wurde. Solche Krankenwohnungsprojekte stehen bereits in Hamburg, Berlin und Hannover zur Verfügung. Nach den Worten von Peter Franz Lenninger gibt in München etwa 50 bis 100 Patienten pro Jahr, die eine solche Einrichtung bräuchten. (kna/ksc)


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