50 Jahre Rätearbeit Kreatives Miteinander

13.04.2019

Viele schon lange kirchliche Engagierte ziehen sich zurück. Georg Nöscher aus dem Dekanat Miesbach, langjähriges Mitglied im Vorstand des Diözesanrats, gibt das zu denken.

Georg Nöscher war von 2002 bis 2018 Mitglied des Vorstandes des Diözesanrats und Delegierter im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).
Georg Nöscher war von 2002 bis 2018 Mitglied des Vorstandes des Diözesanrats und Delegierter im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). © privat

Welche Funktion hatten Sie in der Rätestruktur?
Nöscher:
Ich war Pfarrgemeinderats(PGR)-Vorsitzender, 16 Jahre Dekanatsrats-Vorsitzender, danach 16 Jahre einer der drei Vertreter der Erzdiözese im Zentralkomitee der deutschen Katholiken und damit per Satzung Mitglied des Vorstandes des Diözesanrates. Ich habe mich eingebracht bei den Diözesanen Zukunftsforen „Dem Glauben Zukunft geben“ und „Pastoral planen und gestalten“, auf Bundesebene im Gesprächsforum der Deutschen Bischofskonferenz „Im Heute Glauben“. Auf diözesaner Ebene habe ich mich in den Sachbereichsgremien „Ecuador“ und „Kommunalpolitik“ engagiert.

Welche Entwicklung stellen Sie fest?
Nöscher:
Was mich sehr betroffen macht: Es war schwer für die Wahlen im vergangenen Jahr – PGR und Kirchenverwaltung – Kandidaten zu finden. Spezielle, unsere Kirche betreffende Gründe sehe ich mehrere. Da ist die immer weiter fortschreitende Kirchenferne vieler, da wir es immer weniger schaffen, den Menschen in verständlicher Sprache Antworten auf ihre Fragen zu geben. Natürlich spielen auch die aktuellen, verstörenden Nachrichten über die jahrzehntelangen Verfehlungen von Klerikern eine Rolle. Was mir aber sehr zu denken gibt: dass viele, die sich oft lange Jahre ihres Lebens in der Kirche engagiert haben, sich zurückziehen, weil ihr vielfältiges Engagement keine Wertschätzung erfahren hat und keinen Niederschlag in notwendigen und zukunftsöffnenden Änderungen gefunden hat.

Engagieren Sie sich als Katholik auch im Gemeinderat?
Nöscher:
Glaube und Engagement in der Kommunalpolitik kann man nicht unabhängig voneinander sehen. Die Verantwortung für die Kinder endet nicht am Gartentürl. Ich trage durch mein Tun bei, wie sich die Gesellschaft in meiner Gemeinde, in unserem Land, ja sogar global entwickelt. Deshalb auch mein Einsatz für die Mitmenschen in Ecuador. Die vielen Begegnungen in den Gremien waren wertvolles Fundament, Inspiration und Antrieb für mein kommunalpolitisches Handeln.

Welche Themen sollten aktuell durch die Räte bearbeitet werden? Welche Schwerpunkte sehen Sie?
Nöscher:
Dringend ist ein für alle gleiches Bild der Rollen, Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten von Priestern, Hauptamtlichen und Laien, um Missverständnisse und Reibungsverluste zu verringern.
Zwingend ist die Einbindung der Laien in die Ausgestaltung eines pastoralen Konzepts einer Pfarrgemeinde, das sich an der Lebenswirklichkeit der Menschen orientiert. Nur die Laien können ein ganzheitliches Bild der Wirklichkeit vor Ort zeichnen und daraus entsprechende Impulse für das pfarrliche Leben geben.
Und wir brauchen Begeisterung, Neues zu denken und auszuprobieren. Wir Laien brauchen die Wertschätzung, Akzeptanz der unterschiedlichen Charismen und Talente, damit daraus ein kreatives Miteinander am Bau der Kirche der Zukunft wird.

In dieser Serie berichten anlässlich des 50-jährigen Bestehens der katholischen Rätearbeit jede Woche Ehrenamtliche über ihr Engagement.


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