Pfarrkirche St. Nikolaus in Rosenheim Kreuzweg aus Beton-Skulpturen

04.03.2018

Patronenhülsen als Kreuznägel und eine Christus-Figur mit Auspuffrohr: Die Künstlerin Monika Stein stellt in ihrem Kreuzweg einen Bezug zur Gegenwart her. Bis Ostern sind ihre Beton-Skulpturen in Rosenheim zu sehen.

Pfarrer Andreas Maria Zach, Günter Wenz, die Künstlerin Monika Stein und Bürgermeister Anton Heindl (CSU, von links) beim Aufstellen der Kreuzweg-Skulpturen
Pfarrer Andreas Maria Zach, Günter Wenz, die Künstlerin Monika Stein und Bürgermeister Anton Heindl (CSU, von links) beim Aufstellen der Kreuzweg-Skulpturen © Schlecker

Rosenheim – Die Oberwössener Künstlerin Monika Stein setzt den Leidensweg Christi in Bezug zur heutigen Zeit. Bis Ostern sorgt ihr Kreuzweg aus Beton-Skulpturen in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Rosenheim nun für einen starken Kontrast zu den neugotischen Kreuzweg-Darstellungen an den Wänden.

Der Kreuzweg hat eine lange Tradition. Er soll das Leiden Christi anschaulicher machen. Bei vielen Darstellungen ist aber eher das Gegenteil der Fall. Stark idealisiert sind darauf schöne Menschen abgebildet, die selbst in ihrem größten Schmerz noch Würde und Gelassenheit ausstrahlen. Die neugotischen Kreuzweg-Bilder in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Rosenheim machen da keine Ausnahme. „Die Realität wäre in so einer Situation eine ganz andere“, sagt Pfarrer Andreas Maria Zach. Die Pfarrei hat darum bereits im vergangenen Jahr während der Fastenzeit mit Zeichnungen von Reiner Devens aus Wasserburg Werke eines zeitgenössischen Künstlers in Kontext zu diesen Bildern gesetzt.

Heuer fiel die Wahl auf die 14 Beton-Skulpturen von Monika Stein. Die 63-Jährige begann vor zehn Jahren mit der Malerei und weitete ihr künstlerisches Schaffen etwas später auf den Werkstoff Beton aus. Als erstes Motiv diente ihr Christus am Kreuz: „Ich kann nicht sagen warum, aber dieses Motiv strahlt für mich eine unglaubliche Faszination aus.“

Verbindung zur heutigen Zeit

Aufgewühlt vom Zustrom vieler Flüchtlinge widmete sie sich vor drei Jahren ein weiteres Mal einem christlichen Thema. In zwei Jahren schuf sie die 14 Stationen des Kreuzweges. Wichtig war ihr, damit eine Verbindung zur heutigen Zeit herzustellen. Schuld an Hungersnöten, Flucht und Tod hätten Klimawandel und Waffenlieferungen, beides von Menschen gemachte Probleme: „Das ist das Kreuz der Welt, das es heute zu tragen gilt.“

Eine ihrer Christusfiguren hat sie, als Sinnbild für die Luftverschmutzung, mit einem Auspuffrohr ausgestattet. Eine andere Figur trägt eine Gartenschere, um auf die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich hinzuweisen. Für die vielen Kriege, die derzeit auf der Welt wüten, stehen die Patronenhülsen, die Stein als Kreuznägel verwendet hat.

Rund 80 Kilo schwer und sehr zerbrechlich

Der Transport der Skulpturen in die Pfarrkirche stellte für alle Beteiligten auch eine Art „Kreuzweg“ dar. Jede Figur wiegt rund 80 Kilo und ist sehr zerbrechlich. Aufgestellt wurden die einzelnen Kunstwerke exakt gegenüber den neugotischen Kreuzweg-Bildern an den Wänden. „Damit wird ein direkter Kontrast geschaffen“, erklärt Pfarrer Zach. Auch andere Kirchen haben bereits Interesse an den Beton-Darstellungen signalisiert: In den kommenden Jahren soll der Kreuzweg von Monika Stein auch in der Benediktinerabtei Maria Laach und im Trierer Dom ausgestellt werden. (Karin Wunsam)


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