Gebetswache mit Papst Franziskus "Krieg ist eine Niederlage für die Menschheit"

08.09.2013

Papst Franziskus hat am Samstagabend mit 100.000 Menschen für den Frieden in Syrien gebetet. Dabei hat das Kirchenoberhaupt seine Ablehnung eines Militärschlags bekräftigt. Dem Aufruf des Papstes an diesem Tag für ein Ende des Blutvergießens zu beten, wurde überall auf der Welt gefolgt.

Papst Franziskus (Bild: imgao)

Papst Franziskus hat gemeinsam mit 100 000 Menschen am Samstagabend für Frieden in Syrien gebetet. Auf dem Petersplatz in Rom sprach der Pontifex:"Ich möchte heute Abend den Herrn bitten, dass wir Christen, die Brüder und Schwestern der anderen Religionen, alle Menschen aus Leibeskräften schreien: Gewalt und Krieg sind niemals der Weg des Friedens".Höhepunkt der vierstündigen Gebetswache war die Meditation des Papstes über Gewalt und Frieden. Die rund 100.000 Zuhörer unterbrachen ihn mehrfach mit Applaus.

In seiner Ansprache bekräftigte der Papst abermals eindringlich seine Ablehnung eines Militärschlags gegen das Regime von Baschar al-Assad. "Möge das Waffenrasseln aufhören!", forderte Franziskus. Krieg sei immer eine "Niederlage für die Menschheit".

Nicht nur auf dem Petersplatz wurde an diesem Tag für den Frieden in Syrien gebetet. Von Washington über Bagdad und Manila bis Sydney beteten Millionen Katholiken für ein Ende des Blutvergießens. Und nicht nur Katholiken. Auch der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christenheit, und die Evangelische Kirche in Deutschland hatten sich der Initiative angeschlossen. Sogar in Syrien selbst kamen Muslime, Christen und Juden in der Omajjaden-Moschee der Hauptstadt Damaskus zu einem gemeinsamen Gebet zusammen. Der Papst hatte ausdrücklich auch Angehörige anderer Religionen eingeladen, sich seiner Initiative anzuschließen. Auf dem Petersplatz allerdings waren am Samstagabend nur vereinzelt Muslime auszumachen.

Ist Friede tatsächlich möglich, oder bleibt er frommes Wunschdenken? Die Antwort des Papstes ist eindeutig: Ja, Friede ist möglich, lautete die Kernbotschaft seiner Ansprache. Und er beginnt nicht in Damaskus, im Pentagon oder im Kreml, sondern bei jedem Einzelnen. "Möge ein jeder den Mut fassen, auf den Grund seines Gewissens zu schauen und auf jene Stimme zu hören, die sagt: Komm heraus aus deinen Interessen, die dein Herz verengen, überwinde die Gleichgültigkeit gegenüber dem anderen", so Franziskus. Jeder Mensch müsse der "Hüter seines Bruders" sein. (kna/kas)


Das könnte Sie auch interessieren

Deutsche Bischofskonferenz Waffenstillstand für Syrien angemahnt

Im Syrien-Konflikt drängen die katholischen deutschen Bischöfe auf eine friedliche Lösung. Sie riefen die internationale Gemeinschaft auf ihrer Tagung in Trier dazu auf, einen tragfähigen...

25.09.2013

Dramatische Lage in den Flüchtlingslcamps Syrer fliehen vor möglichem Militärschlag

Aus Angst vor einem möglichen militärischen Eingreifen der USA haben in den vergangenen Tagen tausende Syrer das Land verlassen. Dabei sind die Kapazitäten der Flüchtlingslager in den Nachbarstaaten...

07.09.2013

Hungern für den Frieden Papst ruft zum Fastentag für Syrien auf

„Nie mehr Krieg!“, rief der Papst den Menschen beim Angelusgebet auf dem Petersplatz in Rom zu. Für Samstag, den 7. September, forderte er sie zu einem weltweiten Tag des Gebets und des Fastens für...

07.09.2013

Papst an G-20-Gipfel Weiteres Massaker in Syrien verhindern

Papst Franziskus hat an Wladimir Putin und die Teilnehmer des G-20-Gipfels einen Brief geschrieben. Er appelierte darin "Wege zur Überwindung der Gegensätze zu finden" und sich weiterhin für eine...

05.09.2013

Charlotte Knobloch zum Syrien-Konflikt Entwicklung in Syrien ist "verstörend"

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München-Oberbayern wirft dem Westen vor, bei Syrien zu lange tatenlos zuszuschauen. Dies könne zu einem "ungeahnten Bedrohungszenario" für den...

04.09.2013

Nach Papst Franziskus-Aufruf Syriens Großmufti will zu Friedensgebet kommen

Der syrische Großmufti Ahmad Badreddin Hassou möchte am kommenden Samstag am Friedensgebet des Papstes auf dem Petersplatz in Rom teilnehmen. Die syrischen Muslime sähen in Franziskus einen...

02.09.2013

Syrier flüchten nach Libanon Hilfssystem droht Kollaps

Der kleine Staat Libanon kann den Flüchtlingsstrom aus Syrien kaum noch bewältigen. Wenn es zu einem Militärschlag kommt und noch mehr Menschen flüchten, ist die Gefahr groß, dass der Staat den vielen...

31.08.2013

Konfliktforscher zu Syrien Militärschlag ist keine Lösung

Die Gefahr einer Eskalation ist groß! Deshalb ist für Konfliktforscher Stephan Stetter ein militärischer Angriff keine Lösung. Er hält ein gemeinsames Eingreifen der Vereinten Nationen mit der...

29.08.2013

Militäreinsatz in Syrien Caritas bezweifelt saubere Luftschläge

Nahrungsmittel, Haushaltsgegenstände, warme Kleidung – das brauchen die syrischen Flüchtlinge. Caritas International besorgt derzeit größere Mengen solcher Hilfsgüter. Bei einem militärischen Einsatz...

28.08.2013

Kardinal Marx über Krieg in Syrien "Ich könnte wirklich heulen"

Kardinal Reinhard Marx hat vor einem militärischen Eingreifen in Syrien gewarnt. Gewalt löse kein einziges Problem, vielmehr kämen dadurch weitere hinzu, sagte Marx am Mittwoch in Freising. Vor...

28.08.2013

Schick gegen militärisches Eingreifen Verhandlungen statt Kampfeinsatz

"Keine Waffen von keiner Seite und für keine Partei", das bekräftigt der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. Aus kirchlicher Sicht sind die ethischen Bedingungen für einen Kampfeinsatz in Syrien nicht...

27.08.2013

Bischof von Aleppo Militärschlag in Syrien würde "Weltkrieg auslösen"

Der chaldäisch-katholische Bischof von Aleppo, Antoine Audo, warnt eindringlich vor einem militärischen Eingreifen der internationalen Gemeinschaft in Syrien. Dies würde einen "Weltkrieg"...

26.08.2013

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren