Kardinal Reinhard Marx ehrt Künstler Krippe neu interpretiert

18.12.2017

89 Krippen von 89 Kreativen sind seit Montag in der Münchner Karmeliterkirche zu sehen. Gezeigt werden Weihnachtskrippen aus zeitgenössischer Perspektive. Sie sind im Rahmen eines Wettbewerbs entstanden, die Gewinner wurden von Kardinal Reinhard Marx ausgezeichnet.

Bei den Steinmetzen und Steinbildhauern wurde Verena Boiger mit „Origami“ ausgezeichnet.
Bei den Steinmetzen und Steinbildhauern wurde Verena Boiger mit „Origami“ ausgezeichnet. © Diözesanmuseum Freising/Thomas Dashuber

München – Gaudete - Freuet euch“ rief Christoph Kürzeder, Direktor des Freisinger Diözesanmuseums, passend zum dritten Adventssonntag aus. Denn mit so vielen eingereichten Kunstwerken für den Wettbewerb „HOLZSTEINGOLD“, nämlich 89, hatte er nicht gerechnet. Das Diözesanmuseum hatte zusammen mit den städtischen Fach- und Meisterschulen, unter anderem für das Holzbildhauerhandwerk und für Steintechnik, dazu aufgerufen, die Krippe neu zu interpretieren. Kardinal Reinhard Marx verlieh nun die von ihm persönlich gestifteten Preise an die acht Gewinner des Wettbewerbs. An dem Abend wurde auch die dazugehörige Ausstellung „Schöne Bescherung! 89 Krippen – 89 Kreative“ feierlich eröffnet. Schon vor dem offiziellen Beginn war die ehemalige Karmeliterkirche dazu prall gefüllt.

Kardinal Marx, der selbst eine große Leidenschaft für Krippen hegt, verwies auf die reiche Tradition der Krippendarstellung: Schon 1223 habe Franz von Assisi in Greccio anstelle einer Predigt die Weihnachtsgeschichte mit lebenden Tieren und Menschen dargestellt. Kardinal Marx betonte, dass die Krippendarstellungen immer wieder zeitgenössisch interpretiert worden seien. Den revolutionären Gedanken hinter der Menschwerdung Gottes, der sich in der Krippenszene manifestiere, heute darzustellen, sei großartig.

Kardinal Reinhard Marx (links) übergab Urkunden an die Sieger, darunter Constantin Overbeck (Mitte).
Kardinal Reinhard Marx (links) übergab Urkunden an die Sieger, darunter Constantin Overbeck (Mitte). © Kiderle

Überraschende Details

Auch die Wettbewerbsteilnehmer haben in ihren Werken viele aktuelle Themen aufgriffen. Etwa Hannah Lehleiters mit ihrem prämierten „Stadtgeschehen“: In ihrer Interpretation verschwindet die eigentliche Krippenszene vor der „Unwirklichkeit einer modernen Metropole“, erläuterte Robert Predasch, Schulleiter der städtischen Fachschule für Bautechnik. Ebenfalls prämiert wurde Anne Bades Krippentheater „Holy Night Show“, das in sechs wechselnden Bildern das Jesuskind sowohl vor dem Nachthimmel Bethlehems als auch vor dem Stacheldraht einer modernen Grenze zeigt. Auch über die Siegerarbeiten hinaus gab es viele überraschende Details zu entdecken. Philip Dorner zum Beispiel hat das Weihnachtsgeschehen bei Obdachlosen unter einer Brücke angesiedelt.

Das Sieger-Werk „Neun Pfeiler der Weihnacht“ von Constantin Overbeck.
Das Sieger-Werk „Neun Pfeiler der Weihnacht“ von Constantin Overbeck. © Diözesanmuseum Freising/Thomas Dashuber

6.000 Euro Preisgeld

An acht Teilnehmer aus vier Kategorien verlieh Karindal Marx Preise in einem Gesamtwert von 6.000 Euro. Bei den Holzbildhauern freuten sich vier Gewinner über insgesamt 1.500 Euro, bei den Steinmetzen zwei und in den Kategorien Gold- und Silberschmiede sowie Vergolden gab es jeweils einen Gewinner. „Ich hätte nie damit gerechnet“, freute sich Constantin Overbeck, einer der Gewinner der Holzbildhauer, ganz bescheiden.

In Hannah Lehleiters „Stadtgeschehen“ verschwindet die eigentliche Krippenszene vor der „Unwirklichkeit einer modernen Metropole“.
In Hannah Lehleiters „Stadtgeschehen“ verschwindet die eigentliche Krippenszene vor der „Unwirklichkeit einer modernen Metropole“. © Diözesanmuseum Freising/Thomas Dashuber

Zum Anfassen

Seine Krippe „Neun Pfeiler der Weihnacht“ besteht aus neun großen Stelen, an deren Spitze in abnehmbaren Köpfen kunstvoll Ochs und Esel und natürlich auch das Christkind eingeschnitzt sind. Overbeck war es wichtig, eine Krippe „zum Anfassen“ zu fertigen, und so kann man seine Krippe auch umstellen, mit ihr spielen und die Köpfe der Stelen lösen, um aus der Stand- eine Tischkrippe zu machen.

Im Anschluss gab es für die Besucher auf einem eigens aufgebauten Christkindl-Markt Glühwein, Würstel und heiße Maroni zur Stärkung. (stö)

Die Ausstellung in der ehemaligen Karmeliterkirche (Karmeliterstraße 1) ist bis Sonntag, 14. Januar, täglich von 11 bis 19 Uhr zu sehen, am 24. und 31. Dezember schließt sie bereits um 14 Uhr. Zur Ausstellung ist ein bebilderter Katalog erhältlich.


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